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Autor Thema: Marshall Valvestate 80V, Modell 8080, BJ 92, Vorstufen Probleme  (Gelesen 5003 mal)

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Offline gitarren-man

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Hallo Zusammen
Habe ein Problem mit meinem Valvestate 8080 Combo:
Zunächst einmal leide ich unter dem bekannten Problem mit der Eingangsbuchse die zum Teil ein sehr fieses Knacken produziert hat. Vor kurzer Zeit kam dann hinzu dass zuerst der Boost channel nicht mehr wirklich Laut ist (Vor- und Endstufe voll auf ergibt nicht mehr als Zimmerlautstärke!) und der Sound ziemlich Bratzig ist. Wenig später kam dann hinzu dass auch der Clean Channel ein sehr störendes Rauschen von sich gibt, das zwar den Klang nicht großartig verändert aber in den Spielpausen doch viel zu deutlich zu hören ist (auch wenn nichts angeschlossen ist).
Beide Probleme stammen mit Sichereheit von den beiden Vorstufen da alles Normal ist wenn man den Effekts Regler voll aufdreht und so nur noch die Endstufe aktiv ist.

Da ich armer Student bin, will ich zunächst mal gucken ob ich das Ding (was ich mal teuer erstanden habe) selber reparieren kann da eine Reparatur (habe mich mal erkundigt...) sehr kostspielig werden kann.
Habe für feinere Sachen die ich selbst nicht mehr machen kann auch einen Bekannten an der Hand der Rundfunkelektroniker ist!

Hoffe ihr könnt mir Helfen mein Problem ein wenig zu lokalisieren und/oder mir ein paar Tipps geben was ich mal untersuchen sollte!

schonmal Danke
Daniel

« Letzte Änderung: 2.04.2009 13:06 von gitarren-man »

Offline torus

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Mein Bandkollege hat den gleichen Amp als Top-Teil, und die Probleme kommen mir alle *sehr* bekannt vor.

Die klassischen Probleme sind normalerweise die mechanischen Bauteile, d.h. die Buchsen, Schalter und Potis. Potis bekommst Du mit Kontakt-Spray wieder zum Laufen, aber besser ist es die gleich auszutauschen. Neue Taster finden könnte schwierig werden, ist aber warscheinlich gar nicht nötig. Auch da solltest Du mal mit Kontakt-Spray ran.

In der Vorstufe befindet sich irgendwo eine 12AX7 Röhre. Da Dein Zerr-Kanal zu leise ist solltest Du die unbedingt mal austauschen. Die wird jetzt so ihre 20 Jahre auf dem Buckel haben und darf in Rente :-)

Ansonsten ist das ein richtig solider Amp. Da kann eigentlich nix kaputt gehen was man nicht wieder hinbekommt.

Gruß,
  Nils

Offline gitarren-man

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Das mit der Buchse ist ein altbekanntes Problem bei der Serie. Hab auch schon mehrfach gelesen dass die allgemein eher mäßig verarbeitet sind. Das ist auch nicht mein eigentliches Problem, die werd ich demnächst mal austauschen sobald meine anderen Probleme gelöst sind. Potis etc. machen sonst keine Probleme!

Liegt mein Problem im Zerr-Kanal tatsächlich nur an der Röhre oder steckt wohlmöglich noch mehr dahinter? Weil die zu tauschen wäre ja kein Problem. Es würde auf jeden Fall dazu passen, dass der normal ja erst nach ein paar sekunden Laut wird sobald die Röhre etwas warm ist, was nun auch nicht mehr passiert.
Ich meine, dass da aber auch nicht mehr die orginale Röhre drin ist, sprich die schoneinmal gewechselt wurde bevor ich den Amp übernommen habe. Was haben Röhren denn an sich für eine Lebenserwartung?

Wie stehts mit dem Rauschen der Clean-Vorstufe?

Gruß
Daniel
« Letzte Änderung: 2.04.2009 14:42 von gitarren-man »

Offline Manfred

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Hallo Daniel,

ich hatte es schon oft bei den Valvestates und anderen Amps die ich zur Reparatur hatte,
dass die TL071/72 OP-Amps nach den Jahren anfingen heftiges Rauschen zu produzieren.
Ohne Signal und Kabel, mit dem Oszilloskop die Ausgänge der OP-amps messen.
Das Rauschen mit höherer Amplitude ist  deutlich zu sehen.

Gruß
Manfred


   

Offline gitarren-man

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Hallo
Danke für die Antwort!
Also wenn ich mir den Schaltplan angucke, finde ich ne ganze Reihe Teile mit dieser Beschriftung: einmal ein einzelnes und einmal direkt 10 Stück nebeneinander (IC Supply Arrangement). Muss ich die jetzt alle durchmessen oder könnte ich sie auch (auf grund nicht vorhanderner Messtechnik) einfach alle z.B mit Ersatzteilen von xxxx ersetzen? Wenn ich das richtig verstanden habe sind das alles IC Bausteine die man ja an sich relativ leicht tauschen kann (weis grad nur nicht ob die die auf ner Brücke sitzten oder fest aufgelötet sind).

Gruß
Daniel

Link zum Schaltplan: http://www.drtube.com/schematics/marshall/pc0689.pdf

Offline torus

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Moin Daniel.

Wenn ich mich recht erinnere sind die ICs alle eingelötet. Ist aber ein bischen her, das ich den Valvestate auf dem Tisch hatte.

Ich würd sie komplett tauschen. Die Dinger kosten nur ein paar Cent. Wenn Du mit 'nem Lötkolben umgehen kannst ist das ruckzuck erledigt. Du darfst sie halt nicht überhitzen. Auf IC-Sockel würde ich verzichten. Die machen auf Dauer Ärger wenn der Amp in einem feuchten Proberaum steht.


Zu den ICs: Die OpAmps kommen im Schaltplan mehrfach vor. Im IC Supply Arrangement sind nur die Pins für die Spannungsversorgung verzeichnet. Die eigentlichen Verstärker findest Du im Signalweg (es sind die dreieckigen Teile). In einem TL072 sind zwei OpAmps drin, daher findest Du im Schaltplan auch immer zwei OpAmps (IC1B und IC1A z.B).

Btw - auch wenn das ein Transistor-Amp ist solltest Du aufpassen, das Du keinen Schlag bekommst. Die Röhre im Amp hat ordentlich Spannung drauf. Bevor Du Deine Finger in den Amp steckst solltest Du auf jeden Fall das Sicherheits-Board lesen. Ein anständiges Messgerät ist auch Pflicht (sollte man eh im Haus haben, sowas).

Gruß,
  Nils

Offline Manfred

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Hallo Daniel,

Dein Bekannter, der Rundfunktechniker ist, kann sicherlich mit  einem Oszilloskop die Messungen durchführen.
Alle austauschen geht natürlich auch, ist halt mehr Arbeit. Aufpassen nicht alle ICs sind TL071 und TL072.
Natürlich könnte der Fehler auch bei den anderen liegen, aber die TL07x sin eher die Kandidaten.
IC9 1458 kein Problem,  IC3,5,7 MS5201 sind schwierig zu beschaffen und teuer ~ 8 Euro/Stück.

Gruß
Manfred


Offline flying-geetar-circus

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Hallo Daniel

Auf Grund deines Fehlerbeschriebes (wo Du einerseits den Leadkanal als "bruzzelig" und beim Cleankanal ein Rauschen erwähnst) würde ich gemäss Schaltplan auf den IC1 tippen, da dieser als Doppel-OP für beide Kanäle beschaltet ist. Um meine Vermutung zu bestätigen, drehst Du im cleanen Kanal einfach den Volumenregler auf Null zurück. Wenn Du jetzt im cleanen Kanal kein Rauschen mehr hörst dann darfst Du gerne 1.5€ für einen TL072 aufwerfen und die Geschichte ist mit grosser Wahrscheinlichkeit gegessen :bier:

Gruss
Paco
Bei jeder Streitfrage gibt es zwei Standpunkte - Meinen und den Falschen ;-))

Offline gitarren-man

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Tach zusammen
erst einmal Danke für die vielen Antworten!!!
Als ich Paco's Idee gestern nachging stellte ich fest, dass er vielleicht recht hat, ich vorallem aber herausgefunden habe, dass das fiese Rauschen wohl doch am Poti lag (es tut mit Leid, ich war bis jetzt überzeugt das ich die Potis als Fehlerquelle auschließen kann und nun stehe ich vermutlich wie der letzte Idiot da ;) )! Beim Abdrehen des Gains hörte das Rauschen zunächst nicht auf, aber nach etwas spielerei am Poti war es plötzlich weg! Nun ist, nach der bearbeitung mit Kontaktspray, nur noch ein leiseres Rauschen wahrnehmbar, wozu ich aber nicht genau sagen kann, dass es das normale Rauschen des Amps ist. Ob Paco wirklich recht hat kann ich wohl erst sagen wenn auch der Boost Channel wieder funktioniert/laut ist. Dafür werd ich mir wohl umgehend eine neue Röhre besorgen müssen wenn das wirklich das Problem des sehr leisen Boost Channels ist! Dann wird sich erst zeigen ob die Verzerrung auch wieder normal ist oder doch noch bruzzelig.

Gruß
Daniel
« Letzte Änderung: 14.04.2009 13:55 von gitarren-man »

Offline gitarren-man

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Negativ! Hatte gestern Bandprobe. Der Amp rauscht immer noch viel zu viel und unnatürlich! Dafür lässt es sich aber mittels Gain Regler im Clean Channel leise regeln. Werde dann wohl doch den einen Op-Amp (IC1) tauschen.

Im schaltplan steht TL072S, bei xxxx jedoch steht TL072 CN. Sind das nun unterschiedliche oder sind die gleich?

Gruß
Daniel

Offline torus

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Im schaltplan steht TL072S, bei xxxx jedoch steht TL072 CN. Sind das nun unterschiedliche oder sind die gleich?

Der TL072CN ist okay.

Gruß,
  Nils

Offline gitarren-man

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So
Heute meine Vorstufen Röhre gewechselt. Jetzt klingt die Verzerrung zwar nicht mehr so schäbig aber ist immer noch viel zu leise. IC's sind bestellt. Hoffe der Tausch des oben gennanten IC's bringt die Erwünschte Heilung des Amp. Oder einer nun noch ne andere Idee?

Gruß
Daniel

Offline Wally

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Hallo Daniel,
falls Du den Amp doch fachgerecht überholen lassen willst, stell doch mal eine unverbindliche Anfrage an den Röhrenguru www.bobbys-reparaturen.de, der ist preiswert und kann Dir bestimmt helfen.

Grüß, Wally

Offline gitarren-man

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Werbung hilft mir nicht bei meinem Problem^^
Hab übrigens schon ne anfrage an eine Werkstatt in Köln geschrieben der sachte 50 bis 150 Euro müsste ich einplanen!

Offline Feierabendklampfer

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Hi!

Kann hier auch meinen Senf dzu geben weil ich grade so ein Teil restauriert habe.
Es ist halt ein Billigteil mit dem Marshall das untere Segment bedient. Der mechanische Aufbau ist  nix für die Ewigkeit, kann mann das aber durch ausbohren der Nieten und Schrauben einsetzen verbessern. Richtige Abstandsbolzen usw...
Den grottenschlechten Boostsound habe ich (meiner Meinung nach) verbessert indem ich die Clip-LEDs durch je zwei 1N914-Dioden ersetzt habe. Das Hard-Edge -Clipping der LEDs macht einfach zuviel unharmonische Obertöne. Und die Frequenzfilterung danach ist schon für die damalige Zeit altbacken gewesen. Es klingt aber immer noch gut nach Marshall.
Gut für einen Transenamp finde ich den Clean-Sound. Die 1N914-Dioden machen dort einen guten Crunch damit es so etwa nach Clean-Röhre klingt.(Crunch-Schalter Normal-Channel).

Womit ich Marshall (und die Arbeiter in den Kolonien) auch noch loben muss ist die gute Dokumentation (Schaltplan) und die Beschriftung der Platine. Sonst wäre es eine endlose Sucherei gewesen.

Jetzt werde ich den Combo mal in der Probe testen wie der Sound so durch kommt. Eingesetzt wird er als Ersatzamp wenn mal was kaputt geht oder wenn grad noch wer mitspielen will...

Bastlergruß
« Letzte Änderung: 10.06.2009 00:18 von Feierabendklampfer »
Kinder betet Papi lötet!