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Erfahrungen mit AB763-Clone

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Meikel:
Hallo,


( mit freundlicher Genehmigung der Forenmaster:   http://www.jogis-roehrenbude.de/Leserbriefe/MMeyer-Gitarrenamp/Gitamp.htm )

seit einiger Zeit ist ja nun dieser Amp bei mir in Betrieb und ich möchte gern dazu einige kritische Erfahrungen loswerden.

* Positiv:

was den Sound betrifft, fiel mir auf, welche WELTEN zwischen diesem Clone und z.B. der Wiedergabe eines Blues Deluxe liegen. Der Clone kommt klarer, feinzeichnender, mit viel mehr 3D, also räumlicher; mit weniger Nebengeräusche. Der Hall ist dreidimensionaler; der Sound ist einfach richtig "Fender" oder "amtlicher", um dieses Wort mal zu gebrauchen.

Sofern man diese zwei Amps überhaupt vergleichen kann. Gestern baute ich nämlich testweise den Blues Deluxe wieder zusammen und lauschte.

Der Amp reagiert gut auf unterschiedliche Vorröhren, hier ist ein sehr weites Feld für individuelle Soundvorstellungen. Allerdings fiel mir rein hörtechnisch kaum ein Unterschied zwischen einer oft so geschmähten Sovtek 12AX7WA und einer ECC83S auf, abgesehen davon, dass die ECC natürlich wg. ihrer höheren Verstärkung lauter kommt.

* Negativ bzw. verbesserungswürdig:

Der Jensen C12Q ist m.E. für das Gehäuse des Blues Deluxe nicht unbedingt geeignet. Die Wiedergabe ist ungeheuer basslastig, selbst bei Schaltungsänderungen im Tonestack.

(Das verschwindet zwar, aber klar zulasten der Wiedergabe insgesamt, wenn man z.B. einfach den Eminence des Blues Deluxe stattdessen ins Gehäuse schraubt, der passt zum "Gehäuseeigenklang" viel besser. Schraubt man das Chassis/den Verstärker des Blues Deluxe mit dem Jensen zusammen ins Gehäuse, so bleibt diese extreme Basslastigkeit. Der Tonestack ist fast wirkungslos (Mittenregler), ebenso der Presence-Regler.)

Mit dieser Wiedergabe unmittelbar im Zusammenhang:

Der Amp ist und bleibt clean schweinelaut. Er hat sehr hohe Leistungsreserven. Anzerren bei gemässigterer Lautstärke ist mit Singlecoils nach wie vor schwierig; auch wenn man am Bias ändert, wie man will bzw. kann im Rahmen des Möglichen. Ursache sind nicht nur die zu hohen Betriebsspannungen, sondern die Hauptursache liegt im zu großen Netztrafo; seiner Möglichkeit, einen hohen Strom auch bei Belastung konstant abzugeben.

Der Original-DR "lebt" vom Zusammenbruch, also vom Sich-Absenken der Betriebsspannungen bei Belastung und damit verbunden mit dem Anzerren und/oder Komprimieren, usw. des Sounds. Dies bringt zum einen sein Netztrafo mit seinen geringeren Anodenspannungen; zum anderen seine geringere Kerngröße! Der in meinem Amp eingebaute TT-Netztrafo 022798 mit seiner längsten Kernabmessung von ca. 105 mm ist für einen Amp mit 2x 6L6 geeignet - für den AB763-Clone ist er einfach zu mächtig. Der im DR verwendete Netztrafo hat eine längste Kernabmessung von ca. 85 mm.

Die Betriebsspannungen verringern sich zwar mit Nachlassen der Emissionsfähigkeit der GZ34, sind aber zu hoch. Hier kann man (ich schrieb an anderer Stelle schon darüber) zwar die Anodenspannungen der GZ34 absenken durch 'Verkokeln' der 2x 37 Volt mittels Widerständen oder man benutzt ausgelutschtere oder andere Gleichrichter, wie ich es mit einer alten 5Y3GB tat. Der Haken an der Sache: sinken im Originaltrafo die Betriebsspannungen durch Belastung, so gleitet auch die Biasspannung!

(Das Absinken der Heizspannungen lasse ich mal schon wg. der Wärmeträgheit der Kathoden außer acht.)

Ändere ich also im hiesigen Trafo nur die Anodenspannungen durch Verkokeln, so sinkt sehr theoretisch im (zu starken) Trafo bei Belastung nicht die Biasspannung. Und damit bekomme ich sehr wahrscheinlich ein anderes Verhalten der Endstufe gegenüber des Originals....

Ein Vorschalten eines Kokelwiderstandes vor den Trafo, also auf seiner Primärseite, muss hier, denke ich, nicht angerissen werden...

* vorsichtiges Fazit:

Der AB763-Clone nähert sich clean sicherlich einem Fender-Original-cleanen Ton. Was allerdings den Clean-Headroom betrifft, so läuft die Schaltung bei Verwendung des o.g. Netztrafos der Philosophie speziell des DR-Originals zuwider, der beizeiten beginnen soll, anzuzerren. Der AB763-Clone bedient in dieser Hinsicht ungewollt eher lautere und stabilere Fender-Amps.


Gruß Michael

Vintage_Man:
Hallo Michael,

Bei meiner Suche nach meinem nächsten Amp-Projekt bin ich auf Deine Beschreibung in Jogi's Röhrenbude gestossen. Nach dem Vibro-Champ wollte ich jetzt mal mehrere Wünsche mit einem Schlag befriedigen und mir ein Tweed-Case mit mit einer DR-Variante versehen. Kein Wunder, dass ich da bei Dir gelandet bin. Das Tweed-Case in Fender Deluxe Maßen habe ich bereits bis auf die Tapete fertig und werde dann bald mit dem Chassis beginnen. Da mir Dein Entwurf sehr entgegenkommt, werde ich mich daran orientieren. Ich habe einige verschiedene 12-Zöller im Bestand sowie diverse Röhren, mit denen man dann schön testen kann, welche Änderung den besten Effekt liefert.
Den Tip mit dem NT werde ich als erstes beherzigen und ein entsprechendes Exemplar aussuchen. Für den AÜ wollte ich einen 125E einsetzen, damit ich Spielraum bei der Anpassung der Endstufe habe.

Du siehst, Deine Arbeit trägt Früchte! :)
/Bernd

Martino:
darf ich fragen welchen OT du für den clone verwendet hast?
ich habs irgendwie nicht herausfinden können - sorry vorab, falls ich es übersehen hab.
danke - lg, martin

Vintage_Man:
Hallo Martin,

Sorry. Habe ihn hochdeutsch 'AÜ' genannt und nicht neudeutsch 'OT'. ;)
Wenn Du den DR (neues Projekt) meinst, dann soll es der Hammond 125E werden. Für meinen VibroChamp Clone habe ich den 8 Watt 125A35A / 022905 von Dirk eingesetzt.

/Bernd

Meikel:
Hallo Bernd,

> ...und werde dann bald mit dem Chassis beginnen. Da mir Dein Entwurf sehr entgegenkommt, werde ich mich daran orientieren.

und bitte unbedingt dran denken, dass der beim Jogi veröffentlichte Chassisentwurf hinsichtlich der Maße des NT nicht stimmt: es sind die Maße für den TT-NT und NICHT die Maße für den TAD-TT. Werde das ggf. beim Jogi ändern, wenn die Zeit dafür da ist. Baut inzwischen jemand zwecks Geldverdienen-wollen das 1:1 nach, dann hat er eben den flaschen Trafo...  :devil:

> Den Tip mit dem NT werde ich als erstes beherzigen und ein entsprechendes Exemplar aussuchen.

Momentan bin ich sehr zufrieden, was das Zerrverhalten (und dessen Enstellung) des Amps im Zusammenhang mit seiner Lautstärke angeht. Ich fahre die JJ6V6S übrigens z.Zt. mit 34 mA. Klingt einfach herrlich, auch wenn der Strom lt. Soll-Werte eigentlich zu hoch ist.

> Für den AÜ wollte ich einen 125E einsetzen, damit ich Spielraum bei der Anpassung der Endstufe habe.

Sehr gut. Bitte berichte, wenn das alles läuft, hinsichtlich Deiner Klangerfahrungen, auch was diverse LP angeht. Ob jedoch der 125E-AÜ wirklich ein guter 1:1-Ersatz ist, kann ich nicht beurteilen. Hier, also, was das "Eisen" generell angeht, bin ich inzwischen sehr skeptisch und habe gelernt, dass nicht unbedingt jeder Trafo - egal, ob AÜ oder NT - geeignet ist, auch wenn er elektrisch in seinen Werten stimmt.

> Du siehst, Deine Arbeit trägt Früchte! :)

Das freut mich. Angeblich soll wohl ein Plagiat schon bald in China gebaut werden....
Lies bitte auch, was ich unter "Änderung AB763-Clone" geschrieben habe.

Gruß Michael

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