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Technik => Tech-Talk Mesa Boogie => Thema gestartet von: Showitevent am 18.06.2026 21:59

Titel: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 18.06.2026 21:59
Moin zusammen,

ich bräuchte mal eure Hilfe bzw. ein zweites Hirn, weil mich der Amp gerade ziemlich beschäftigt. Bei Mesa/Boogie stolpert man je nach Revision ja durchaus über Eigenheiten, die man bei anderen Amps so nicht unbedingt erwarten würde – und gerade stehe ich etwas auf dem Schlauch.

Es geht um einen Single Rectifer 50 - Series 2, der ursprünglich gar nicht zum Service bei mir war. Es stand nur im Raum, ob ich ihn kaufen soll. Was mir beim Testen aber sofort aufgefallen ist: Der Amp war im Bassbereich sehr flubby, also ziemlich „flat tire“ so, wie man es wohl auch von einigen Dual- und Triple-Rectifiern kennt.

Inzwischen steht er hier auf der Werkbank.

Mit neuen Röhren, konkret Mesa Green 6L6GC, bringt der Amp bei Einspeisung in den Loop gerade einmal brauchbare 21-25 Watt. Daraufhin habe ich den Bias gemessen: Der Amp läuft gerade mal bei knapp 33 % Verlustleistung.

Ich habe testweise den Fixed Bias aufgelöst und den Amp erst einmal in Richtung 60 % gebracht. An der Wellenform des Outputs hat das allerdings rein gar nichts geändert.

Dann habe ich den Ausgangsübertrager an einem Referenzwiderstand vermessen und komme auf folgende Werte:

8 Ohm → ca. 4400 Ohm Raa
8 Ohm → ca. 1100 Ohm Ra

Das sah für mich erst einmal völlig plausibel aus.

Was mich allerdings stutzig macht: Der Amp clippt auf der unteren Halbwelle schon bei recht geringer Leistung. Scope-Bilder reiche ich noch nach.

Interessant ist außerdem, dass der Amp mit 5881-Röhren im Bottom End deutlich besser klingt. Der Bass wirkt viel aufgeräumter und folgt dem eigentlichen Anschlag wesentlich besser.

Jetzt ist es folgendermaßen: Ich habe meine 16-Ohm-Referenzlast testweise an den 8-Ohm-Ausgang gehängt, mit 5881-Endstufenröhren. Damit komme ich bei recht gut aussehender Wellenform, abgesehen von leichter Übernahmeverzerrung, auf ca. 55 Watt. Das passt deutlich besser zu den nominellen 50 Watt.

Mit 8 Ohm am 4-Ohm-Ausgang komme ich allerdings nur auf knapp 36 Watt.

Irgendetwas passt hier also nicht. Egal welchen 50-Watter ich als Referenz vermesse: Bei korrekter Anpassung komme ich normalerweise immer ziemlich sauber auf die angegebene Leistung.

Hat jemand von euch eine Idee, wo hier der Hase im Pfeffer liegt? Ist so ein Verhalten bei bestimmten Boogie-Revisionen bekannt? Eigentlich ist eine Impedanz Messung per LCR-Meter für mich immer verlässlich gewesen.
Danke euch schon mal!
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Helmholtz am 18.06.2026 22:12
Gibt es einen Schaltplan?
Ist das vielleicht einer dieser Klasse B Amps mit Kathodensteuerung, hoher Ub und niedriger Schirmgitterspannung?
Ist der AÜ original?

Ansonsten kann ich nur bestätigen, dass Raa = 4.4k die optimale Primärimpedanz für 2x 6L6/5881 mit Ub zwischen 400V und  500V ist.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 18.06.2026 22:36
Moin, ja, anbei der Schaltplan, der AÜ ist original!

Der Schaltplan ist nicht 100 % Konsistent, aber die relevanten Teile inkl. PI passen. Selbstverständlich habe ich vom Send den Kondensator vom Kathodenfolger abgelötet, um einfach auszuschließen, dass der die Wellenform so zerhackt.

Ich muss mich auch nochmal korrigieren, ich komme auch bei Fehlanpassung 16 Ohm an 8 Ohm Ausgang nicht auf 55 Watt sondern 26 Watt. Falschen Wert abgelesen, gerade nochmal 3fach gecheckt.

8-4 (8 Ohm Last an 16 Ohm Ausgang)
8-8 (8 Ohm Last an 8 Ohm Ausgang)
16-8 (16 Ohm Last an 8 Ohm Ausgang)

Auffällig ist, dass sich die Übernahmeverzerrung nach oben verschiebt, die liegt nicht im Center, das sollte trotz Fehlanpassung trotzdem der Fall sein.

Edit: Per. VRms ist ziemlich genau das, was auch dem mit Multimeter gemessenem RMS Wert entspricht.
Und die Messung hier ist bei 600 HZ, ich habe das ein wenig durch gesweept um zu schauen, ob das Frequenzabhängig ist. Macht keinen Unterscheid ob 600 oder 1KHz.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Helmholtz am 18.06.2026 22:49
Wie sehen denn die Gittersignale ohne NFB bei Vollaussteuerung mit 8 Ohm-Last aus?
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 18.06.2026 22:53
Das muss ich morgen nochmal in Ruhe checken. So wie es aussah, waren die absolut okay. Aber ich hatte die einzeln gemessen, nicht simultan, das sollte ich nachholen.
Ich hänge morgen auch einfach mal einen Brot und Butter AT dran. Der Amp hat knapp 460 Volt B+ und sollte locker auf 50 Watt kommen damit.

PI und Loop Röhre wurden selbstverständlich auch schon getauscht, bzw. auch gemessen mit Hickock 500, da ist der Fehler nicht zu finden.

Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 18.06.2026 23:01
Achso kleines Edit hinterher, die Messungen hier sind ohne NFB. Der Amp schaltet das im Disortion Kanal über RYFBa weg (Relais).
Da ist ein Fehler im Schaltplan - der Spitzfindige sieht den. Aber es ist sichergstellt, dass das NFB aus ist!
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 18.06.2026 23:31
Anbei die Gitter Signale...
Mhh das spricht jetzt Bände... Das mit dem Trafo kann ich mir wohl klemmen.
A ist deutlich kleiner als B.

Das NFB ist sicherheitshalber komplett abgehangen, Last 8 Ohm -> 8 Ohm Ausgang.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 19.06.2026 12:12
Ich habe mir die Gitterspannungen nochmal genau angesehen.

1.) Die PI Röhre hat doch einen Treffer, die arbeitet in dem System einfach nicht balanced. Wurde also getauscht, damit sehen die Gitterspannungen auch besser aus.
2.) Leistung hat er trotzdem nicht! Ihm fehlen quasi knapp 40 %
3.) AT gegen einen anderen getauscht (3600 Ohm statt 4400 Ohm) gleiches Problem!
4.) Unter Last bricht die B+ von ~455 Volt auf 400 V Herunter. Das halte ich aber nicht für sonderlich problematisch, andere Amps machen das auch.
5.) Schirmgitter ebenfalls gemessen, dort gibt es auch kein hervorstechendes Problem.

Derweil habe ich natürlich eine nigel nagel neue Röhre gehimmelt, die hat einen Schluss am Heizfaden zur Kathode bekommen... Bevor das Loch noch größer wird, Deckel drauf und gut.

Edit:
Getauscht hatte ich testweise auch:
- Koppel Cs
- Die 120pF Kondensatoren
- die Anodenwiderstände
Den Rest hatte ich mir erspart.

Alles fühlt sich auch so an, als ist der Amp auf Leistung, am Scope kommt die allerdings nicht an.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Helmholtz am 19.06.2026 13:20
Für Vollaussteuerung (ohne Clipping) braucht jede Endröhre ein Gittersignal von Vpp = 2x Vbias.
Also z.B. Vpp =100V mit Vbias = -50V.
Kann der PI das?
Was sind die Anodenspannungen des PI?
Und was ist die Spannung am Punkt "C"?
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 19.06.2026 16:18
Bias Spannung: -50 Volt

Aussteuerungsfähigkeit ohne Endstufenröhren:
- UC ca. 440 Volt
- 160Vpp pro Phase, eher 170Vpp.
 
Mit Endstufenröhren:
- UC ca. 400 Volt
- ca. 95 Vpp  und 100 Vpp kurz vor der Clipping Grenze, ich kann dann nur noch weiter in Gitterstrom fahren - was ja zu erwarten ist.
Unter Last, kurz vor der der Clipping Grenze (übrigens clippt der nur auf der negativen Halbwelle), schafft der Amp es auf  13.4 Volt RMS an 8 Ohm, also etwa 22 Watt.

Selbst wenn ich den Amp manuell in richtung 60 % Biase, dann habe ich gerademal einen Leistungszugewinn von ca. 5 Watt am Ausgang.

Für mein Verständnis verbrennt der Amp irgendwo Leistung, die nicht am Ausgang verbraucht wird.
Das Kuriose ist, dass er das auch mit einem vermeitlich anderen Trafo macht.

PS: Alles ohne Gegenkopplung!
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Helmholtz am 19.06.2026 17:18
Der PI sieht jetzt also gut aus.
Wenn der Amp tatsächlich irgendwo > 20W verbrät. müsste es dort lokal ziemlich heiß werden.
Kannst Du mal (mit gebotener Profi-Vorsicht) die DC Stromaufnahme bei Vollaussteuerung messen, also Amperemeter über dem geöffneten Standby-Schalter?
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 19.06.2026 17:36
Idle: 60mA
Clipping Grenze: 200mA
Vollaussteuerung: 227mA
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Helmholtz am 19.06.2026 23:15
M.M.n. sind 200mA (Clipping- Grenze) zu wenig für 50W clean.
Incl. Vorstufe würde ich mindestens 250mA erwarten.
Da scheint etwas die Endröhren zu bremsen.
Was sind denn die beiden Schirmgitterspannungen an den Röhrenpins bei der Clipping-Grenze?
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 20.06.2026 12:18
Hallo,

das kann ich nachher nochmal evaluieren, hatte ich im Verlauf schon ein paar mal gemacht, aber nicht weiter notiert.
Da man ja manchmal total Betriebsblind ist, habe ich gestern das gesamte Mess-Setup nochmal mit einem anderen Amp getestet und da gibts keine Probleme. 

Was ich auch nochmal genauer kontrollieren sollte sind Filterdrossel und die Ladeelkos davor. (Es ist nicht so, dass ich die Elkos nicht schon gecheckt habe)
Wenn die Impedanz beider unglücklich fällt oder der ESR zu hoch wird, kann ich mir vorstellen, hier vielleicht ein Problem zu finden.

Als Randnotiz: Der NT ist mit 250 mA angegeben. Ob diese Info stimmt weiß ich nicht, stammt von einer anderen Webseite...

lg
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 20.06.2026 17:05
Also die Schirmgitter sehen toll aus.

An der Clipping Grenze:
- USG 422 Volt
- SG1 410 Volt
- SG2 411 Volt
Der Amp hat 1K SG Widerstände, also ca: 11mA ~4,6 Watt pro Röhre

Auch Choke und Ladeelkos ist alles toll.

Ich denke, das Problem startet im PI. Es ist immernoch so, dass der lediglich unten clippt und oben erst deutlich später. Man sieht das auch an den Anoden, sobald die Endstufenröhren drin stecken. Ohne hat der PI mehr Luft.
Es wirkt fast so, als ist das ganze Signal nach unten verschoben - schwer zu beschreiben - aber auch die Übernahmeverzerrung bei sehr kalter Einstellung (um 30 %) ist weiter oben im Signal, nicht mittig.

Ich komme nicht dahinter. Wenn das per Design so sein soll, ist das ein totaler Fail. Der Amp hat 91k und 82k als Außenwiderstand im PI und das Routing ist  alles andere als... Gut. Das zweite PI Gitter grenzt im Routing  < 2mm am ersten Anodenwiderstands pad, wer weiß was da kapazitiv überspricht oder rüber leaked.

Jetzt mit Bias Mod komme ich auf ca 16.5 Volt RMS 8 Ohm bei 60% Verlustleistung - ca 34 Watt - aber das Signal sieht alles andere als toll aus. Ich schaffe es auf 50 Watt aber dann ist das Signal ein Rechteck mit ungleicher Periode und starker Übernahmeverzerrung. 
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Helmholtz am 20.06.2026 17:31
Was sind denn die DC Spannungen an den PI Anoden ohne Signal?
Waren die vorher berichteten max. Vpp Signale des PI sauber oder mit einseitigem Clipping?
M.a.W, kann der PI saubere und symmetrische 100Vpp Sinus mit Endröhren liefern?
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 20.06.2026 17:58
Mit neuer balancierter Röhre stimmen die im Schaltplan angegebenen Spannung. Die Anoden haben ca: 280V oben und 270V unten.
Diese Röhre verwende ich natürlich auch für alle Tests.

Die Anoden schaffen einen Swing von ca 170Vpp mit gezogenen Röhren - so richtig sauber bei ca. 150 Vpp.
Mit Röhren schaffen sie knapp 100 Vpp bevor Verzerrungen auftreten.

- Phase0.jpg und Phase180.jpg
  - Gelb Voltage Swing am Dummy
  - Blau Gittersignal an der Endstufenröhre

- Unloaded.jpg
sind die beiden Gittersignale der Endstufenröhren aber ohne, dass diese eingesetzt sind.

Ja das widerlegt wohl meine vorherige These. Wirft aber nur weitere Fragen auf.
Und ja, NFB existiert gerade garnicht.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Helmholtz am 20.06.2026 18:26
Alles prima mit dem PI.
Wenn man die Aussteuerung weiter erhöht, werden (nur) die positiven Halbwellen der PI Signale durch den Gitterstromeinsatz geklemmt und dadurch asymmetrisch.

Mit einer Ausgangsspannung von 17,5Veff ist die Leistung an 8R dann 38W.
Könnte es sein, dass die Endröhren etwas altersschwach sind und dadurch eine erhöhte Restspannung haben?
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 20.06.2026 18:30
Also ich habe gerade ein Problem gefunden!

Das ungleichmäßige Clipping liegt an schlechtem Ground der Endstufenkathoden über ein Käbelchen hin zur PI Sektion.
Diese habe ich jetzt testweise aufgelöst und von den Kathoden eine Direktverbindung zum GND des ersten Ladeelkos hergestellt. Jetzt clippt er oben und unten zumindest schonmal zeitgleich. Was für ein ... AHHHH... Wenns nicht für einen Freund wäre...

Dummerweise hat das an der Ausgangsleistung nichts geändert.
Die Endstufenröhren sind neu! Ich versuche jetzt so nochmal mehrere Sets und berichte.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 20.06.2026 21:16
Ok, das war jetzt noch einmal ein ganz anderes Level an Mesa/Boogie-Twirk: Der Amp läuft jetzt so wie er soll.

@Helmholz: Ja, ich hatte mich bei der letzten Messung vertan. Die Röhren waren nicht das neue Set, sondern ein bereits runtergespieltes. Also: ja, jetzt ist alles in Ordnung.

Ich muss das Ganze noch einmal sauber verifizieren, aber aktuell sieht es tatsächlich so aus, als sei der Ground-Point der Endstufenplatine (sagen wir mal) etwas ungünstig gewählt. Am liebsten würde ich gerade laut fluchen oder lachen, ich weiß es ehrlich gesagt selbst nicht so genau.

Nachdem ich den Ground an den Ladeelko verlegt habe, war das Clipping plötzlich symmetrisch - oben wie unten. Ich Trollo habe es zuerst gar nicht gesehen, weil die Stats auf meinem Scope genau darüber liegen.

Mit neuen Röhren komme ich jetzt auf gemessene 47 Watt RMS. Das sind dieselben Röhren, mit denen ich vorher nur auf knapp 30 Watt kam, bevor die untere Halbwelle geclippt hat. Es sah die ganze Zeit so aus, als wäre nach oben noch unendlich Luft, während unten das Signal bereits defekt war.

Irrsinnigerweise hatte ich den AC Offset an den Kathoden schon vor zwei Tagen gemessen. Auf dem Scope waren das irgendwas um 100 mV. Ich dachte noch: „Pfui, das hätte man besser machen können“, habe dem aber nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Rückblickend: ziemlich dumm von mir.

Der Anlass, den Ground dann doch umzulegen, war die Beobachtung, dass der PI ohne Endröhren deutlich mehr Aussteuerung geliefert hat als mit gesteckten Endröhren. Zwar war mit Röhren noch Aussteuerungsreserve vorhanden, aber das Clipping trat ab einem Pegel auf, bei dem es eigentlich noch weit weg von PSU-Kapazität, Anpassungsproblemen oder sonstigen klassischen Ursachen hätte sein sollen.

Wie gesagt: Selbst mit anderem Ausgangsübertrager mit 3,6k Raa und zwei nagelneuen EL34 war keine anständige Leistung zu holen.

Meine aktuelle These:

Der PI und vermutlich auch die Treiberstufe davor, also die Loop-Aufholstufe, an der ich den Generator eingespeist habe, teilen sich einen Ground, der offenbar nicht niederimpedant genug ist, um den Kathodenstrom der Endröhren sauber abzuführen. Unter Leistung führt das zu einem Lift dieses Bezugspunktes - und damit zu genau diesem asymmetrischen, früh einsetzenden Clipping.

Wie untermauere ich diese These jetzt sauber?

Eigentlich könnte es mir egal sein, weil der Amp jetzt läuft. Aber da draußen stehen zigtausend Rectifier, die alle auf ähnlichen Prinzipien basieren - natürlich in verschiedenen Revisionen - und eine ganze Bandbreite davon wird als „flat tire“ beschrieben. Genau daher hatte ich den Begriff überhaupt.

Ich bin selbst kein Rectifier Spieler, aber selbst ich weiß, dass man bestimmte Revisionen wohl eher meiden soll.

Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ein Dual Rectifier ungefähr den doppelten Kathodenstrom erzeugt und ein Triple Rectifier entsprechend noch mehr, dann bekommen manche Posts plötzlich einen ganz anderen Beigeschmack. Nach dem Motto: „Mein Triple Rectifier mit 6x 6L6GC macht gemessen keine 150 Watt, sondern nur knapp 102 Watt.“ Ähm … ja. (Das sind so posts aus dem Boogie Forum - nicht an den Haaren herbeigezogen).

Ich muss das jetzt erstmal verarbeiten und baue morgen alles noch einmal zurück bzw. gezielt um, damit die These ein sauberes Fundament bekommt.

Falls sich das bestätigt, könnte das für einige Techs durchaus interessant werden.
Und Randall Smith würde sagen: "We did this by accident but it sounded good and we put it to perfection".

In diesem Sinne, ich berichte noch einmal.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Helmholtz am 20.06.2026 22:12
Zitat
Mit neuen Röhren komme ich jetzt auf gemessene 47 Watt RMS.

Na, das ist doch ein schöner Erfolg.
War ein angenehmer Austausch.
Ich hätte noch eine Bitte: For the record (Erfahrungsnotizen), was sind denn jetzt bei 47W die DC-Aufnahme sowie die B+ und Vg2- Werte?
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Stahlröhre am 21.06.2026 01:39
...
Ich muss das Ganze noch einmal sauber verifizieren, aber aktuell sieht es tatsächlich so aus, als sei der Ground-Point der Endstufenplatine (sagen wir mal) etwas ungünstig gewählt. Am liebsten würde ich gerade laut fluchen oder lachen, ich weiß es ehrlich gesagt selbst nicht so genau.
...
Irrsinnigerweise hatte ich den AC Offset an den Kathoden schon vor zwei Tagen gemessen. Auf dem Scope waren das irgendwas um 100 mV. Ich dachte noch: „Pfui, das hätte man besser machen können“, habe dem aber nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Rückblickend: ziemlich dumm von mir.
...

Oder war vielleicht einfach nur die Verbindung madig und ist durch das erneute Löten wieder niederohmig geworden? Normal hängen die Kathoden ja direkt auf Masse und somit 0V, da es keine Messwiderstände im Kathodenpfad gibt. Ansonsten müsste der PI Massepunkt jetzt ja weiterhin noch hochohmig sein.


...
Eigentlich könnte es mir egal sein, weil der Amp jetzt läuft. Aber da draußen stehen zigtausend Rectifier, die alle auf ähnlichen Prinzipien basieren - natürlich in verschiedenen Revisionen - und eine ganze Bandbreite davon wird als „flat tire“ beschrieben. Genau daher hatte ich den Begriff überhaupt.

Ich bin selbst kein Rectifier Spieler, aber selbst ich weiß, dass man bestimmte Revisionen wohl eher meiden soll.

Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ein Dual Rectifier ungefähr den doppelten Kathodenstrom erzeugt und ein Triple Rectifier entsprechend noch mehr, dann bekommen manche Posts plötzlich einen ganz anderen Beigeschmack. Nach dem Motto: „Mein Triple Rectifier mit 6x 6L6GC macht gemessen keine 150 Watt, sondern nur knapp 102 Watt.“ Ähm … ja. (Das sind so posts aus dem Boogie Forum - nicht an den Haaren herbeigezogen).
...

Nun der Rectifiersound ist eigen und polarisiert. Das Bassverhalten ist von Haus aus nicht tight, dass muss man mögen. Was die Revisionen betrifft gibt es schon teils Unterschiede, wobei das Thema meiner Meinung nach aber auch deutlich aufgeblasen wird. Die Grundschaltung (zumindest des roten Kanals im Modern Mode) hat sich nur unwesentlich seit 1992 geändert.

Ich hatte Anfang des Jahrens bei meinem Dual Rectifier die Röhren gewechselt und die Leistung gemessen und es waren etwas über 80 W an Ausgangsleistung. Vorher mit über zehn Jahre alten Endröhren waren es nur noch um die 65-67 W. Gerade bei Mesa Amps habe ich das Gefühl, dass da aufgrund der ganzen festen Bias Geschichte und den doch teuren Mesa eigenen Röhren öfters mal auf einen eigentlich nötigen Tausch verzichtet wird. Zumindest habe ich über die Jahre schon öfters Mesas gesehen, die auch nach Jahrzehnten immer noch die Werksbestückung drinn hatten. Bedeutet natürlich nicht zwingend, dass die dann auch ausgelutscht sein müssen aber zumindest erkläre ich mir so deratige Forenposts.
Auch muss man beachten welche Poweramp modes gewählt sind (hat der Single nicht). D.h. Röhren- oder Halbleitergleichrichter und Spongy- oder Boldpower. Durch den Röhrengleichrichter sinkt die Anodenspannung um die 30 bis 35V und Spongy senkt generell alle Spannungen im Verstärker.

Meinen Triple Rectifier hatte ich auch mal gemessen und der schaft zumindest deutlich mehr als die genannten 102 Watt. Ich meine es waren irgendwas um die 130-135 Watt. Leider ist mein Triple ein Import mit 120V und der Vorschalttrafo ist etwas zu klein und schaft dann irgendwann nicht mehr ganz die 120 Volt. Wenn ich mich recht entsinne war der RAA je Paar aber auch nicht gleich. Der Dual hatte um die 4 kOhm und der Triple eher was um die 5 kOhm. Alleine dadurch verliert der Dualt etwa 5 Watt je Paar gegenüber dem Triple.

Wenn es von interesse ist kann ich in der kommenden Woche mal bei beiden die Ausgangsleistung messen.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Stahlröhre am 21.06.2026 01:47
Doppelpost - kann weg.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Helmholtz am 21.06.2026 16:13
 
Zitat
Der Dual hatte um die 4 kOhm und der Triple eher was um die 5 kOhm. Alleine dadurch verliert der Dualt etwa 5 Watt je Paar gegenüber dem Triple.

Üblicherweise sinkt die Ausgangsleistung, wenn man die Lastimpedanz vergrößert.

Aus der Leistungsformel P = Ueff²/R folgt für die unverzerrte Sinusleistung:
P = 2* (Ua, max - Ua, min)²/Raa
 (Ua, max - Ua, min) ist der Anodenspannungshub.
Ua, min bei Vollaussteuerung ist die Anodenrestspannung.

Solange sich also die Anodenrestspannung (manchmal auch Sättigungsspannung genannt) nicht wesentlich ändert, sinkt die erzielbare Leistung mit Erhöhung von Raa.

Mit diesem Calculator: https://www.vtadiy.com/loadline-calculators/power-stage-calculator/
lassen sich sowohl die Ausgangsleistung als auch die Anodenrestspannung ermitteln.
Für Versorgungsspannung und Schirmgitterspannung sind die Werte unter Last einzusetzen.
Die Leistungsergebnisse von Formel und Calculator sind identisch.
Da der AÜ typischerweise 5% bis 10% der Leistung für sich behält, sind die Messwerte am Amp entsprechend geringer.
 

Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 21.06.2026 16:16
Moin,

@Helmholz ja das war sehr hilfreich - vielen Dank nochmal, ab und zu hilft es wirklich mal ein zweites Hirn mit einzubringen!
Alle Werte gemessen an der Clipping Grenze be ca. 49 Watt, ganz leicht im clipping.

B+:     412 Volt
UScr:   410 Volt
UScr1:  400 Volt (1KOhm -> 4 Watt)
UScr2:  400 Volt (1KOhm -> 4 Watt)
DC Cur: 239 mA ~98 Watt incl. Preamp

@Stahlröhre
- Der PI selbst bzw. auch der Rest, der über den GND dort angebunden ist, scheint selbst keinen signifikanten Stromfluß zu Stande zu bringen.
- Der Offset in Spannung kam ausschließlich unter Last zu Stande, also durch die Ableitung des Kathodenstroms über genau diesen Pfad.

Es geht nicht darum, dass alle oder bestimmte Revisionen ein Routingproblem hätten! Es kann genauso ein Defekt an der Platine durch Unterätzung oder sonstiges dafür verantwortlich sein und am Ende nur auf dieses Exemplar zutreffen.

Fakt ist und ich habe es gerade nochmal getestet, wenn der GND wie im original vorgesehen angebunden ist, dann hat der Amp eine starke Asymmetrie schon ab PI, die sich unweigerlich auf den Ausgang reflektiert. Ich kann diese Asymmetrie an der Loop-Aufholstufe nicht nachweisen.
Ich hatte die PI Röhre auf meinem Röhrenmeßgerät sogar auf Gleichheit getestet und mit anderen ballanced Röhren verglichen. Auch hier hätte ich sofort stutzig werden sollen. Verunsichert hatte mich dann aber der 82K / 91K Widerstandsverbund, was nicht so hypertypisch ist und ggf. auch eine gewollte Asymmetrie hätte sein können.

- Die AC Offsetspannung an den Endstufen Kathoden liegt bei ca 110mVpp - Amp an der Leistungsgrenze gefahren selbstverständlich.
- Sobald ein niederimpedanter Pfad direkt zum ersten Ladeelko angebunden ist, steht dort im Grunde nichts
 
Ob der Offset selbst das Problem ist oder sich die AC Spannung in die Grids des PI oder Loops einspeist ist offen.
Hierfür bräuchte es nochmal einen größeren Testaufbau mit Differenzmessung Soll / Ist. Das werde ich mir aber am Ende vermutlich nicht antun.

Final sollte man auch beachten, dass die Sampleweite mit einem Amp nicht sonderlich belastungsfähig ist! Selbst wenn am Ende herauskommt, dass das Routing schlecht ist, Traces zu dünn sind, oder was auch immer das Problem verursacht, müsste das an weiteren Amps verifiziert werden.

Eine Leistungsmessung an einem anderen Rectifier kann hilfreich sein, muss es aber nicht. Man müsste eben auch die technischen Bedingungen für dieses Gerät nachvollziehen. Idealerweise auch die gleichen Röhren inkl. PI verwenden. Wenn jetzt natürlich bei einem 100Watter herauskommt, dass er es nur auf 50 bis 70 Watt schafft, dann interessiert mich nur, wie hoch die AC Spannung an den Endstufen-Kathoden ist und ob die Kiste asymmetrisch clippt.

Glaube ich an einen Pattern fehler?
- Nein!
Habe ich schon alles gesehen?
- Dachte ich...

LG Geronimo
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Stahlröhre am 21.06.2026 17:06

Üblicherweise sinkt die Ausgangsleistung, wenn man die Lastimpedanz vergrößert.
...

Ja wenn die Kennlinie im oder unter dem Knie verläuft. Bei den Spannungen im Rectifier verläuft die Lastgerade mit 4 kOhm aber deutlich oberhalb des Knies. Mit dem verlinkten Tool hatte ich die Kennlinie auch berechnet. Durch die 5 kOhm halbiert sich die Anodenrestspannung nahezu während der maximale Strom von 290 auf 270 mA nur unwesentlich abfällt. Resultat sind etwa 4 Watt mehr je Pärchen.

@Geronimo Mit der 82K/91K Kombi ist die Symmetrie (zumindest rechnerisch) besser als mit der üblichen 82K/100k Konfig. 91 kOhm ist aber nicht Teil der standardmäßigen E12 Reihe und weniger üblich. Wohl desshalb sieht man bei den meisten Verstärkern an der Stelle 100k.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Helmholtz am 21.06.2026 18:15
Ja wenn die Kennlinie im oder unter dem Knie verläuft. Bei den Spannungen im Rectifier verläuft die Lastgerade mit 4 kOhm aber deutlich oberhalb des Knies. Mit dem verlinkten Tool hatte ich die Kennlinie auch berechnet. Durch die 5 kOhm halbiert sich die Anodenrestspannung nahezu während der maximale Strom von 290 auf 270 mA nur unwesentlich abfällt. Resultat sind etwa 4 Watt mehr je Pärchen.

Alles klar, danke für die Antwort.
Ja, oberhalb des Knies steigt die Restspannung stark und die Abhängigkeit vom Raa kann sich umkehren.
Ich war von den Spannungswerten bei Geronimos Amp ausgegangen.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Helmholtz am 21.06.2026 18:57
Alle Werte gemessen an der Clipping Grenze be ca. 49 Watt, ganz leicht im clipping.
B+:     412 Volt
UScr:   410 Volt
UScr1:  400 Volt (1KOhm -> 4 Watt)
UScr2:  400 Volt (1KOhm -> 4 Watt)
DC Cur: 239 mA ~98 Watt incl. Preamp

Danke dafür!
Die Stromaufnahme zu kennen, ist für die Dimensionierung/Auswahl eines neuen NT sehr nützlich.
Übrigens, da die EL34 einen wesentlich höheren Schirmgitterstrom als die 6L6 hat, ist die Stromaufnahme bei einem 50W Amp um etwa 50mA höher.
So gesehen hat die 6L6 also einen besseren Wirkungsgrad als die EL34.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 21.06.2026 20:57
Danke für den Hinweis. Ist bekannt.
Ich habe jetzt bei dem Bias Mod eh erstmal nur Focus auf die 6L6GC gelegt.
Der Amp hat hinten einen Umschalter von eigentlich -51 auf -38 Volt oder so, das habe ich jetzt noch nicht sonderlich "gut" gelöst, was aber auch ein wenig damit zu tun hat, dass es so minimal ivasiv wie mölglich sein sollte. Also keine Löcher bohren, etc.

Wenn das wirklich mein Amp werden sollte, dann würde ich eventuell eine kleine Platine mit 2 Trimmern anfertigen und das sauber montieren. Mir persönlich ist aber auch schnuppe ob nun 6L6 oder EL34. Bei einem SE Amp macht das mitunter deutlich Unterschiede, in fast allen AB Amps die ich besitze und so wie ich sie benutze, ist der Unterscheid eher im Kopf und im Heizstrom.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Stahlröhre am 21.06.2026 21:03
Du könntest das Mix Poti vom Loop rauswerfen und dort einen Trimmer einbauen. Den Loop würde ich grundsätzlich bei den Teilen immer auf seriell umbauen.
Titel: Re: Mesa Single Rectifier 50 - Series 2
Beitrag von: Showitevent am 21.06.2026 21:07
Du könntest das Mix Poti vom Loop rauswerfen und dort einen Trimmer einbauen. Den Loop würde ich grundsätzlich bei den Teilen immer auf seriell umbauen.

Ja das ist auch alles bekannt. Habe ich in der Vergangenheit bei Tremoverbs und co. gemacht, die nicht mir gehörten.
Ich selbst benutze den Loop nichtmal. Ich bin ein totaler Purist. Gitarre rein, ab in die Box. Ich nutze auch keine Pedale.