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Blues Deluxe (1995) - Reparatur oder PTP-Umbau auf AB763 Clone?

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Vintage_Man:
Hallo Kurt
und Grüß Dich, Michael!

Der Amp den ich nach Michaels Idee dann modifiziert und gebaut habe, habe ich leider nicht mehr. Man hat ihn mir einfach "abgeschwatzt". Das soll sagen, dass das Ergebnis sich wirklich hören und sehen lassen konnte. Der Amp war sehr laut und lange clean, aber auch so gut wie brummfrei.
Als Speaker hatte ich - in Gedanken an das kommende Alter - einen Jensen Neodym eingesetzt, was toll passte. Auch auf meinen Tubescreamer hat der Amp sehr gut angesprochen.
Meine Modifikationen sind auch weniger aus Berechnung als aus gezieltem Probieren entstanden.
Teste also ruhig nach dem Prinzip "Versuch macht kluch". Man lernt eine Menge damit!

Viele Grüße an alle!
Bernd

Kurt:
Hallo Bernd,

ich hätte da ein paar Fragen, zum einen zu deinen generellen DIY-Tipps zum Verstärkerbau auf deiner Homepage, zum anderen speziell zu deiner Abwandlung von Meikel Meyers Schaltung des AB763-Clone - sofern du dich noch daran erinnern kannst.  ???

Meikel hat zwischen Rö3 und Rö4 eine Schaltung eingefügt, um die entfallene Vibrato-Einheit zu simulieren. Zwischen den Ausgangs-Koppelkondensator (100 nF) der Vorstufe und dem 220kOhm-Widerstand am PI-Eingang hat er einen 50k-Widerstand gegen Masse gelegt. Diesen 50k hast du durch ein 100k-A Master-Poti ersetzt. Das kann ich nachvollziehen und will ich auch so machen.

Zwischen 220k-Widerstand und dem Koppelkondensator (1 nF) am PI-Eingang hat Meikel eine Reihe aus 220k-Widerstand, 47 nF-Kondensator und 100k-Widerstand gegen Masse gelegt. Diese Reihe hast du ersatzlos gestrichen.
Warum? Was bewirkt so eine Reihe? Zieht sie auch das Signal nach unten?
Vielleicht probiere ichs einfach aus, das Ding mal rauszulöten.

Du empfiehlst in deinen DIY-Tipps, einen Massesternpunkt in der Mitte des Chassis zu verschrauben, der ausserdem noch durch ein Kabel mit dem PE-Massepunkt verbunden ist. Damit sind doch die beiden Massepunkte doppelt (über das Kabel UND über das Gehäuseblech) miteinander leitend verbunden – ist das nicht eine Masseschleife, die man doch eigentlich vermeiden sollte?

Du rätst dazu, die Eingangsbuchsen des Verstärkers gegen das Gehäuse zu isolieren und stattdessen lieber den Masse-Anschluss der Buchsen mit einer Masseleitung des Verstärkers (oder dem Massesternpunkt) zu verbinden. Ok, aber was ist mit den Reverb-Anschlußbuchsen (in der Regel Chinch-Buchsen)? Sollte deren Masseanschluß nicht auch isoliert gegen das Gehäuse sein? Ich hatte mir dazu (deutlich günstigere) Buchsen beim ---- besorgt, deren Masse mit dem Gehäuse Kontakt hat. Bei Dirk gibt es dagegen nur isolierte Chinch-Buchsen, hat das vielleicht diesen tieferen Sinn? Schon mehrmals habe ich gehört, dass man bei der Verkabelung der Hall-Einheit besonders sorgfältig sein sollte. Ich hab meine Schaltung dahingehend geändert und werde den Amp - noch in der Bauphase - entsprechend umlöten.

In meiner derzeitigen Schaltung ist sowohl ein Bleeder-Widerstand (220k/2W) parallel zum ersten Ladeelko nach dem Gleichrichter gegen Masse gelegt, als auch ein Widerstand (100k/2W) enthalten, der den Standby-Schalter überbrückt (für sanftere Einschaltströme). Aber ich glaube gehört zu haben, dass beides gleichzeitig nicht sinnvoll ist. Oder?

Meine größten Bedenken aber habe ich nach wie vor, ob der Netztrafo und die Gleichrichterschaltung des Blues Deluxe in Verbindung mit dem Verstärkerteil der AB763-Clone-Schaltung gut harmoniert. Ich dachte ja, auf das Netzteil kommts nicht soo sehr drauf an, mehr auf den Verstärkerteil. Denn abgesehen von Netzteil, Trafos, Drossel und Lautsprecher sind ja etwa die Hälfte aller Blackface-Amps identisch: Vibroverb, Vibrolux Reverb, Pro Reverb, Super Reverb! Da kann man doch genausogut ein anderes Netzteil davorhängen ...  :-\   Nun hab ich in der Zwischenzeit wieder schlaue Webseiten gelesen, unter anderem diese hier:

http://www.emsp.tu-berlin.de/menue/studium_und_lehre/mixed-signal-baugruppen/das_projekt_wildcat/

Und die Leute von der TU Berlin haben versucht, ein brummfreies Netzteil, jedoch mit dem gleichen "Sag" wie das klassische BF-Röhrengleichrichternetzteil zu entwickeln. Auf dem Oszi sieht die Spannung unter Last auch aus wie beim Original, doch die Ohren melden was anderes. Sie haben dann das brummfreie Netzteil wieder aufgegeben ...
Kann man den "Sag" bei einem Netzteil nicht dadurch provozieren, indem man Lade- und Siebelko von 47µF/500V auf 33µF/500V oder 22µF/500V reduziert?

Grüße
Kurt

Meikel:
Moin Kurt,


--- Zitat von: Kurt am 13.01.2014 22:17 ---
...Ich dachte ja, auf das Netzteil kommts nicht soo sehr drauf an, mehr auf den Verstärkerteil...


--- Ende Zitat ---

nein, das ist ein falscher Ansatz! Ein Amp ist als Ganzes zu sehen, insbesondere, was das Netzteil und den Übertrager angeht! Allein das Verhalten eines Übertragers ist eine Wissenschaft für sich, seine Anpassung an den Lastwiderstand der Endröhren... Er wirkt als Filter, der tiefe und hohe Frequenzen sperrt, er erzeugt nichtlineare Verzerrungen... Jeder Trafo ist hier etwas anders - wie ist er dimensioniert?

Wir sprechen ja nicht vom Ruhezustand, wo so ein Amp vor sich hin dümpelt, sondern von seinem dynamischen Verhalten bei Belastung! Genau deswegen musste ich ja den noch beim Jogi gezeigten Netztrafo wieder rausreissen und einen kleineren einbauen - es wäre sonst ein viel zu stabiler Amp geworden, der nie und nimmer in dieses Anzerren gekommen wäre, wie es der Deluxe Reverb nun mal kann.

Und strenggenommen ist selbst mein Princeton-Reverb-Clone nicht 100% dem Original entsprechend, weil hier schon ein anderer Übertrager darin schafft.

Mindestens ebenso wichtig ist das Lastverhalten des Netztrafos im Kontext mit seiner nachfolgenden Gleichrichterschaltung. Wie stark brechen die Anodenbetriebspannungen ein? Wie ist demzufolge der Trafo dimensioniert? Wie ist die Gleichrichterschaltung dimensioniert? Ist das alles "hart" oderr "weich" und wenn ja, wie weich zum Beispiel?

Hat sich der Leo Fender dabei was gedacht, als er seine Amps entwarf, oder eher nicht?  ;)

Gruß Michael

Meikel:
Hallo Kurt,


--- Zitat von: Kurt am 13.01.2014 22:17 ---
...Du empfiehlst in deinen DIY-Tipps, einen Massesternpunkt in der Mitte des Chassis zu verschrauben, der ausserdem noch durch ein Kabel mit dem PE-Massepunkt verbunden ist. Damit sind doch die beiden Massepunkte doppelt (über das Kabel UND über das Gehäuseblech) miteinander leitend verbunden – ist das nicht eine Masseschleife, die man doch eigentlich vermeiden sollte?


--- Ende Zitat ---

anbei was möglicherweise Hilfreiches zum Lesen zum Thema "Masse".   :)

Gruß Michael

Meikel:

--- Zitat von: Kurt am 13.01.2014 22:17 ---
Kann man den "Sag" bei einem Netzteil nicht dadurch provozieren, indem man Lade- und Siebelko von 47µF/500V auf 33µF/500V oder 22µF/500V reduziert?


--- Ende Zitat ---

Hier antworte ich mal mit einem "entschiedenen Vielleicht"!   ;)

Um nicht zu sagen - Jein!

Du änderst mit geringeren Elko-Werten das Verhalten bei großen Impulsen (der Amp hat weniger Reserve in den Bässen) und das Brummverhalten (eher unhörbare Änderung). Hinsichtlich schneller Impulse sind die kleineren Elkos halt schneller bzw. tiefer entladen als größere.

Aber allen gemein ist, dass sie schnell wieder aufgeladen werden können - durch die Dioden! Ich denke, man kann nur sinnvoll - wenn überhaupt - ansetzen, indem man probeweise die beiden Anodenspannungszuleitungen vom Trafo zu den Dioden durch geeignete Kokelwiderstände überbrückt, die das Sagging simulieren und als Spannungsvernichter wirken...

Das steht und fällt nun mal mit der nicht vorhandenen Gleichrichterröhre, die im Vergleich zu den Dioden einen gehörigen Teil Spannung in Durchlassrichtung schluckt.

Eine ähnliche Schaltung ist übrigens im Pawnshop Excelsior von Fender realisiert worden. Auch hier simulieren zwei Kokelwiderstände das Sagging, wenngleich sie nicht zwischen Trafo und Dioden, sondern zwischen Dioden und Ladeelko liegen.

Gruß Michael

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