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Autor Thema: Gewissensfrage  (Gelesen 884 mal)

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Hansi H

  • Gast
Gewissensfrage
« am: 27.06.2004 23:12 »

Moin!

Da es sich hier wohl weniger um eine technische, sondern mehr um eine philosophische Frage handelt, hab ich das mal in die Quasseleck gepostet.
Mich plagen in letzter Zeit wieder Gewissensbisse (geht mir bei jedem neuen Projekt so). Ich plane gerade den Bau eines Dual-Rectifiers und sehe in den Schaltpläne 20nF Kondensatoren und 250k Potis. Das sind ja größenmäßig alles Bauteile die von den Normreihen abweichen.
Und jetzt heist es wider "zwei Herzen schlagen in meiner Brust":
1. Das des (werdenden) Elektrotechnikers:
möglichst günstige Bauteile und nur welche aus den Normreihen. Also den 22nF Kondensator genommen statt zwei 10nF parallel und 220kOhm liegt ja auch in der Nähe von 250kOhm.
2. Das des Perfektionisten:
Da steht 20nF, also gehören da auch 20nF hin. Hat sich ja bestimmt wer was bei gedacht. und von 20 auf 22 sind ja schon 20% Abweichung. Ist ja so das Maximum an Toleranz eines billigen Kondensators. Und durch 220kOhm fließt halt doch mehr Strom, als durch 250kOhm.

Geht euch das auch so? Was könnt ihr mir raten? Gibt es noch Hilfe für mich, oder wird mich das bis an mein Lebensende verfolgen?
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Killigrew

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Re:Gewissensfrage
« Antwort #1 am: 27.06.2004 23:39 »

Bau ihn doch auf und teste es aus.
So eng darf man das mit den Werten denk ich nicht nehmen.
Von Duncan AMP gibt es ja den Tonestack calkulator, der Zeigt dir den Frequnzgang der schaltung an in abhängigkeit zu den Bauteilwerten und Reglerstellungen. Mit dem kannst du dir ja mal den Unterschied betrachten, du wirst festellen, er ist nicht sehr groß ;)

mfg
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Stephan G.

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Re:Gewissensfrage
« Antwort #2 am: 28.06.2004 18:44 »

Hi, Folks!

Leider muss ich Dich enttäuschen: Von 20 nach 22 nF sind´s nur 10%.
Und überhaupt: Die Schaltungen der einzelnen Hersteller sind sich ja so gar nicht ähnlich ;-))
Alle verwenden 22 nF Koppelkondensatoren - nur der Herr Mesa verwendet 20 nF und hat einen besseren Sound ?
Wohl kaum, denn die Grenzfrequenz verschiebt sich vielleicht um ein paar Hertz ...
Im schlimmsten Fall kann man ja ein paar C´s ausmessen und selektieren.
Problematischer wirds wohl mit den Potis. Aber wie Killigrew bereits anmerkte, kann man den Einfluß vorab schon mal austesten.
Aber insgesamt gesehen wird der Sound schon passen...

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Hansi H

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Re:Gewissensfrage
« Antwort #3 am: 28.06.2004 22:03 »

Moin!

Ich studiere E-Technik im 6. Semester Vertiefungsrichtung Datentechnik.

Hast natürlich völlig Recht (und das mit den 20% schiebe ich mal auf die fortgeschrittene Zeit; sehe gerade der beitrag wurde genau um 12 Uhr 12 und 12 Sekunden gepostet). Nur jedesmal wenn ich wieder einen Schaltplan nachbaue und mir nichts selbst ausdenke will ich immer alles ganz genau nachbauen. Ich denke dann immer, daß der fertige Amp irgendwie nicht so klingt wie er soll wenn ich mich nicht an die Pläne halte (obwohl ich noch nie einen Rectifier im Original gespielt hab, sondern nur über 'nen digitalen Modellingamp). Und da können mir mein Wissen, meine Rechenergebnisse und die Simulationen der Schaltung sagen was sie wollen. Ich habe immer ein schlechtes Gefühl wenn ich mich nicht exakt an den Plan halte. Ich hoffe mal das legt sich irgendwann. Bis dahin muß ich wohl weiterhin ein schlechtes Gewissen haben, bis der Amp fertig ist, um dann festzustellen, daß er trotz anderer Bauteile gut klingt (war bis jetzt immer so, wird wohl auch dieses mal der Fall sein).

Also sprecht mir mal ein Bischen Mut zu und sagt mir, daß ich nicht so pingelig und genau sein muß :) (jedenfalls nicht bei Koppelkondensatoren)
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Killigrew

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Re:Gewissensfrage
« Antwort #4 am: 28.06.2004 22:12 »

ICh wär schon froh wenn mein Amp überhaupt ihgendwann mal klingt, über das wie mach ich mir im Moment garkeine Gedanken :)
Also du brauchst dir garkeine Sorgen machen, du wirst im 1zu1 Vergleich nie feststellen, welcher von denen der mit den Orginal Werten ist und welcher der mit den "angenäherten" Werten ;)

mfg
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headcrash

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Re:Gewissensfrage
« Antwort #5 am: 29.06.2004 11:47 »

Was die Potis angeht: die meisten erschwinglichen Audiopotis haben eh Toleranzen von um die 20%. Damit wäre ein 220k Poti auch noch im Toleranzrahmen.
Was killingrew sagt stimmt: such die Bauteiel zusammen, die Du bekommen kannst und probier es aus. Der Unterschied ist oft nicht so groß.
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Stephan G.

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Re:Gewissensfrage
« Antwort #6 am: 29.06.2004 20:41 »

Hi, Hansi!
Nur Mut!
Bei den Koppelkondensatoren musst Du nicht so pingelig sein!
Im Gegenteil: Um den Recti-Matsch ein bisschen zu verringern, würde ich sogar mal 10 oder 15 nF ausprobieren. Ich hab so ein Teil leider auch noch nicht gehört, aber aus zuverlässigen (unzufriedenen ) Quellen hab ich erfahren, dass der Sound nich so doll sein soll. Soldano käme in dieser Hinsicht ein wenig besser weg.
Wie wärs damit: mach doch alle "kritischen" Bauteile steckbar - dann kannst Du Dir Deinen Wuschsound selber zusammenbrauen (Stichwort "Homebrew"). Vielleicht kommen dann ganz andere Werte zustande ...
Brauchst Du noch mehr Streicheleinheiten?

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RobMederer

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Re:Gewissensfrage
« Antwort #7 am: 29.06.2004 23:36 »

Hi,
@Hansi H
Wenn du den Rectifier bisher nur von Dig-Amps kennst, dann würde ich von einem nachbau vorerst noch abraten und erst einmal das Original ausführlich antesten.
Ich kenn die Sounds von Line6 und ähnlichen Mod-Amps, sowie von den original Amps sehr gut, und was sich da hinter dem SoundPreset "Rectified" versteckt hat eigentlich mit dem Original Rectifier von MESA Nix bis Überhaupstnix zu tun.

Der Rectifier ist ganz einfach ein Profi-Vollröhren-Amp den ich persönlich eigentlich nicht zu den typischen High-Gain-Amps zählen würde - er verzeiht absolut KEINE Spielfehler - was man nicht reinsteck kommt auch nicht raus.....  (Im gegensatz zu den Digi-Sound-Presetz) *G*. Der Sound ist des Rectifiers ist GROB, ROH und RAUH - und nicht so Fein uns Sustainreich wies Line6&Co einem vorgaukeln will....

Um den "Recti-Matsch" wie´s Stephan G. ausdrückt in den griff zu bekommen würd ich nicht an den Koppelkondensatoren rumbasteln, sonder eher am Equipment drumrum. Ich hab z.B. ziemlich schlechte erfahrungen mit Pickups mit viel output (EMG81 oder ähnlichen) bzw. mit Tube-Screamer oder Pegelanhebenden Geräten vorm Amp gemacht - Was beim Marshall noch "gut" klingt kann bei einem Rectifier SEHR schnell und matschig nach hinten losgehen. Also lieber mit wenig Pegel reingehen und den Amp mal machen lassen - Hat sich die letzten jahre bei mir (auch bei Power-Songs von Korn und System of a Down oder Disturbed) sehr gut bewährt...

@All... die einen Recti-Amp nachbauen wollen. Die 20% Toleranzangaben sind zu 90% schon richtig, jedoch haben A-B Soundvergleiche mit dem Eigenbau von mir und einigen Original Rectifier gezeicht daß ganz einfach an bestimmten stellen im Verstärker die Typen und Werte von Einzelnen Bauteilen Stimmen müssen (diese Angaben fehlen allerdings 'logischerweise' in den schaltplänen) *GRINZ* - ich sag dazu zum Beispiel nur 'Kathodenwiderstände' oder 'Gain-Poti' - MESA hat nicht umsonst LDR´s eingebaut - ich hab da am Original länger rumgemessen bis ich draufgekommen bin *G*!!

Gruß;-)
Robbie
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headcrash

  • Gast
Re:Gewissensfrage
« Antwort #8 am: 30.06.2004 12:40 »

Da ich die klassische Recto Schaltung kenn, und auch schonmal einen probe gespielt habe, weiss ich aus Erfahrung, daß der SOund wirkloch eher als rauh zu bezeichnen ist. Matschig ist er auch schon etwas. Das kommt zu einem TEil daher, daß wirklich in der Vorstufe die Bassabsenkungen vor den Zerrstufen nicht so hoch gewählt sind. Je nach Gitarre und Pickup ist das oft zuviel.
Noch dazu kommt, daß die Rectos werksseitig wohl eine recht "kalte" Bias-Einstellung hat, was einem warmen, harmonischen Klang auch nicht entgegenkommt.
Man kennt viele Aufnahmen aus dem "Newmetal"-Bereich, von denen man weiss, daß Recties benutzt wurden. Manche klingen eher matschig, manche nicht.
Meiner Meinung und meinem Geschmack nach besteht genau darin die hohe Kunst bei Entwickeln eines HiEnd-HiGain Sounds, ihn harmonsich und "un-matschig" klingen zu lassen, ohne daß der Sound dünn wird.
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