Technik > Tech-Talk Fender
Fender Silverface Twin Reverb 135W - keine Leistung
7enderizer:
Hallo liebe Musikerfreunde,
ich habe ein Problem mit meinem 7ender Silverface Twin Reverb, 135W, Master Volume, 4x 6L6WGC, Baujahr 70-er Jahre.
Den Amp habe ich von einem befreundeten Musiker bekommen. Leider war der Amp technisch sehr verbastelt, viele Widerstände und Kondensatoren waren nicht mehr original. Den Originalzustand, so wie er laut Schaltbild sein sollte, habe ich dann wieder hergestellt. neue Netzelkos, Kathodenelkos, Kohlepresswiderstände, neue Vor- und Endstufenröhren.
Soweit so gut. Leider ist die Ausgangsleistung des Amp mehr als dürftig. Beim Anschluss einer Les Paul spielt der Amp selbst bei voll aufgdrehtem Master Volume Poti und voll aufgedrehtem Volume Poti des jeweiligen Kanals (Normal, Vibrato) nur sehr leise und verzerrt auch stark.
Ich habe für euch einmal die Spannungen gemessen, diese lauten wie folgt:
Ua+ gemessen an den Anoden der Endröhren: 473V (laut Schaltplan 500V )
Ug2: ebenfalls Schirmgitter Endröhren: 476V
Ug1: - 43V (laut Schaltplan soll es - 58V sein)
Kathode: 0,6V an 10 Ohm (10 Ohm als Schutzwiderstände, im Original direkt an Masse)
Stromaufnahme des Amps an 230V 185W, (350W laut Typenschild unter Volllast)
-58V neg. Gittervorspannung, das kann doch nicht richtig sein. Die Endröhren würden dann doch zuregeln und gar keinen Strom mehr ziehen. Ich habe den 2,2k Ohm R, für die neg. Gittervorspannung (der R, der vor der Diode sitzt) gegen einen 4,7k Ohm R ersetzt, da der Amp aufgrund zu hoher neg. Gittervorspg. sonst gar nicht spielen würde.
Vorstufenspannungen sind soweit in Ordnung.
Klangregelung, Vibrato und Hall sind in Ordnung.
Habt ihr noch einen Einfall, ich stehe etwas auf dem Schlauch, vorallem wegen den -58V Ug2 ???
Könntet ihr mir ggf. ein paar Bilder vom Chassis zukommen lassen?
Bei mir wurden einige Bauteile(vermutlich Widerstände) ausgelötet und sind nicht mehr vorhanden. (siehe angehängte Grafiken)
Schaltplan von der 135W Version habe ich :)
Herzlichen Dank vorab für eure Mithilfe :topjob:
cca88:
versteh ich das richtig - 0,6V Spannungsabfahl an JEDEM der 10 Öhmer?
das wären 60mA pro Röhre....
ein büsschen viel - oder?
-42V ist für 6L6 eher zu wenig Gittervorspannung - ich würde schätzen, daß es im Bereich von -48V bis -52V sinnvoll wird. So 35mA wäre das Ziel, das ich anstreben würde.
Die fehlenden Bauteile gehören nach erstem Blick zur "Pull-Boost"-Schaltung - kein herber Verlust
Was mir überhaupt nicht gefällt ist das ganze Kabelbindergedöns im Bereich der Endstufe. Primärseite des Netzteils mit allem anderen zusammengedengelt - etc. pp. Ich hasse sinnlose Ordnungsliebe... Mich würde auch nicht wundern, wenn die Endstufe schwingen würde - Oszi?
und der große Widerling links vom Netztrafo - was passiert wenn der sich "freiwackelt"? Der hat Original eine andere - etwas leichtere Bauform.
Grüße
Jochen
PS den ganzen Kabelbinderkäse würd ich komplett im ganzen Amp rauswerfen. Es hatte seinen Grund, warum Fender nicht alles blind zusammengeklöppelt hat. Und die alten originalen Kisten sind auch nicht wie die Fliegen an abgenoddelten Kabeln gestorben
7enderizer:
Hallo Jochen,
danke für deine schnelle Antwort. :topjob:
Die Kabelbinder waren schon "vor meiner Zeit" im Amp.
Der große Lastwiderstand links mit Netztrafo wird sehr warm, sollte sich aber von selbst nicht auslöten. Dies werde ich noch einmal überarbeiten. Habe ich von der Apotheke, wurde von mir um die Lötösen gewickelt und sollte auf jeden Fall halten.
Anyway, 60 mA pro Röhre kommen hin, macht 240mA insgesamt. Das ist schon etwas happig, aber anders herum wäre bei geringerer neg. Gittervorspg. die Anodenspannung deutlich höher (500V sind die Grenze bei der 6L6).
Das kann dann mit Sicherheit kein Schaltungsfehler von 7ender sein. Alle anderen Amp scheinen mit den -58V ja auch zu funktionieren.
Ob die Endstufe schwingt müsste ich einmal messen. Ich habe den Verdacht, dass die Vorstufe eine zu geringe Verstärkung des Eingangssignals liefert.
cca88:
--- Zitat von: 7enderizer am 30.12.2014 12:21 ---Hallo Jochen,
danke für deine schnelle Antwort. :topjob:
Die Kabelbinder waren schon "vor meiner Zeit" im Amp.
Der große Lastwiderstand links mit Netztrafo wird sehr warm, sollte sich aber von selbst nicht auslöten. Dies werde ich noch einmal überarbeiten. Habe ich von der Apotheke, wurde von mir um die Lötösen gewickelt und sollte auf jeden Fall halten.
Anyway, 60 mA pro Röhre kommen hin, macht 240mA insgesamt. Das ist schon etwas happig, aber anders herum wäre bei geringerer neg. Gittervorspg. die Anodenspannung deutlich höher (500V sind die Grenze bei der 6L6).
Das kann dann mit Sicherheit kein Schaltungsfehler von 7ender sein. Alle anderen Amp scheinen mit den -58V ja auch zu funktionieren.
Ob die Endstufe schwingt müsste ich einmal messen. Ich habe den Verdacht, dass die Vorstufe eine zu geringe Verstärkung des Eingangssignals liefert.
--- Ende Zitat ---
Bei dem Lastwiderstand geht es mir auch nicht um die Lötstellen, sondern um die langen Beinchen - verbunden mit einem doch vorhandenen Bauteilgewicht. Sprich um die mechanische Sicherung gegen Abreissen der Beinchen.
Bzgl. der 500V für die 6L6 - eine "normale" 6L6 sollte das problemlos abkönnen. Ich nehm in den ULs gerne die 5881WXT - die kann es.
Eine Ruhebelastung von 30W und dann noch Signal auf die Müte - da stellich mir eher die Frage, ob sie das abkönnen. Die 60mA sind nicht ein bisschen, sondern viel zu hoch. Und die .58V siond nicht falsch gezeichnet - die Amps wurden auch so gebaut
Bzgl. der Ausgangsspannung der Vorstufe - solange sie korrekt funktioniert bringt sie auch genug. Welche Spannungen misst Du am PI? Und zwar alle...
Viel Spaß beim suchen... Ich hab zwar auch gerade nen UL Twin hier - aber der ist vom Einschalten noch zu weit weg.
Grüße
Jochen
7enderizer:
Hallo,
ich habe auch noch einmal ein 1 KHz Sinus Signal direkt am Input 1 des Amps (Normal, sowie Vibrato Kanal) eingespeist.
Das Oszi ziegt allerdings am G2 der Endröhren kein Sinus Signal mehr an. Es wird ein Rechteckt Signal ausgegeben. Die Klangregelung dürfte das Signal doch nicht so stark beeinflussen ?
Wie müssen die Betriebsparameter bei 473V Ua und 476V Ug1 sein?
Bei -58V kann der Verstärker keine Leistung mehr porduzieren, da die Endröhren dann überhaupt keinen Strom mehr ziehen würden. Deshalb auch die -43V neg. G2, statt der -58V.
Die -43V Ug2 werden wieder auf den Standardwert von -58V gesetzt, so wie es sein soll. Die Endstufe scheint IMHO in Ordnung zu sein, die Vorstufe wird dann noch einmal genauer untersucht.
Ich vermute einen Fehler in der Vorstufe. Die Verstärkung ist einfach zu gering. Bei 1 KHz Sinus habe ich an einem 5 Ohm Widerstand am Lautsprecherausgang etwa 100W, gemessen mit dem Oszi.
Spannungen der Vorstufe werde ich einmal messen.
Bitte wundert euch nicht, wenn ich erst wieder am 01.01.2015 antworten kann. Der Amp steht momentan nicht bei mir, daher kann ich erst wieder ab 01.01. Messungen am lebenden Objekt durchführen.
Vielen Dank an dich Jochen für deine fachlich durchdachten Antworten und natürlich an alle die hier mitgelesen haben ;D
Viele Grüße und einen guten Start ins neue Jahr :bier:
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
Zur normalen Ansicht wechseln