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Blues Deluxe (1995) - Reparatur oder PTP-Umbau auf AB763 Clone?

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Kurt:
Hallo Meikel,

ich freue mich sehr, dass du in diesen Thread eingestiegen bist. Meine eMail an dich - ein bißchen ein Schuss ins Blaue, da ich nicht wusste, ob sie dich erreicht - ging wohl zum unglücklichsten Zeitpunkt raus, so dass du sie erst mit 3 Wochen Verzögerung lesen konntest, etwas schade, ich hatte in meiner Anfangseuphorie  auf möglichst viel Rückmeldung und Tipps gehofft. Zwischenzeitlich habe ich mich selbst etwas vorgewagt, Teile bestellt und zu bauen angefangen. Ich habe mich, was die Verstärkerschaltung (Vorstufe, Tremolo-"Ersatzschaltung", Endstufe) angeht ziemlich genau an deinen bei Jogi veröffentlichten Plan gehalten. Netztrafo, Gleichrichter, Filter-Elkos, Ausgangsübertrager sind dagegen weitestgehend vom Blues Deluxe (PR246) kopiert.

Die späteren Änderungen in deinem Projekt erschienen mir, was MEINE Bauteilbeschaffung angeht, als geringfügig: v.a. da ich versuche, den BD-Netztrafo, Drossel + AÜ weiterzuverwenden, ist das finanzielle Risiko erstmal gering. Dennoch mögen deine Änderungen einen großen Einfluß auf den Sound haben - ich werde meine eigenen Erfahrungen sicher auch machen müssen. Vielleicht sind unsere Soundvorstellungen auch unterschiedlich: als Jazzer mag ich Clean Headroom - und auch Bässe. Der BD hat selbst ja auch nicht grade wenig davon, das gefällt mir eben.

Ich habe mir zwischenzeitlich deine Forumsberichte hier (Änderungen, Erfahrungen), nach der Veröffentlichung bei Jogi, mehrmals durchgelesen. Möglicherweise bin ich etwas zu naiv an die Sache herangegangen, was die Gesamtkonzeption des Amps, insbesondere die  Anodenspannungsniveaus, angeht:
Ich habe mir nicht nur die Deluxe Reverb AB763 Schaltung eingehend angesehen, sondern auch die weiterer Blackface Amps: Vibroverb AB763,  Vibrolux Reverb AA964, Pro Reverb AA165, Super Reverb AB763, Twin Reverb AB763. Alle diese Amps haben zwar 6L6-Röhren in der Endstufe, ebenso wie der Blues Deluxe und wie sie mein AB763-Klon auch haben soll, der DR hingegen benutzt 6V6. Aber: alle diese Amps (inklusive DR AB763) sind mit nahezu identischer Verstärkerschaltung (Vorstufe, Hall, Tremolo, Endstufe) aufgebaut, sie unterscheiden sich "nur" in verschiedenen Netztrafos, Drosseln (da gibt es insgesamt nur 2 verschiedene Typen) und Ausgangsübertragern. Selbst für die 2 Widerstände zwischen den Spannungsniveaus "B" und "C" bzw. "C" und "D" gibt es nur zwei Kombinationen, jeweils zuordnungsbar zu den Drosselspulen 125C3A (die kleine, für die kleinen Amps DR, VR) und 125C1A (für die großen Amps Vibroverb, PR, SR, TR). Die Anodenspannungsniveaus sind unterschiedlich - je nach Netztrafo etc. - und bewegen sich in einem größeren Bereich als die von dir "beklagte Abweichung" von 37 VDC. Ich habe ein Excel-File mit einem Vergleich aller Amps angehängt. Der Vibrolux Reverb z.B. ähnelt vom Netzteil und den Anodenspannungen einem DR sehr, nur dass er 6L6- statt 6V6-Röhren in der Endstufe hat.
Das sieht für mich alles weniger nach gezielter Klangkontrolle sondern ein bisschen mehr nach "Zufall" aus: Leo Fender hat immer dieselbe Amp-Schaltung mit leistungsmäßig verschiedenen Netztrafos, Drosseln, Ausgangsübertragern und Lautsprechern kombiniert und somit Amps in verschiedenen Leistungsklassen anbieten  und dabei 98 % aller Bauteile gleich lassen können, das spart Geld. Leo Fender war Kaufmann, kein Techniker oder Musiker.
Also dachte/denke ich mir, ein Blackface-Amp lässt sich mit einem weiten Bereich an Anodenspannungsniveaus aufbauen, da kommt's nicht so sehr drauf an. Ich nehme halt das Spannungsniveau (d.h. die Bauteile), das zu meinen Trafos (Blues Deluxe Weiterverwendung) passt. Ist das zu kurz gedacht?

Dann hätte ich natürlich noch weitere Fragen an dich, Meikel:

Was würdest du heute bei so einem Klon-Projekt anders machen? - Abgesehen von den Änderungen die du damals schon beschrieben hast: weniger basslastiges Gehäuse als das des Blues Deluxe, anderer Speaker (aber welchen?) ...  Käme das, was du heute anders machen würdest, einfach deiner Soundvorstellung näher (was ist dann deine Soundvorstellung?) oder würdest du den DR AB763-Klon heute einfach besser, solider, stabiler machen?
Später hast du, glaube ich, noch einen 5E3-Nachbau in Angriff genommen, das ist ja ein Amp für einen ganz anderen Soundgeschmack und "Clean Headroom" ist beim 5E3 nicht viel, oder? Da geht's mehr um fein dosierbare Röhrenzerre, richtig?

Da ist glaube ich ein Fehler in deiner AB763-Klon-Schaltung vom Januar 2008: der Kathodenwiderstand an V1b, R10, hat dort 820 Ohm. In deiner Schaltung vom Mai 2007 hatte er noch 1,5k. Was ist nun richtig? Ich vermute 1,5k.

Zuletzt noch: würdest du die "Achillesferse" deines Klons, die Tremolo-Ersatzschaltung, noch genauso machen?
Erst heute habe ich eine Webseite gefunden von einem Forumskollegen, Vintage_Man, der deine Schaltung von damals auch aufgegriffen hat und mittlerweile auf seiner Website in leicht modifizierter Form veröffentlicht hat. Er hat an dieser Stelle ein Master-Poti eingebaut und deinen R24, R25, C14 weggelassen. ??

http://www.brieskorn.de/Guitar___Amps/Verstarkerprojekte/AB763/ab763.html

Das ist nun wieder viel Text von mir zu lesen. Ich hoffe, du kannst+magst dich in dein damaliges Projekt nochmal so tief reindenken. Danke schonmal.

Gruß
Kurt

Kurt:
Hallo fjh,

danke für deinen Tip. So ein Bleeder-Widerstand macht vielleicht wirklich Sinn und den Amp - auf der Werkbank, vom Netz getrennt und geöffnet - sicherer. Ich habe festgestellt, dass der Blues Deluxe sowas tatsächlich hat, wenn auch eher um zwei billigere, in Reihe geschaltete Ladeelkos statt eines großen teuren verwenden zu können. Ich hab mich nur oft gewundert, warum ich an den Elkos fast nie Restladung feststellen konnte ...   ::)

Man kann einen Bleeder-Widerstand auch mit einem Standby-Schalter-Überbrückungswiderstand kombinieren - allerdings muss man dann den Standby verlegen, zwischen Ladeelko und Drossel (Schaltungsbeispiel: http://www.brieskorn.de/Guitar___Amps/Verstarkerprojekte/AB763/DRm_circuit.pdf), da wo er nach Meinung Merlin Blencowes nicht hin soll. Irgendeinen Tod müssen wir sterben.  ;)   

Das Bias-Poti auf der Netzteilplatine ist nichts für Anfänger, das ist klar. Ich habe auch nicht vor, sorglos damit umzugehen oder jede Woche das Bias neu einzustellen.

Gruß
Kurt

fjh:
Hallo Kurt,

im Brieskorn-Schaltplan sind eine Menge sinnvolle Erweiterungen enthalten, vor allem einige Sicherheitsmassnahmen, die für den Ingenieur sprechen ;-)

Einen Lesetip hätte ich auch : Google mal nach dem Wildcat Bassman - Projekt der TU Berlin. Darin wird die typische Fender-Schaltung bis ins letzte Detail erklärt und durchgerechnet.

Gruß,
Frank

Meikel:
Hallo Kurt,


--- Zitat von: Kurt am  7.01.2014 23:42 ---
...Ich hoffe, du kannst+magst dich in dein damaliges Projekt nochmal so tief reindenken. Danke schonmal...


--- Ende Zitat ---

das mache ich gern. Allerdings ist der Zeitpunkt wirklich sehr ungünstig. Du siehst zur Zeit in mir weniger den bastelnden, sondern der praktizierenden Musiker: Wir (Band) sind mitten drin in den Vorbereitungen, eine CD aufzunehmen. Das wird das komplette Wochenende in Anspruch nehmen, daher kann ich mich momentan nur kurz melden.

Zum Widerstand R10 820 Ohm vs. 1,5 KOhm: Ich vermute, dass es sich hier schlicht um einen Fehler im Schema handelt, denn im Scema des umgebauten AA1164 ist er mit 1,5 KOhm notiert. Ich schau' mir das zru Sicherheit aber noch in der Bestückung an und gebe Bescheid!

Meikel:

--- Zitat von: Kurt am  7.01.2014 23:42 ---
...würdest du die "Achillesferse" deines Klons, die Tremolo-Ersatzschaltung, noch genauso machen?
Erst heute habe ich eine Webseite gefunden von einem Forumskollegen, Vintage_Man, der deine Schaltung von damals auch aufgegriffen hat und mittlerweile auf seiner Website in leicht modifizierter Form veröffentlicht hat. Er hat an dieser Stelle ein Master-Poti eingebaut und deinen R24, R25, C14 weggelassen. ??


--- Ende Zitat ---

Bernd hat einfach über diese Ersatzschaltung, so, wie ich sie dazumals auch im Schema beschrieben habe, nachgedacht und sie dann radikal verbessert. Das kann man durchaus so machen; es geht ja eigentlich "nur" darum, überschüssigen Pegel zu vernichten wenn man denn will.  ;)

Zu Deinen weiteren Fragen gern in ein paar Tagen, bin in Eile, wir haben gleich Probe.

Heute würde ich so einen Amp wohl nicht mehr bauen. Es gibt zuviele Amps zu allen Preisen und zu aller Couleur zu kaufen, wir werden damit geflutet... OK, im letzten Jahr habe ich meine Bugeras umgebaut, mir ein 1x12"-Cab für meinen kanadischen Darkhorse gebaut... Ich zeichne ja nicht mal mehr die Schemas so. Zwar immer noch mit .word, aber inzwischen mit feineren Strichstärken, keine Kursivschrift mehr, Arial anstelle Times New Roman, usw. usf. (siehe das Schema zum Bugera V55, welches ich hier im Forum an entsprechender Stelle veröffentlicht habe).

Heute geht mir (zu?) viel Zeit fürs Musizieren als solches drauf. Aber ich geniesse, ehrlich gesagt, mehr das Musizieren als das Basteln - auch wenn Ersteres wesentlich anstrengender ist!  :)

LG Michael

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