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Ampeg v4 mit Schwingneigung

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tubeampgrufti:
Hallo Forumsgemeinde

Ich habe ein Problem mit einem Ampeg v4 aus den Siebzigern. Der Amp wurde vor etwa 2 Jahren von der USA in die CH importiert und hat da einen neuen Trafo für 230 Volt erhalten. Der Amp ist aber nie richtig gelaufen und daher hat er den Weg in meine Werkstatt gefunden. Vieles musste in der Vor- und Endstufe repariert und geändert werden (zB. BIAS von 60 Hz auf 50 Hz umgebaut, weil kapazitiver Spannungsteiler). Alle Spannungen sind etwa 10 Prozent über den Schemawerten, sollte aber gerade noch gehen ausser der Heizung, die  habe ich mit einem Vorwiderstand von 6,9 auf 6,3 Volt heruntergeholt.
Als letztes Problem bleibt, dass der Verstärker bei hoher Aussteuerung "knallt". Auf dem KO sieht man wie die negative Halbwelle einer Sinusschwingung "ausreisst". Im Schema sind die Gitterwiderstände der vier 7027A mit 47 kOhm angegeben und auch so bestückt. Weil alle Beruhigungsmassnahmen (spielen mit der Gegenkopplung, neue Siebelkos usw) keine Besserung brachten, habe ich mal die Gitterwiderstände (Gridstopper) auf übliche 4k7 reduziert und siehe da, der Amp läuft völlig stabil mit tollem Sound!
Meine Fragen nun: Warum könnte in diesem Amp der Widerstandswert 10 Mal grösser vorgesehen sein als üblich? Was könnte passieren, wenn ich die Werte definitiv von 47 k auf übliche 4k7 herunter nehme? Zudem fragt mein Kunde: Kann man den Amp auch mit 6L6GC oder 5881WXT betreiben? (weil besser erhältlich). Natürlich mit BIAS-Anpassung. Spricht da was dagegen? Anodenspannung etwa 550 Volt

Danke zum Voraus für eure Tipps!
Gruss aus der CH

darkbluemurder:
Hallo,

Kevin O'Connor schreibt in seinem Buch über die 7027, dass sie einen sehr linearen Frequenzgang bis weit in den Außenhörbereich hat. Ampeg wollte das offenbar mit den recht großen Gitterstoppern in den Griff bekommen. Da die Gegenkopplung in dem Amp aber über drei Stufen geht, sind Probleme hinsichtlich Phasenverschiebungen vorprogrammiert. Ich kann mir Dein Phänomen nur dadurch erklären, dass mit den geringeren Gitter-Widerständen die Gegenkopplung stabiler geworden ist, weil sich die Phasenlage der Gegenkopplung zu Deinen Gunsten geändert hat. In dem Buch von ValveWizard steht zur Gegenkopplung einiges drin.

550V sind für 6L6GC oder 5881 gerade an der Grenze. Ampeg selbst ist ja von den 7027 auf die 6550 umgestiegen, aber die brauchen viel mehr Heizstrom (1,5A gegenüber 0,9A). Bei 4 Röhren sind das 6A gegenüber 3,6A - ob das der Netztrafo schafft, bezweifle ich mal. Außerdem glaube ich kaum, dass die 6550 die 535V Schirmgitterspannung mögen werden. Du hast also die folgenden Optionen:

1. 6L6GC oder 5881 verwenden (Pinbelegung ändern) und schauen, ob sie es auf Dauer verkraften - entsprechenden Risikohinweis an den Kunden geben.
2. wie 1. und die B+ etwas runterbringen.
3. da es ein Kundenamp ist, würde ich die JJ 7027 nehmen. Die müsste gut erhältlich sein.

Viele Grüße
Stephan

tubeampgrufti:
Danke Stefan!

Die Pinbelegung ist bereits auf 6L6/5881 und 7027A universell ausgelegt worden. Hat scheinbar die letzte Werkstatt schon gemacht.
Das Problem des Kunden ist, dass er für seine anderen Amps bereist 6L6 und EL34 auf Reserve hat und nicht noch ein 7027er Lager anlegen möchte.

Frage: EL34 wäre doch für höhere Spannungen geeignet. PIN1 und 8 verbinden und BIAS von ca. -60 auf ca. -32 Volt reduzieren (ca. 30mA Ib bei 550V an A). Gibt wohl Impedanzprobleme mit Aü, oder? Müsste wohl min. die GK angepasst werden? Was würde wohl der Sound machen?


Die 4k7 Gitterstopper anstelle der 47 k lasse ich mal so. Kann ja nichts passieren ausser allenfalls Soundveränderungen! Da der Amp aber in der CH noch nie richtig funktioniert hat, gibts ja auch keinen Vergleich.

Dank und Gruss

es345 (†):
Hi

laut Schaltplan beträgt die Versorgungsspannung vor dem G2 Gitterwiderstand R36/R37 589V.
Das G2 der EL34 wird das nicht lange überleben, es ist für max 400V spezifiziert.

Gruß Hans- Georg

tubeampgrufti:
Danke Hans-Georg!
Für mich aber auch bei 6L6, 5881 und 7027A ein Problem. Je nach Datenblatt und Hersteller sind auch bei diesen Röhren über 500 Volt am G2 eine Ueberforderung und trotzdem halten die Tuben ganz schön lange (meistens wenigstens).
Uebrigens den "Umbau" von 7027A auf 6L6GC hat der Kunde bei dem letzten Werkstattbesuch machen lassen, weil er in einem einschlägigen Forum (muss aber nicht TT gewesen sein) diesen Tipp bekommen hat. In meine Werkstatt kommen oft solche "Umbauten" mit denen umzugehen ist oft schwierig, weil die Argumente nicht immer nachzuvollziehen sind. Auf einen Umbau auf EL34 werde ich nun wohl eher verzichten. Ich bin nur auf die Idee gekommen, weil Dirk ja mal eine Tabelle mit "austauschbaren Röhren mit den Randbedingungen" publiziert hat. Dabei fehlt allerding der Tausch von 7027A auf andere Oktale. Scheint also nicht empfehlenswert zu sein! :(


@ Stephan: Entschuldige das "f" in deinem Namen bei meiner letzten Antwort!

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