Technik > Tech-Talk Fender

Tweed-Champ - blocking distortion?

(1/12) > >>

Bierschinken:
Hallo,

ich habe in meinem Testaufbau eines Tweed-Champ eine ganz fürchterliche Verzerrung.

Mit einem stärkeren Humbucker (SH-4) und einer hohen Volumestellung (ausgemessen ab 250k/750k bei einem 1M log Poti; ca 16Uhr) Tritt das "Problem" auf.
Der Anschlag verschwimmt, es klingt als würde sich der Amp förmlich verschlucken, zudem der Klang wird irgendwie fuzzig, Rasierapparat-ähnlich.

Da ich diesbezüglich keine Erfahrungen habe, sind das Gitterblockaden?

Wenn ja, wie genau entstehen diese?
Ich habe das so verstanden, dass das Signal so groß ist, dass über das Gitter ein Strom fliesst und der zu Verzerrungen führt.
Wieso aber geschieht das?

Grüße,
Swen

El Martin:
Moin, Swen!

Randall Aiken hat ein Aufsätzchen dazu afaik.

Ciao
Martin

Kpt.Maritim:
Hallo

Guckt mal in das PDF im Anhang, dort ist das Kennlinienfeld der 6V6 mit einem Arbeitspunkt und zwei RaL zu sehen. Blei ist die 0V Ug eingezeichnet. Immer wenn die Ug postiver als diese wird, setzt Gitterstrom und damit eventuell Blocking Distortion ein. Jetzt sieht man eine grüne und eine rote Lastgerade. Die rote entspricht einem kleinen RaL als die grüne. Bei der grünen kann es kaum zu Blocking Distortion kommen. Die weitere Durchsteuerung hat nämlich wegen des Kennlinienknicks keinen Einfluss mehr auf die Röhre bei der roten geraden ist das anders, hier kann massiv in den Gitterstrombereich hineingesteuert werden. da Trioden dieser Knick fehlt, sind sie auch empfinldicher, was es Blocking Distortion angeht.

Setzt nun der Giterstrom ein, dann muss der Treiber den lieferen, gleichzeitig verschiebt sich über den Spannungsabfall am Rg der Arbeistpunkt. Dadurch muss das Koppel-C des Treibers umgeladen werden. Sind Koppel-C und Rg des Endrohrs zu groß, dann hat man eine zu große Zeitkonstante. das führt a) zu einer matschigen Verzerrung, weil die Röhre zuviel Zeit brucht um ihren Arbeitspunkt zu verschieben bwz. zurück in den Klasse-A Avbeitspunkt zu gehen und b) zu Nadeln auf den gekappten Halbwellen. Diese machen das schöne Blocking Distortion Geräusch, das dem Braten eines Spiegeleis nicht unähnlich klingt.

Koppel-C und Rg der Endröhre zu verkleinern hilft schon etwas, reicht aber nicht immer. Ich denke das Diagramm zeigt schön, dass man auch mal über eine Vergrößerung des RaL nachdenken kann um nicht so weit in das Gitterstromgebiet zu steuern. Noch besser wäre es natürlich, wenn man Koppel-C und Rg als Übeltäter einfach vermeidet. das geht durch Zwischenübertrager, oder direkte Koppelung. Zu letzterem ist ein Schaltungsbeispiel im Anhang.

Viele Grüße
Martin  

Bierschinken:
Hallo Jungs!

Martin, dank dir für die ausführliche Beschreibung!


--- Zitat ---Die weitere Durchsteuerung hat nämlich wegen des Kennlinienknicks keinen Einfluss mehr auf die Röhre bei der roten geraden ist das anders, hier kann massiv in den Gitterstrombereich hineingesteuert werden. da Trioden dieser Knick fehlt, sind sie auch empfinldicher, was es Blocking Distortion angeht.
--- Ende Zitat ---
Das ist interessant, denn es ist nicht die 6V6, die bei mir Probleme macht, sondern das 2te System der ECC83.
Ich habe mal versucht den Koppel-C zu verkleinern, da die Zeitonstante mit 22n und 1M Poti wirklich groß ist. Aber selbt bei einem 2,2n Kondensator bleibt das Problem bestehen.

Dann sehe ich das richtig, dass die Röhre einfach zu stark ausgesteuert wird und sich somit das Problem nur (durch simple Maßnahmen) beseitigen lässt, indem ich den Pegel verringere?

Grüße,
Swen

Kpt.Maritim:
Hallo

Blocking Distortion bei Trioden ist wirklich gemein, weil mand en Ra so hoch machen kann wie man will, man kann immer in den positiven Bereich steuern.

Ich denke mal, du spielst eine Klampfe, die viel Pegel rauswirft, und darum die zweite Stufe übersteuern kann. Also nicht gerade eine Tele oder eine Strat. Du könntest mehreres machen:

Ck rausmschmeißen, falls an dieser Stufe überaupt vorhanden im originalen Champ setzt hier nämlich am ganzen Rk die Gegenkopplung an. Du könntest auch die Gegenkopplung straffen, also den Gegenkopplungswiderstand verkleiner. Mit einem Trimmer kan man das schön einstellen. Oder du drehst einfach mal das Gitarrenpoti etwas zurück.

Viele Grüße
Martin

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

Zur normalen Ansicht wechseln