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Autor Thema: Gesprächsrunden  (Gelesen 4281 mal)

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Dirk

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #30 am: 18.09.2010 22:43 »

Ganz so ist das glaub ich nicht, mag sein daß es etwas mit Menschenkenntnis zu tun hat (und das trau ixh unserem geschätztem Moderator schon zu  :) ), Erfahrung und auf den 'Arsch' gefallen gehört auch dazu......

Das ist vollkommen Richtig ! Auf den "Arsch" fallen gehört dazu, auch wenn es weh tut.
In einem persönlichen Gespräch kann natürlich auch schon viel im Vorfeld sondiert werden aber eben nicht alles und da war das "auf den Arsch" fallen im letzten Fall nun halt so gross, dass ich dann halt doch nicht so sozial sein will wie es es erwartet wird und fertig. Hätte es jetzt 4 von 5 mal positiv funktioniert, dann hätte ich mit Sicherheit eine andere Sicht auf die Dinge aber ich bin in der Zwischenzeit der Meinung, dass es eigentlich gar nicht positiv verlaufen kann. Aber gut, jetzt wissen wir aber auch wozu die beiden Backen hinten über den Beinen gut sind.

Wenn man wirklich etwas sinnvolles tun will, ganz egal jetzt von welcher Seite aus, dann müsste man eigentlich den Kindern helfen, denn dort ist die Chance noch am grössten, etwas in eine sinnvolle Richtung zu drehen.

Gruß, Dirk
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guitarthunder

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #31 am: 19.09.2010 20:58 »



Wenn man wirklich etwas sinnvolles tun will, ganz egal jetzt von welcher Seite aus, dann müsste man eigentlich den Kindern helfen, denn dort ist die Chance noch am grössten, etwas in eine sinnvolle Richtung zu drehen.

Gruß, Dirk

Hallo Dirk
Um den Kindern zu helfen müsste man sie oftmals den Eltern abnehmen.Wie sollen die sonst lernen daß es normal ist
morgens zur Arbeit zu gehen.Solange es rentabler ist mit drei Kindern zuhause zu bleiben kriegst du niemand in Lohn und Brot.
Gruß Michael
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bea

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #32 am: 19.09.2010 21:18 »

Michael: auch wenn es derartige Leute gibt, so sind sie in der Minderheit. Und Leute, die ihren Job einfach so absitzen und nach Möglichkeit nichts tun, gibt es durchaus auch unabhängig von ehemaliger Arbeitslosigkeit zuhauf. Man könnte sogar mal darüber nachdenken, inwieweit derartige Sesselpupser anderen, potentiell engagierteren, die Jobs nehmen.

Bei derartigen Argumenten komme ich nicht so ganz mit. Es gibt durchaus viele H4-Empfänger, die heilfroh sind oder wären, wieder in Lohn und Brot zu kommen. Ein junger Mann aus meinem Freundeskreis z.B. absolviert zur Zeite eine Ausbildung als Gebäudereiniger, um endlich aus dem Mist herauszukommen. Ein mir über XING bekannter ehemaliger kaufmännischer Angestellter findet trotz inzwischen erworbener Zusatzqualifikationen schlicht aus Altersgründen keinen Job. Mein Tanzpartner pendelt zwischen H4 und Zeitarbeit, findet wegen der Wirtschaftslage nichts, was zu seine Qualifikation passt - und der wäre ebenfalls froh über eine vernünftige Perspektive.

Und Leuten die Kinder wegnehmen zu wollen geht schon mal gar nicht.

Grüße in die Nacht

Beate

Allerdings ist es schon so, dass man sich durch die Erfahrung eine Langzeitarbeitslosigkeit verändert - sowas ist psychisch ungeheuer belastend, und zwar so sehr, dass es eine enorme Lebensumstellung bedeutet, die einiges an Kraft kostet (nicht zuletzt auch der ungewohnte Umgang mit den in vielen Betrieben ausgeprägten überflüssigen Konflikten...). Ich kann mir gut vorstellen, dass manche nach einigen Jahren Zwangspause erstmal besser mit Teilzeitjobs bedient wären. Mal aus der Betroffenen-Perspektive: man muss sich ja irgendwie mit der Situation arrangieren, um seelisch nicht vollkommen vor die Hunde zu gehen.

« Letzte Änderung: 19.09.2010 21:21 von bea »
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Dirk

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #33 am: 19.09.2010 21:19 »

Um den Kindern zu helfen müsste man sie oftmals den Eltern abnehmen.

Das ist grundsätzlich richtig - in den wirklichen Extremfällen. Aber es fängt schon in "normalen" Familien an, oder warum gibt es immer mehr Probleme, Lehrstellen zu besetzen ? Schau Dir mal die Absenkung des Niveaus in den Schulen an, oder kann es sein, dass die Schüler an einem Gymnasium hier in der Nähe in der 7. Klasse einen Stundendurchschnitt von 4 Stunden täglich haben, weil Lehrer fehlen oder krank sind. Weiter oben wurde auch schon auf die Zustände an den Unis verwiesen usw. Ullas Plasitkarte mit Chip ändert daran auch nichts und hat nur Alibifunktion gegenüber dem BGH.
Die Probleme haben viele Ursachen und sind sehr vielschichtig und es bedarf entsprechenden Anstrengungen um diese zu beseitigen. Auch solche Anstrengungen die beim wählenden Volk nicht gut ankommen. Da aber diejenigen, die primär für die Verordnung dieser Anstrengungen verantwortlich sind wieder von denen gewählt werden wollen und sollen, die solche Maßnahmen am Ende ausbaden (nicht ganz passend das Wort hier) müssen, also dem Wähler, wird sich an der Gesamtsituation auf Dauer nichts ändern (Beispiel aktuelle Umfragewerte und den tiefen Fall der FDP).

Gruß, Dirk

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Dirk

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #34 am: 19.09.2010 21:37 »

Bei derartigen Argumenten komme ich nicht so ganz mit. Es gibt durchaus viele H4-Empfänger, die heilfroh sind oder wären, wieder in Lohn und Brot zu kommen.

Das glaube ich gerne und die von mir genannten Beispiele sind auch nicht pauschal anzusehen sondern spiegeln nur die Erfahrung wieder die ich selbst gemacht habe, welche sich aber seltsamerweise sehr häufig mit anderen Firmen deckt. Mir geht es hierbei nicht um den Austausch von irgendwelchen Argumenten oder Meinungen, sondern es waren ganz einfach handfeste Erfahrungswerte die auch belegbar sind. Dennoch habe ich den Eindruck, dass der grösste Teil der H4 / Langzeitarbeitslosen an ihrer Situation eine grosse Mitschuld tragen und es oftmals nicht mal sehr vieler Veränderungen Bedarf um die Situation zu ändern, aber es ist immer einfacher andere für eine missliche Situation verantwortlich zu machen als selbst über den eigenen Schatten zu springen. Wie oft hast DU zum Beispiel in irgendwelchen Examen über den Prof geflucht weil er die Prüfungsfragen extrem fies ausgewählt hat ? Bitte eine ehrliche Antwort - muss auch nicht öffentlich sein  ;)

Und Leuten die Kinder wegnehmen zu wollen geht schon mal gar nicht.

Ich weis, hier kommen ggf. Gedanken an die DDR hoch aber man soll nicht gleich jede Überlegung gleich vom Tisch fegen zumal es zahlreiche Urteile gibt in denen das Wohl des Kindes besonders hervorgehoben wurde und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es zum K... finden, wenn ich sehe wie manche Leute mit ihren Kindern umgehen und die sich noch nicht mal wehre können !

Allerdings ist es schon so, dass man sich durch die Erfahrung eine Langzeitarbeitslosigkeit verändert - sowas ist psychisch ungeheuer belastend, und zwar so sehr, dass es eine enorme Lebensumstellung bedeutet, die einiges an Kraft kostet.

Das glaube ich gerne, aber wenn wir als Kleinkind laufen lernen, stehen wir auch immer wieder auf, wenn wir hingefallen sind. Wieso legen wir dieses Verhalten dann im fortgeschrittenen Alter ab ?

Gruß, Dirk


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bea

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #35 am: 19.09.2010 22:03 »

..Situation verantwortlich zu machen als selbst über den eigenen Schatten zu springen. Wie oft hast DU zum Beispiel in irgendwelchen Examen über den Prof geflucht weil er die Prüfungsfragen extrem fies ausgewählt hat ? Bitte eine ehrliche Antwort - muss auch nicht öffentlich sein  ;)

Ganz ehrlich: es gab genau einen Prof, mit dem ich nicht klar kam. Er mit mir auch nicht - wenn man wie ich ein Orchideenfach studiert hat, spielt auch das eine Rolle, man ist zu eng aufeinander. Ich bin ihm so gut es ging aus dem Weg gegangen und habe seine Veranstaltungen gemieden. Wir hatten allerdings auch wenig Prüfungsdruck - man wusste eh, wer was kann. Vorteil des Orchideenfachs, jedenfalls vor Bologna.

Zitat
fegen zumal es zahlreiche Urteile gibt in denen das Wohl des Kindes besonders hervorgehoben wurde und

Und Kinder wollen vor allem eines: ihre Eltern und zwar beide. Sie leiden unter der Trennung, und sie leiden natürlich auch unter einer faktischen Trennung, wenn ein Elternteil sich nur noch übel verhält. Aber im Prinzip wollen sie beide Eltern.

Zitat
ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es zum K... finden, wenn ich sehe wie manche Leute mit ihren Kindern umgehen und die sich noch nicht mal wehre können !

Ja, schon, aber was hat das mit Langzeitarbeitslosigkeit zu tun?

Zitat
Das glaube ich gerne, aber wenn wir als Kleinkind laufen lernen, stehen wir auch immer wieder auf, wenn wir hingefallen sind. Wieso legen wir dieses Verhalten dann im fortgeschrittenen Alter ab ?

Das tun wir auch später immer noch. Wenn man zu oft hingeworfen wird, kommt man aber manchmal nicht mehr richtig hoch - vielleicht sogar gerade wenn man im Grunde genommen leistungsorienteirt und engagiert ist (->man brennt aus). Aufstehn tue zumindest ich trotzdem immer wieder.... Ach so, auf H4 bin ich auch nicht - ich bin nur so nah an dieser Perspektive, dass ich mehr mitbekomme als mir manchmal lieb ist.


Grüße in die Nacht.

Beate
« Letzte Änderung: 19.09.2010 22:05 von bea »
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guitarthunder

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #36 am: 19.09.2010 22:13 »

Hallo Bea

Als ich 1983 ausgelernt hatte bot mir mein Arbeitgeber (damals BBC) einen Arbeitsplatz auf Montage an.Das hat mir überhaupt nicht gefallen.Ich war die ganze Woche getrennt von Freundin und Kumpels.Aber ich habs trotzdem ein Jahr lang gemacht damit ich nicht auf der Strasse sitze.Ich hab oftmals den Eindruck das viele Leute darauf warten das die Arbeit zu ihnen kommt.Aber das kannst du getrost vergessen.Entweder du bleibst auf der Strasse sitzen oder du musst dorthin gehen wo es Arbeit gibt.Daß man den H4 Leuten die Kinder nicht wegnehmen kann ist schon klar.Aber wenn ein Kind in einer Familie aufwächst in der niemand arbeiten geht, wird es schwer zu motivieren sein damit anzufangen.
Gruß Michael
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Dirk

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #37 am: 19.09.2010 22:17 »

Und Kinder wollen vor allem eines: ihre Eltern und zwar beide. Sie leiden unter der Trennung, und sie leiden natürlich auch unter einer faktischen Trennung, wenn ein Elternteil sich nur noch übel verhält. Aber im Prinzip wollen sie beide Eltern.

Es wäre schlimm, wenn es nicht so wäre, aber da liegt dann aber auch ein Problem, denn die Eltern werden als Vorbilder angesehen.

Ja, schon, aber was hat das mit Langzeitarbeitslosigkeit zu tun?

Das war in der Antwort zu Deiner Aussage "Und Leuten die Kinder wegnehmen zu wollen geht schon mal gar nicht."

Aufstehn tue zumindest ich trotzdem immer wieder.... Ach so, auf H4 bin ich auch nicht - ich bin nur so nah an dieser Perspektive, dass ich mehr mitbekomme als mir manchmal lieb ist.

Somit hast Du eine indirekte Sichtweise. Es ist aber meiner Meinung nach extrem wichtig zu versuchen auch aus anderen Blickwinkel auf das Thema zu schauen und zwar so neutral und objektiv wie es nur möglich ist, was manchmal gar nicht einfacher ist.

Gruß und ich geh jetzt auch ins Bett
 :gutenacht:
Dirk
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bea

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #38 am: 20.09.2010 00:08 »

Arbeit zu ihnen kommt.Aber das kannst du getrost vergessen.Entweder du bleibst auf der Strasse sitzen oder du musst dorthin gehen wo es Arbeit gibt.

Ganz meine Meinung. Da ich ja selbst im IT-Projektgeschäft tätig bin/war (weiß ich nicht so genau...), kenne ich das Thema aus eigener Erfahrung nur zu gut.

Zitat
.Aber wenn ein Kind in einer Familie aufwächst in der niemand arbeiten geht, wird es schwer zu motivieren sein damit anzufangen.

Genau das glaube ich nicht. So üppig lebt sich nämlich nicht von H4. Wir sollten bei dieser Diskussion eines im Auge behalten: H4 ist relativ jung , und die Perpektivlosigkeit derart großer Teile der Bevölkerung ebenfalls. Sie trifft vor allem wohl Berufseinsteiger und Menschen, die es in der Lebensmitte aus dem Angestelltenleben herauskickt. Besonders letzteren gibt die Gesellschaft eigentlich keine Chance (Politikeraussagen, dass "die Älteren" die Gewinner der Finanzkrise seien, halte ich für einen Treppenwitz - die Daten demonstrieren nur die Wirkung des Grundprinzips "last in first out" im Kündigungsrecht. Sie sagen nichts über die Chancen derjenigen, die es erwischt hat).
Daraus folgt, dass wir einfach zu wenig Erfahrungswerte haben, um derartige Negativaussagen zuverlässig treffen zu können. Vielleicht macht es ja einen Sinn, sich mal im Erwerbslosenforum umzusehen?

H4 wird übrigens sogar zum größeren Teil dazu verwendet, um den politisch gewollten dritten Arbeitsmarkt zu subventionieren, also als Förderung, wenn das Einkommen aus der Erwerbsarbeit nicht mehr ausreicht.

Beate
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custom

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #39 am: 20.09.2010 03:45 »

Hallo.
Wenn Dirk derartige Erfahrungen gemacht hat, sind die natürlich nicht von der Hand zu weisen. Auf der anderen Seite gibt es jede Menge H4ler, die nach 50 erfolglosen Bewerbungen sehr viel negatives von Unternehmen berichten können. Ich habe in vorigen Beiträgen auch nicht sein mittelständisches Unternehmen, sondern vielmehr das Großkapital und seine gekauften Politiker im Blickwinkel gehabt. Anyway. Aber verlieren wir uns nicht in Kleinigkeiten, sondern betrachten das große Ganze.

Es gibt einen Blogschreiber, der die Dinge beim Namen nennt. Er heißt Jochen Hoff und ich möchte ihn hier mal auszugsweise zitieren. Auszugsweise deshalb, weil mir seine Thesen oftmals zu radikal sind. Aber im wesentlichen hat der Mann recht. Er schreibt:

"Der chinesische General Sunzi beschreibt 500 vor Christus in seinem Buch "Über die Kriegskunst" die taktische Vorgehensweise des "Teile und Herrsche oder besser bekannt als "Divide et impera". Dabei geht es darum einen Gegner in möglichst kleine Untergruppen zu zerteilen, die sich dann leichter besiegen lassen. Dabei werden Gruppen geschaffen, denen mehr oder weniger willkürliche Rechte so zugewiesen werden, das eine Pyramide entsteht.



Tatsächlich geht es aber nur darum, die Spitze der Pyramide übersatt zu füttern. Brotkrümel vom Tisch der Herren, die zur Zeit "Leistungsträger" genannt werden wollen, obwohl sie nichts leisten gibt es nur für diejenigen, die den Unterdrückungs- und Ausbeutungsapparat stützen. Diese Günstlinge werden für ihren Verrat an der Gemeinschaft gehätschelt, allerdings auch gnadenlos geopfert, wenn dies nur den kleinsten Zusatzgewinn verspricht. Die Günstlinge versuchen sich davor zu schützen, indem sie die Befehle ihrer Herren schon vorausschauend und immer übertrieben noch weiter verschärfen.
Logischerweise ist es bei dieser Pyramide so das die, die oben sitzen, auf die sich unter ihnen befindlichen herabsehen und in ihnen weitgehend eine völlig andere Art sehen, die keinesfalls die gleichen Rechte beanspruchen kann wie sie selbst. Sie sehen in den unter ihnen stehenden Elementen meist nur Insektenartige Wesen, deren Vernichtung keinerlei moralische Rücksichten erfordert.

Damals waren die unterste Schicht der Pyramide, die Sozialhilfeempänger und dauerhaft nicht arbeitsfähig Erkrankten sowie deren Familien. Die nächste Schicht bildeten die Arbeitslosen, die Arbeitnehmer in den Leichtlohngruppen, den Dienstleistungen und ohne gewerkschaftliche Organisation. Darüber kamen die Arbeiter und kleineren Angestellten und dann die Angestellten, die als Mittelschicht angesehen wurde. Die mittleren und leitenden Angestellten betrachteten sich schon als zur Oberschicht zugehörig, waren aber real auch nur gutbezahltere Handlanger im System.

Die von dem kriminellen Peter Hartz und den anderen Neoliberalen ausgeheckte Hartz Gesetzgebung änderte dies rasant. So wurden Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose, die länger als ein Jahr arbeitslos waren, in der untersten Schicht der Pyramide zusammengefasst und als Hartz IV Empfänger bezeichnet. Damit wurde bewusst der obdachlose Säufer zusammen mit der alleinerziehenden Mutter in eine Schicht gepresst. Der Arbeiter der sich nach 30 Jahren kaputt gearbeitet hatte wurde mit dem dauerhaft psychisch erkrankten in eine Gruppe gedrückt. Auch der Niedriglohnsektor, der Arbeit zu immer niedrigeren Löhnen anbot, kam in diese Schicht und die Tatsache, daß die Arbeitgeber niedrigste Löhne zahlten und die Arbeitnehmer aus finanzieller Not heraus Hartz IV beantragen mussten, wurde den Arbeitnehmern zum Vorwurf gemacht.

Es war völlig egal wieviel Ehrgeiz und Kraft jemand aufbrachte, es sollte keinen Ausweg aus Hartz IV geben, weil ja das Kapital und die Regierung wussten, dass man nicht gleichzeitig den Export von Arbeit in Billiglohnländer steuerlich fördern und zu Hause für weitgehende Vollbeschäftigung sorgen kann. Es war also wichtig eine möglichst inhomogene Gruppe zu bilden, die aufgrund mangelnder Gemeinsamkeiten auch keinen Widerstand organisieren würde.

Gleichzeitig wurde eine neue Mittelschicht mit den Mitteln der Propaganda definiert. Zu der zählten plötzlich auch die Kleingewerbetreibenden, viele Freiberufler aber auch das mittlere und Teile des oberen Managements. Bildungsministerin Schavan versuchte den Lohn für Ingenieure auf 30.000 Euro zu begrenzen und die Löhne insgesamt sanken real immer weiter ab, während gleichzeitig auf die Arbeitnehmer immer mehr Kosten aus den Sozialversicherungen zukamen. Gleichzeitig wurde das Kapital erheblich subventioniert.

Diese neue Mittelschicht, die tatsächlich rund 80 Prozent aller Steuern und sozialen Lasten trägt, wird nun als Hammer benutzt um die Hartz IV ler zu zermalmen. Denen wurde erklärt "Du bist Deutschland!". Was natürlich heißen sollte: "Lass dir von den Hartz IV Schmarotzern nichts wegnehmen. Real kommen vor Hartz IV meist noch zwei verzweifelte Arbeitsaufnahmen, bei denen sowohl der berufliche Status als auch das Einkommensniveau zum Teufel gehen, bevor dann das unvermeidliche Ende kommt. Aber dies geht leider immer schneller. Und das ist auch so gewollt.

Und über Hassprediger Westerwelle muss niemand reden. Oh ja, er hasst diese andere Schicht, die ihm kein Geld spenden kann und trotzdem leben will. Er würde denen am liebsten keinen Cent geben, für ihn sind Arbeitslose keine Menschen. Aber das ist nicht schlimm. Westerwelle kann nicht nur kein Englisch. Er kann nichts, was für andere Menschen nützlich wäre und so wie er die Bürger hasst, hassen die Bürger ihn zurück."

Soweit ein paar Auszüge. Zugegeben etwas viel Text, aber ich persönlich kann mich auf die Seite des Schreiberlings schlagen.
Er hat auch wunderbare Abhandlungen zu dem, den niemand zum Brüderle haben möchte geschrieben, aber das ist 'ne andere Geschichte.

Ich bin mir nicht sicher, ob weitere Betrachtungen zu noch mehr Erkenntnis führen. Ich denke jeder, der hier was zu sagen hatte, hat seinen Standpunkt dargelegt.
Ich weiß auch nicht, ob dieses Forum der richtige Ort für solche politisch tiefgründig gelagerten Diskussionen ist.

Gruß, Bernd




  

« Letzte Änderung: 20.09.2010 06:57 von Custom »
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Stone

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #40 am: 20.09.2010 06:56 »

Guten Morgen

Wie weiter oben schon geschrieben wurde, ist es ein vielschichtiges und detailiertes Problem - insofern ist eine pauschale Abhandlung unmöglich. Unter dieser Perspektive müsste man auch eine Lanze für die Politiker brechen, die sich des Themas annehmen, sofern dies nicht aus PR-technischen Gründen geschieht.

Die Flexibilität, welche von den Arbeitssuchenden oftmals verlangt / erwartet wird, ist kaum zu leisten; Beispiel: Wohnort- / -sitzwechsel zum Antritt einer neuen Stelle. Auch für den Umzug benötigt man Geld, was oft nicht (mehr) vorhanden ist. Von psychologischen Faktoren und Gründen bleiben zu wollen, mal ganz abgesehen.

Sicher hat auch ein guter Teil schlechte Erfahrungen mit dem potentiellen Arbeitgeber gemacht, aber auch die viel zitierte, "angeblich" verantwortliche Zeitarbeit ist hier nur sekundär das Problem, denn - wie vor einigen Monaten in einer Talkshow eingeräumt - hätte man _nicht_ auf die Fairness der potentiellen Arbeitgeber vertraut, faire und gute Löhne zu zahlen, sodass auch Zeitarbeit sich lohnt, sondern hier eine Regelung geschaffen, wie sie in anderen europäischen Ländern schon seit Jahrzehnten Anwendung findet, gäbe es kein "Problem Zeitarbeit".

Zeitarbeit ist (und bleibt) mMn ein Mittel, um temporäre Engpässe zu bewältigen und darf kein Mittel sein (und bleiben), Kündigungsschutz, etc zu umgehen.

Ich selbst sehe mich im gewissen Sinne als Zeitarbeiter, welcher aber durch den Gesetzgeber hinsichtlich Scheinselbständigkeit etc "kontrolliert" wird - eine solche Kontrolle fehlt im Bereich Zeitarbeit und ich denke oft, aus gutem Grunde aus Sicht eines manchen Politikers.

Aber auch dies ist lediglich ein kleiner Baustein.

...

Den Teil, welchen ich jetzt gelöscht habe, war einfach zu lang ... aber es gibt eben immer zwei Seiten und auch der Bildungssektor muss von der Bereitschaft zu lernen durchleuchtet und analysiert werden, wie auch das Verhalten von Arbeitgebern hinsichtlich Bewerbern usw.

Gruß, Stone
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Dirk

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #41 am: 20.09.2010 09:35 »

Wir sollten bei dieser Diskussion eines im Auge behalten: H4 ist relativ jung , und die Perpektivlosigkeit derart großer Teile der Bevölkerung ebenfalls.

Das sehe ich etwas anders. H4 ist als solches zwar "jung" aber der Hintergrund nicht. Vor H4 hiess es dann eben "Stütze", was im Prinzip auch nichts anderes ist. Eine Reform und Zusammenführung zwei Systeme zu einem war sicherlich sinnvoll, die Umsetzung selbst wurde aber scheinbar in politischen Mühlen stark zermahlen.
Dennoch, und da komme ich nochmal auf die Aussage von Beate zurück, machst Du es Dir meiner Meinung nach etwas zu leicht mit Deinen Aussagen. Wenn jemand die 50.te Bewerbung mit einer Absage quotiert bekommen hat, dann müsste er sich einmal sehr genau überlegen, wo das Problem liegt, denn es ist ja nicht so, dass sich die ganzen Unternehmen verbünden und absprechen, dass alle die Bewerbungen von "Beate" nun ablehnen.

Gruß, Dirk

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Kramusha

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #42 am: 20.09.2010 10:06 »

Wenn jemand die 50.te Bewerbung mit einer Absage quotiert bekommen hat, dann müsste er sich einmal sehr genau überlegen, wo das Problem liegt, denn es ist ja nicht so, dass sich die ganzen Unternehmen verbünden und absprechen, dass alle die Bewerbungen von "Beate" nun ablehnen.

Setze Stefan ein und du hast das, was ich von Anfang des Jahres bis Anfang April hatte. 50 Bewerbungen geschrieben, 10 Antworten, 3 Vorstellungsgespräche. So einfach isses nicht.

lg :)

AmpGuru

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #43 am: 20.09.2010 10:30 »

Hi,

ich sag mal so:

Ich kenne einige Leute, die sich mit Harz iV eingerichtet haben.

Ich kenne mehr Leute, die arbeiten gehen und auf das Amt. Die "Aufstocker".
Hier geht also jemand Vollzeit arbeiten und kann davon nicht leben. Ich wette, der Arbeitgeber aber immer besser. Warum finanziert die Gemeinschaft die Villa und die S-Klasse des Arbeitgebers, indem sie es ihm ermöglicht Arbeitskräfte für 2,51€/h anzuheuer ? Verstehe ich nicht.

Das Grundproblem aber ist , dass wir unsere Marke "made in Germany" sozusagen selbst abgeschafft haben. Oder zumindest zugelassen haben, dass die abgeschafft wurde.
Das braucht niemand mehr. Das will niemand mehr bezahlen. Auch wir selbst nicht (wie Dirk mit seinen Lidl Amps schon beispielhaft erwähnte).
Wir sollten langsam anfangen, die Harmonien der Pekingoper zu üben ?  :devil:

Jetzt ärgere ich mich auch noch beim Lesen des TT-Forums....es gibt kein Entrinnen....

Viele Grüße!
AmpGuru
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Stone

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Re:Gesprächsrunden
« Antwort #44 am: 20.09.2010 11:16 »

Setze Stefan ein und du hast das, was ich von Anfang des Jahres bis Anfang April hatte. 50 Bewerbungen geschrieben, 10 Antworten, 3 Vorstellungsgespräche. So einfach isses nicht.

Nein, einfach ist es nicht, dass wollte wahrlich niemand sagen, aber auch hier besteht eine Spaltung. Zum einen sollte ich mir wirklich überlegen, ob die Form, der Inhalt meiner Bewerbung stimmt, bewerbe ich mich evtl auf eine unterqualifizierte Stelle und vice versa, etc.

Auf der anderen Seite finde ich es unfair von den Arbeitgebern, nicht auf Bewerbungen zu reagieren - sicherlich kann man argumentieren, dass eine Beantwortung "der Flut" von Bewerbungen aufwendig ist, aber wenigstens ein Schreiben - wenn auch mit Standardtext - "Sehr geehrter Herr XY ... vielen Dank ... derzeit keine adäquate Stelle bieten ..." sollte doch drin sein.

Bei mir und meinen Auftraggebern ist es "einfach" - werde ich zum Gespräch eingeladen, bekomme ich auch in 99% aller Fälle den Auftrag angeboten; insofern mache ich mir Gedanken über mein "Profil" (wie es so schön heißt), bin aber letztlich zu dem Schluss gekommen, entweder noch mehr Informationen zu integrieren, was nicht praktikabel ist oder mit einem gewissen Schwund an Aufträgen, welche ich nicht angeboten bekomme, zu leben, leben zu müssen.

Gruß, Stone
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