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Technik => Tech-Talk Mesa Boogie => Thema gestartet von: Showitevent am 18.06.2026 21:59
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Moin zusammen,
ich bräuchte mal eure Hilfe bzw. ein zweites Hirn, weil mich der Amp gerade ziemlich beschäftigt. Bei Mesa/Boogie stolpert man je nach Revision ja durchaus über Eigenheiten, die man bei anderen Amps so nicht unbedingt erwarten würde – und gerade stehe ich etwas auf dem Schlauch.
Es geht um einen Single Rectifer 50 - Series 2, der ursprünglich gar nicht zum Service bei mir war. Es stand nur im Raum, ob ich ihn kaufen soll. Was mir beim Testen aber sofort aufgefallen ist: Der Amp war im Bassbereich sehr flubby, also ziemlich „flat tire“ so, wie man es wohl auch von einigen Dual- und Triple-Rectifiern kennt.
Inzwischen steht er hier auf der Werkbank.
Mit neuen Röhren, konkret Mesa Green 6L6GC, bringt der Amp bei Einspeisung in den Loop gerade einmal brauchbare 21-25 Watt. Daraufhin habe ich den Bias gemessen: Der Amp läuft gerade mal bei knapp 33 % Verlustleistung.
Ich habe testweise den Fixed Bias aufgelöst und den Amp erst einmal in Richtung 60 % gebracht. An der Wellenform des Outputs hat das allerdings rein gar nichts geändert.
Dann habe ich den Ausgangsübertrager an einem Referenzwiderstand vermessen und komme auf folgende Werte:
8 Ohm → ca. 4400 Ohm Raa
8 Ohm → ca. 1100 Ohm Ra
Das sah für mich erst einmal völlig plausibel aus.
Was mich allerdings stutzig macht: Der Amp clippt auf der unteren Halbwelle schon bei recht geringer Leistung. Scope-Bilder reiche ich noch nach.
Interessant ist außerdem, dass der Amp mit 5881-Röhren im Bottom End deutlich besser klingt. Der Bass wirkt viel aufgeräumter und folgt dem eigentlichen Anschlag wesentlich besser.
Jetzt ist es folgendermaßen: Ich habe meine 16-Ohm-Referenzlast testweise an den 8-Ohm-Ausgang gehängt, mit 5881-Endstufenröhren. Damit komme ich bei recht gut aussehender Wellenform, abgesehen von leichter Übernahmeverzerrung, auf ca. 55 Watt. Das passt deutlich besser zu den nominellen 50 Watt.
Mit 8 Ohm am 4-Ohm-Ausgang komme ich allerdings nur auf knapp 36 Watt.
Irgendetwas passt hier also nicht. Egal welchen 50-Watter ich als Referenz vermesse: Bei korrekter Anpassung komme ich normalerweise immer ziemlich sauber auf die angegebene Leistung.
Hat jemand von euch eine Idee, wo hier der Hase im Pfeffer liegt? Ist so ein Verhalten bei bestimmten Boogie-Revisionen bekannt? Eigentlich ist eine Impedanz Messung per LCR-Meter für mich immer verlässlich gewesen.
Danke euch schon mal!
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Gibt es einen Schaltplan?
Ist das vielleicht einer dieser Klasse B Amps mit Kathodensteuerung, hoher Ub und niedriger Schirmgitterspannung?
Ist der AÜ original?
Ansonsten kann ich nur bestätigen, dass Raa = 4.4k die optimale Primärimpedanz für 2x 6L6/5881 mit Ub zwischen 400V und 500V ist.
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Moin, ja, anbei der Schaltplan, der AÜ ist original!
Der Schaltplan ist nicht 100 % Konsistent, aber die relevanten Teile inkl. PI passen. Selbstverständlich habe ich vom Send den Kondensator vom Kathodenfolger abgelötet, um einfach auszuschließen, dass der die Wellenform so zerhackt.
Ich muss mich auch nochmal korrigieren, ich komme auch bei Fehlanpassung 16 Ohm an 8 Ohm Ausgang nicht auf 55 Watt sondern 26 Watt. Falschen Wert abgelesen, gerade nochmal 3fach gecheckt.
8-4 (8 Ohm Last an 16 Ohm Ausgang)
8-8 (8 Ohm Last an 8 Ohm Ausgang)
16-8 (16 Ohm Last an 8 Ohm Ausgang)
Auffällig ist, dass sich die Übernahmeverzerrung nach oben verschiebt, die liegt nicht im Center, das sollte trotz Fehlanpassung trotzdem der Fall sein.
Edit: Per. VRms ist ziemlich genau das, was auch dem mit Multimeter gemessenem RMS Wert entspricht.
Und die Messung hier ist bei 600 HZ, ich habe das ein wenig durch gesweept um zu schauen, ob das Frequenzabhängig ist. Macht keinen Unterscheid ob 600 oder 1KHz.
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Wie sehen denn die Gittersignale ohne NFB bei Vollaussteuerung mit 8 Ohm-Last aus?
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Das muss ich morgen nochmal in Ruhe checken. So wie es aussah, waren die absolut okay. Aber ich hatte die einzeln gemessen, nicht simultan, das sollte ich nachholen.
Ich hänge morgen auch einfach mal einen Brot und Butter AT dran. Der Amp hat knapp 460 Volt B+ und sollte locker auf 50 Watt kommen damit.
PI und Loop Röhre wurden selbstverständlich auch schon getauscht, bzw. auch gemessen mit Hickock 500, da ist der Fehler nicht zu finden.
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Achso kleines Edit hinterher, die Messungen hier sind ohne NFB. Der Amp schaltet das im Disortion Kanal über RYFBa weg (Relais).
Da ist ein Fehler im Schaltplan - der Spitzfindige sieht den. Aber es ist sichergstellt, dass das NFB aus ist!
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Anbei die Gitter Signale...
Mhh das spricht jetzt Bände... Das mit dem Trafo kann ich mir wohl klemmen.
A ist deutlich kleiner als B.
Das NFB ist sicherheitshalber komplett abgehangen, Last 8 Ohm -> 8 Ohm Ausgang.
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Ich habe mir die Gitterspannungen nochmal genau angesehen.
1.) Die PI Röhre hat doch einen Treffer, die arbeitet in dem System einfach nicht balanced. Wurde also getauscht, damit sehen die Gitterspannungen auch besser aus.
2.) Leistung hat er trotzdem nicht! Ihm fehlen quasi knapp 40 %
3.) AT gegen einen anderen getauscht (3600 Ohm statt 4400 Ohm) gleiches Problem!
4.) Unter Last bricht die B+ von ~455 Volt auf 400 V Herunter. Das halte ich aber nicht für sonderlich problematisch, andere Amps machen das auch.
5.) Schirmgitter ebenfalls gemessen, dort gibt es auch kein hervorstechendes Problem.
Derweil habe ich natürlich eine nigel nagel neue Röhre gehimmelt, die hat einen Schluss am Heizfaden zur Kathode bekommen... Bevor das Loch noch größer wird, Deckel drauf und gut.
Edit:
Getauscht hatte ich testweise auch:
- Koppel Cs
- Die 120pF Kondensatoren
- die Anodenwiderstände
Den Rest hatte ich mir erspart.
Alles fühlt sich auch so an, als ist der Amp auf Leistung, am Scope kommt die allerdings nicht an.
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Für Vollaussteuerung (ohne Clipping) braucht jede Endröhre ein Gittersignal von Vpp = 2x Vbias.
Also z.B. Vpp =100V mit Vbias = -50V.
Kann der PI das?
Was sind die Anodenspannungen des PI?
Und was ist die Spannung am Punkt "C"?
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Bias Spannung: -50 Volt
Aussteuerungsfähigkeit ohne Endstufenröhren:
- UC ca. 440 Volt
- 160Vpp pro Phase, eher 170Vpp.
Mit Endstufenröhren:
- UC ca. 400 Volt
- ca. 95 Vpp und 100 Vpp kurz vor der Clipping Grenze, ich kann dann nur noch weiter in Gitterstrom fahren - was ja zu erwarten ist.
Unter Last, kurz vor der der Clipping Grenze (übrigens clippt der nur auf der negativen Halbwelle), schafft der Amp es auf 13.4 Volt RMS an 8 Ohm, also etwa 22 Watt.
Selbst wenn ich den Amp manuell in richtung 60 % Biase, dann habe ich gerademal einen Leistungszugewinn von ca. 5 Watt am Ausgang.
Für mein Verständnis verbrennt der Amp irgendwo Leistung, die nicht am Ausgang verbraucht wird.
Das Kuriose ist, dass er das auch mit einem vermeitlich anderen Trafo macht.
PS: Alles ohne Gegenkopplung!
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Der PI sieht jetzt also gut aus.
Wenn der Amp tatsächlich irgendwo > 20W verbrät. müsste es dort lokal ziemlich heiß werden.
Kannst Du mal (mit gebotener Profi-Vorsicht) die DC Stromaufnahme bei Vollaussteuerung messen, also Amperemeter über dem geöffneten Standby-Schalter?
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Idle: 60mA
Clipping Grenze: 200mA
Vollaussteuerung: 227mA
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M.M.n. sind 200mA (Clipping- Grenze) zu wenig für 50W clean.
Incl. Vorstufe würde ich mindestens 250mA erwarten.
Da scheint etwas die Endröhren zu bremsen.
Was sind denn die beiden Schirmgitterspannungen an den Röhrenpins bei der Clipping-Grenze?