Technik > Tech-Talk Fender
Fender 6G15 - das Geheimnis des "Drip"
smid:
Guten Abend,
der Klang der Fender Reverb Unit gilt ja unter Freunden der Surfmusik als sowas wie der heilige Gral des Reverb-Sounds. Das Klangideal wird gerne umschrieben mit "drip, quack" oder allgemein mit "wet" oder "plätschernd".
Mich hat interessiert, woher dieser spezielle Klang kommt und ich stelle nach diversen Experimenten mal folgende These in den Raum:
Der "Drip" entsteht im MIX von Reverbaufholstufe und Kathodenfolger des Dry-Zweiges.
Die These stützt sich auf folgende Erfahrungen:
* die Treiberstufe ist von sekundärer Bedeutung, auch die parallel betriebene 12AT7 aus der Reverb-Amp-Schaltung statt der 6V6/6K6 erzeugt einen annehmbaren Drip; ich hab das in einem Amp getestet, Klangbeispiel im dazugehörigen Thread
http://www.tube-town.de/ttforum/index.php/topic,20873.30.html
Auch die Variante mit der EL844 aus dem TT-Bausatz funktioniert.
* natürlich ist der Tank wichtig, ich mag den langen Accutronics, der auch in den Amps und in der Reverb-Unit steckt, und habe einen aktuellen von der Stange als Referenztank für meine Experimente benutzt.
* ich habe mal den Kathodenfolger rausgelassen und einfach gegen das ungebufferte Eingangssignal gemischt: das geht ebenfalls, aber plötzlich fehlt der "drip", das Ergebnis ähnelt dem Hall aus der Reverb-Amp Schaltung.
* die Eingangsstufe ist ebenfalls von sekundärer Bedeutung. Sowohl die Variante in der 6G15-Schaltung mit einer ganzen 12AT7, bei der zwischen den Stufen 90% Signal weggeworfen werden, als auch eine halbe 12AX7 reichen, um die Treiberstufe ausreichend zu befeuern. Das mit der halben 12AX7 habe ich gerade getestet.
Warum ich das Ganze mache? Ich wollte eigentlich einen schönen "nassen" Hall, aber dafür nur zwei Doppeltrioden opfern. Aber wie es es im Moment auch drehe und wende, ich brauche mind. zweieinhalb:
1/2 12AX7 als Eingangsstufe
1/1 12AT7 als Treiber
1/2 12AX7 als Reverb-Aufholstufe
1/2 12AX7 als CF im Dry Zweig
Ausserdem hirne ich noch immer an diesem Thema rum http://www.tube-town.de/ttforum/index.php/topic,21547.msg220055.html#msg220055 und möchte eigentlich einen Reverb-Amp Mod, bei dem ich weder etwas "opfern" muss (Tremolo oder 1. Kanla), um einen Combo mit gutem Surf-Reverb zu kriegen, aber auch keine Doppeltriode hinzufügen muss (Blecharbeiten, Trafoleistung etc.)
Was ich noch nicht probiert habe, ist nur eine halbe 12AT7 als Treiber zu verwenden. Zwar schreibt der Wizard:
--- Zitat ---Some budget amps even use a single ECC83 (12AX7) (which is capable of delivering about 200mW into a 100k load impedance), but it has a reputation for producing a weak sound.
--- Ende Zitat ---
aber vielleicht ist es mit einer ECC81 den Versuch wert.
Ich würde mich freuen, von dem ein- oder anderen Reverb-Profi Feedback zu bekommen.
Plitsch-Platsch und schönen Abend,
Andreas
Dirk:
LND150 ?
smid:
Und ich dachte das hier ist ein Röhrenforum..... :)
Das LND150 fehlt mir tatsächlich noch in meiner Reverb-History (Fender 63 Reissue Reverb Unit, Boss FRV 1, Surfy Bear FET Reverb, TT-Verb, Surfmaster-Amp). Muss ich doch glatt mal ordern. Ich habe gerade mal das PDF angesehen. Einen passenden Ausgangsübertrager hätte ich sogar rumliegen. Gibt es einen Schaltplan dazu? Ich habe auf den ersten Blick keinen gefunden.
Aber natürlich interessiert mich eine eventuelle Lösung mit Röhren noch ein klitzekleines Bisschen mehr ;D
Schönen Abend,
Andreas
Dirk:
--- Zitat von: smid am 15.02.2017 21:40 ---Und ich dachte das hier ist ein Röhrenforum..... :)
--- Ende Zitat ---
Technikforum mit Schwerpunkt Röhren ist sicherlich passender ;D
Den LND150 verwenden wir auch auf dem Reverb-Modul welches sehr ähnlich aufgebaut ist wie die normale Reverb-Unit: https://www.tube-town.net/ttstore/Bausaetze/Sonstige-Bausaetze/Kit-LNDVerb::6830.html
Von daher kann ich Dir sagen, dass der LND150 zu 100% für Deinen Anwendungszweck funktioniert. Unbedingt auf Röhre zu gehen erachte ich in diesem Fall als zu engstirnig. Du solltest den Mosfet auf alle Fälle mal ausprobieren. Grosser Vorteile ist die geringe Grösse und es wird keine Heizung benötigt, weshalb er sich auch gut in bereits vorhandene Verstärker einbauen lässt.
Gruß, Dirk
smid:
--- Zitat ---Den LND150 verwenden wir auch auf dem Reverb-Modul welches sehr ähnlich aufgebaut ist wie die normale Reverb-Unit
--- Ende Zitat ---
Das Modul habe ich mir gerade angesehen, deshalb auch die Frage nach dem Schaltplan. Ich sehe drei Halbleiter (Eingangsstufe, Treiber und Aufholstufe? CF?)
Erstmal danke für den Tip, werde ich auf jeden Fall weiterverfolgen. Schon alleine um noch einen Reverb mehr zuhaben. ;D
--- Zitat ---Unbedingt auf Röhre zu gehen erachte ich in diesem Fall als zu engstirnig.
--- Ende Zitat ---
Hm, das mit den Röhren ist für mich als Vertreter der Generation DSP, Kind der Transistor-Ära und Clean-Sound-Spieler sowieso weitgehend "l'art pour l'art". Ich komme, wenn es sein muss, auch prima auch mit nem Boss FRV-1 vor einem Laney-Transistor-Keyboard-Amp zurecht. Das hat viele Jahre lang live und bei Aufnahmen niemanden gestört. :devil:
Auf die Aufwand/Nutzen Waage kann ich das eh nicht stellen. Mir geht es eher um den Bastelspaß und um den Wissenszugewinn . Insofern probier ich gerne alles aus, pflege aber auch gerne meine Marotten.
Schönen Abend
Andreas
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
Zur normalen Ansicht wechseln