Klassische Nullung heißt ja nur, dass der Neutralleiter (meistens der mit der blauen Farbe) und der Schutzleiter (meistens gelb-grün) an der Steckdose oder Lampe verbunden sind.
Wenn alle Klemmstellen OK sind, ist das so auch kein Problem ... das entsteht aber massiv, wenn der blaue Draht zur Steckdose locker wird oder gar bricht. Damit ist dann nämlich auch der Schutzleiter unterbrochen. Da aber durch die Brücke in der Steckdose N und PE immer noch verbunden sind und das eingeschaltete Gerät L und N über seinen Widerstand verbindet, liegt auch das vermeintlich schutzgeerdete Gehäuse (teilweise) an L. Teilweise, da bei schlechten Klemmstellen und Übergangswiderständen noch nicht das volle Potential anliegt, sondern nur der Teil, der durch den Spannungsteiler aus Gerätewiderstand und diesen Übergangswiderständen entsteht.
Besonders hässlich wird das, wenn der blaue Draht komplett unterbrochen ist ... dann geht das Gerät nämlich aus, es wirkt vielleicht stromlos, aber das Gehäuse steht unter voller Netzspannung. Blöd, wenn Du es in dem Zustand anfassen willst, zum Beispiel um den Schalter zu betätigen.
Kurz: Schon mit einem Erstfehler kann diese Sache lebensgefährlich werden.
Anders bei modernen Installationen, da wird der PEN früh (z.B. direkt im Verteilerkasten nach dem Zähler) in PE und N getrennt und strikt separat geführt. Bricht einer der beiden, liegt immer noch keine gefährliche Spannung am Gehäuse an, zumindest nicht, wenn das Gerät selbst intakt ist.
Kurz: Da braucht es mindestens zwei Fehler, bevor es lebensgefährlich wird.
Es hat schon einen Grund, warum die Klassische Nullung seit rund 50 Jahren nicht mehr neu eingebaut werden darf. Siehe auch
https://www.youtube.com/watch?v=oYgCFMMnU7o.