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Mallorys oder Orange Drop für 5E3
DocBlues:
Hallo Larry,
Deinen Kiwame-Beitrag auf dem Metroboard kannte ich nicht. Interessant, daß Du die Kiwame sehr ähnlich wie ich empfindest. Eine etwas bessere Alternative scheinen mir die Takman Widerstände zu sein (gibt es auch bei hificollective in UK). Die sind detaillierter und offener.
Was die Kondensatoren angeht hast Du offensichtlich noch deutlich mehr detaillierte Erfahrungen als ich gemacht. Wenn Du den TAD Mustard im Vergleich zum Sozo als "10 - 15 Jahre jünger" , also nicht ganz so "vintage smooth" einschätzt, könnte das für mich sogar die bessere Lösung sein, da ich auch versuche, solche Sounds wie Andy Summers be Police mit Chorus-Effekt und klassisch Marc Knopfler mit zu realisieren. Wenn Du mit "10 - 15" jünger etwas weniger mittig und etwas mehr Präsenzen/Höhen und etwas mehr Tiefe im Bass meinst, wäre das zumindest so. Ich bin da nur teilweise auf der reinen 60iger/70iger vintage Schiene, sonders teils auch im etwas moderneren Bereich, versuche aber die Härte und das Kratzen in vielen moderneren Sounds (was sich ja seit den 80 iger Jahres sehr eingeschlichen hat) außen vor zu lassen.
Über den Unterschied zwischen Cap in Gitarre und Cap im Amp (als Koppelkondensator) habe ich mir auch schon meine Gedanken gemacht und eigentlich müßte das Klangverhalten ja genau invers sein. So verstehe ich auch Deine Anmerkung dazu. In der Praxis scheint das aber irgendwie nicht zu stimmen. Meine Vermutung ist, daß der Klangeindruck nur zum Teil durch den Frequenzgang an sich bestimmt ist und zum anderen Teil durch die Art und Weise, wie Transienten im Kondensator verarbeitet werden. Die Transienten und deren Beeinflussung (also das Einschwingverhalten und dessen Abbildung im Signalweg) macht ja einen sehr großen Teil des Gitarrensounds aus.
Das Transientenverhalten scheint aber primär von den im Kondensator verwendeten Materialien und z.T. auch von den geometrischen Dimensionen abzuhängen. Jedenfalls höre ich bei den meisten Kondensatoren in Gitarre und im Amp die gleiche Charakteristik. Das heißt natürlich nicht - und da bin ich ganz bei Dir - daß ein Kondensator, der im Amp super funktioniert, zwangsläufig auch in der Gitarre optimal ist. Da sind die Spannungen wohl doch zu unterschiedlich und auch die Wechselwirkung mit den PickUps ist ja sicher anders als die Wechselwirkung in der Röhrenschaltung. Z.B. kann ein Mallory 150 in einer Strat, die sehr drahtig und brilliant klingt etwas von dem "Zuviel an Präsenzen" wegnehmen. Ich würde aber annehmen, daß in derselben Strat ein TAD Mustard auch für Deine Ohren noch besser klingt als der Mallory 150. Paper in Oil habe ich bislang nur von TAD probiert und da gefiel mir in einer speziellen Gitarre der TAD Mustard insgesamt etwas besser. Ich nehme aber an, daß der "TAD Paper in Oil" nicht gerade das Maß der Dinge in Sachen "Paper in Oil" ist. BumbleBee konnte ich noch nicht probieren.
Vielen Dank auch für Deinen Hinweis auf den Direktvertrieb von Sozo und Bezahlung über Paypal. Das werde ich wohl bald einmal angehen.
Gruss,
DocBlues
Larry:
--- Zitat von: DocBlues am 30.10.2008 18:07 ---Wenn Du mit "10 - 15" jünger etwas weniger mittig und etwas mehr Präsenzen/Höhen und etwas mehr Tiefe im Bass meinst, wäre das zumindest so. Ich bin da nur teilweise auf der reinen 60iger/70iger vintage Schiene, sonders teils auch im etwas moderneren Bereich, versuche aber die Härte und das Kratzen in vielen moderneren Sounds (was sich ja seit den 80 iger Jahres sehr eingeschlichen hat) außen vor zu lassen.
--- Ende Zitat ---
Verdammt schwierig, Sounds und Soundveränderungen mit Worten zu beschreiben, da unser Vokabular hierfür scheinbar nicht über die passenden Termina verfügt. Ich versuch's dennoch, es zumindest ansatzweise hinzubekommen:
Der SoZo Premium ist grundsätzlich eigentlich ein mittenbetonender Kondensator, jedoch betont er die Mitten nicht in einem fokussierten Bereich, sondern über das gesamte Mittenspektrum hinweg von den Tunk-Tiefmitten bis zu den schmatzigen (soft into your face) Hochmitten, ohne dabei die glasigen, irgendwo zwischen 2kHz und 4kHz angesiedelten Hochmitten überzubetonen. Die sind schon "da", aber wohldosiert, ohne einem die Ohren abzuschneiden. Ferner scheint es, als würde der Premium den Noten stets eine gewisse Prise von diesem seidig, holzigen Vintage-Raunch 'hinzufügen' - nicht unähnlich einer durch entsprechende Schaltungsauslegung provozierten K2-Anreicherung des Sounds. Aber trotz seiner eigentlichen Mittenbetonung ist er ganz oben keineswegs 'matt' - ganz im Gegentum! Gerade auch auf den umsponnenen Saiten hat man stets dieses sibrige Glitzern ganz oben auf den Tönen drauf, was in keiner Weise synthetisch oder durch Parallel-Cs in Filtergliedern erzwungen erscheint.
Ganz unten ist er jedoch gar nicht so dominant, wie du mit 'Tiefe im Bass' vermutlich gemeint hast. Das, was man vorher eher als 'Womm' wahrgenommen hat, kommt nun eher als 'Tock' oder 'Tonk' an, was den Sound nun tighter bzw. knackiger macht - fast so, als hättest du ein aktives Sub-Bass-Filter aktiviert, das nun mit -12dB Flankensteilheit alles unterhalb von 80-100Hz abrasiert. So kam es auch, dass ich beim Wechsel von SoZo Standard auf SoZo Premium den Koppelkondensator, der bei meinem BP vor dem Filter zum Gainpoti liegt von 2,2n auf 4,7n vergrössern musste, um 'unten herum' wieder das gewohnte Soundfeeling zurück zu gewinnen.
Ich hoffe, meine Worte sind einigermassen nachvollziehbar und geeignet dazu, sich in das Soundgeschehen einzufühlen!
Allerdings muss ich einräumen, dass ich beim ersten Versuch mit 'frischen' Premiums anfangs erst etwas enttäuscht war. Der Sound war zwar 'dick', aber dennoch etwas eckig, hart und garnet so sehr cremig. Ich war fast schon soweit, die Dinger wieder rauszuschmeissen und meine 'gut eingenudelten' SoZo Standard wieder einzulöten...
... bis ich dann nach ca. 3-4 Stunden Betriebszeit merke, dass da 'etwas' passiert ^-^ Und nach ca. 10-12 Stunden Gesamt-Betriebszeit waren die anfänglichen 'Ecken' weg, eine tontragende Saftigkeit bzw. Cremigkeit trat zusehends mehr in den Vordergrund und das oben erwähnte 'silbrige Glitzern' war nun nach einer gewissen Anfangsverzögerung auch da! Nun war er da - ein schmatzig saftiger, 'stabiler' Ton mit glitzerig milder Präsenz oben drauf :)
Nein! Ich stehe bei SoZo nicht auf der Gehaltsliste! ;D
Larry
DocBlues:
Hallo Larry,
danke für Deinen Zusatzkommentar. Die Bässe sind nach Deiner Beschreibung nicht unbedingt das, was ich anstrebe. Genau da brachte der TAD Mustard in meinem Fall (in der Gitarre) gerade das Extra an Tiefe, was ich vermißt hatte. Die Gitarre war in den Bässen (mit dem Xicon MPP) vorher eher zu knackig. Alles andere, was ich probiert hatte (Mallory & Co , OD 715 und 716, Wima MKP4, FKP2, Panasonic Polyprop und auch Solen Fast brachte nie das gewünschte Ergebnis - sei es, daß die falschen Frequenzen betont wurden oder das der Ton ausdrucklos oder steril wurde.
Ansonsten hört sich Deine Beschreibung der Sozo schon sehr interessant an. Jedenfalls kann man wohl eins definitiv feststellen: Sowohl Sozo als auch TAD Mustard sind schon ein deutlich anderes Ding als Mallory 150 & Co. Da hat man wieder zwei sehr gute Optionen mehr.
Gruss,
DocBlues
DocBlues:
--- Zitat von: haebbe58 am 30.10.2008 08:22 ---Ho Doc,
hör Dir mal "Cortez the Killer" von der CD/LP "Zuma" an.
Das kriegts Du mit irgendwelchen Zerrern und Transistor-Kästen so nicht hin! Undynamisch und trashig ist das auch nicht ... da hört und fühlt man förmlich jeden Schweißtropfen und die Melancholie des lieben Neil! Und extrem viel Gefühl!
mfg Häbbe
--- Ende Zitat ---
Hallo Haebbe und Bazookajoe,
ich habe zwischenzeitlich die Aufnahme von Neil Young durchgehört. Der Sound paßt schon sehr gut zu seinem Stil und der Stimmung des Songs. Authentisch ist das zweifellos. Trotzdem ist das vom Gitarrensound her nicht so ganz mein Ding. Hier ist übrigens ein Link zu dem Songwriter (Francis Gaya), bei dessen Projekt ich teilweise beim Recording und Live mitgemacht habe und auf den ich mich betreffend Neil Young Sounds bezogen hatte. Er ist großer Neil Young, Crosby, Still und Eagles Fan. Als ersten Song empfehle ich "Black holes" in der Rubrik "rough and tough". http://www.francisgaya.de/listen.htm.
Gruss,
DocBlues
Fwänk:
Hi Forum,
wie im anderen Beitrag schon eben geschrieben, habe ich die Mallory gegen Solen Fast getauscht und bin bis jetzt beim leise testen sehr positiv überrascht. Die weitere Diskussion bringt mich allerdings zu der Frage welche Kondensatoren ich am besten in meiner Tele einsetze. Bei den letzten Lötarbeiten meiner Strat habe ich auch Xicon eingesetzt und finde diese ganz gut, wobei ich jetzt die Papier in Öl von TAD gesehen habe, die ja auch Acy verkauft.
Habt ihr da ein paar Tipps.
Grüße, Frank
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