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Blues Deluxe (1995) - Reparatur oder PTP-Umbau auf AB763 Clone?

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Kurt:
Hallo Meikel,

ah ja. Aber man verbrät doch mti den zwei Widerstädnen dabei einen Gutteil der Amp-Leistung, er verliert an Lautstärke, oder?

Solche Kondensatoren parallel zu den Dioden in einer Brücke sieht man häufiger, z.B. im Netzteil vom Blues Deluxe/Deville Reissue. Wofür sind diese Kondensatoren gedacht?

Außerdem findet man auch in neueren Amps wieder Lade- und den ersten Siebelko als 2er-Pack in Serie angeordnet, mit parallel dazu liegenden, symmetrierenden Widerständen, also z.B. 2 x 100µ/350V Ladeelko in Serie, parallel dazu je 1 Widerstand 220k/0,5W, so beim Blues Deville Reissue. Der Blues Deluxe Reissue dagegen verwendet einfach einen 47µF/500V Ladeelko, ohne (Bleeder-)Widerstand parallel dazu.
Bei den alten BF-Fenders dachte ich, das läge an den damals noch wenig verfügbaren und teuren hochspannungsfesten Elkos - aber heute? Weiß jemand, warum man Lade- und Siebelkos wie beschrieben im Serienpack aufbaut?

Gruß
Kurt

Kurt:
So, zweiter Teil. Der Frosch ist nämlich vorhin ins Wasser gehüpft, sozusagen.

Nach Lieferung der letzten Nachbestellung bei Dirk und zuletzt zwei Abenden Lötarbeit ist der Amp erstmal fertig zusammengebaut. Beim abschließenden Verdrahten fiel mir auf, dass eine Verbindung in meinem Layoutplan fehlt: Von Spannung "C" zur Anode der Phaseninverterröhre! Vielleicht doch nicht ganz unwichtig.

Schließlich alles nochmal kontrolliert, Chassis ins Gehäuse geschraubt, Chicken Heads auf die Potis montiert. Röhren rein. Speaker und Hallspirale angesteckt.

Netzstecker rein. Alle Potis auf Null.

Mein erster selbstgebauter Amp. Schluck.   :-\

Main Power an (Standby war noch aus).
Alles ruhig. Röhren fangen an zu glühen. Dann stimmt wenigstens schon mal ein Teil der Verdrahtung.
Wechselspannung im Heizkreis und Biaskreis gemessen. Werte passen. Biasspannung, besser: Schirmgitterspannung gemessen, sie ist mit dem Bias-Poti zwischen -43,3 und -54,5 V einstellbar, sollte passen.

Standby an.
Alles ruhig. Kein Brummen. Potis langsam aufgedreht, erst Volume, dann Tone Stack, Master. Alles ruhig.
Dann den Reverb aufgedreht. Kein Pfeifen, Rückkopplung, Brummen oder sowas. Alles ruhig.
Geht der Amp überhaupt?

Also die Gitarre geholt alle Potis auf Null und dann eingestöpselt. Langsam aufgedreht, ah, da kommt was! Klingt sauber, aber leise. Leiser als der Blues Deluxe vorher! Sollte die ganze Mühe umsonst gewesen sein?   ???

Nach wenigen Augenblicken hab ich's raus: das Masterpoti, das ich zuletzt bei Bernd Brieskorn abgekuckt und noch eingebaut habe, ist sehr wirksam. Man muss es schon zu zwei Drittel aufdrehen, damit man die Mordslautstärke eines 40W-Röhrenamps erfährt. Umgekehrt kann man mit dem Master aber sehr schön die Endlautstärke auf Übungsraumniveau runterdrehen. Prima, so hatte ich mir das vorgestellt.  :)

Der Tone-Stack funzt auch, wie üblich ist der Treble-Regler der wirksamste. Der Bright-Switch bzw. der 120 pF-Kondensator hat auch eine ungeheure Wirkung, gut dass ich ihn schaltbar gemacht habe (nur weil ich den quadratischen Mini-Schalter vom BD weiterverwenden wollte, weil er so schön in die Frontplatte passt, habe ich eine kleine Platine eingebaut (siehe Bilder unten). Ist eigentlich ein Sakrileg in einem PTP-Amp, vielleicht fliegt die Platine auch wieder raus und es kommt ein kleiner Kippschalter rein).

Dann den Reverb ausprobiert. Langsam aufgedreht, ah! Feiner Röhrenhall. Will aber sparsam dosiert werden. Im Vollanschlag - klappt auf Anhieb, kein Pfeifen oder Brummen! - klingt er halt wie wenn der Amp in einem überdimensioniertem Ofenrohr stünde.

Der Amp läßt sich gut an, schöner perliger, glasklarer Clean-Sound.  :guitar:  Und keine Störgeräusche!

Meikel Meyer und auch Bernd Brieskorn sei hier nochmal mein Dank und meine Hochachtung ausgesprochen!  :danke:  Für die Schaltpläne, das Layout und überhaupt ihre ganze sehr brauchbare und motivierende Dokumentation ihrer Projekte.  :topjob:  Ich bin kein Elektrotechniker und hab nur eine einfache Werkbank, einen Lötkolben und ein Multimeter. Keinen Signalgenerator und kein Oszi. Doch mit guten - Meikels und Bernds - Vorlagen, Bildern und Plänen kriegt man so ein Projekt auch so hin.  :bier:

ABER: Dann hab ich doch noch ein paar deutliche Mankos festgestellt, an denen noch gefeilt werden muss.
Richtig clean bleibt der Amp nur bis Volume 4 (das war beim BD auch schon so. Zufall?). Jedoch setzt dann - bei kräftigem Akkordspiel mit Einbeziehung der Basssaiten, also wenn der Amp plötzlich Leistung bringen muss umso eher und stärker - Verzerrung ein. Allerdings keine gleichmäßig weich beginnende, schöne Röhrenzerre, sondern übles Gebratzel! Mist!

Ich sehe mit meinen mehr als bescheidenen Kenntnissen zwei mögliche Ursachen (oder gibts noch mehr? Helft mir bitte auf die Sprünge):   :help:
- der Netztrafo passt mit seinem Arbeitspunkt/Leistungsverhalten nicht zur Blackface-Schaltung. Ich brauche doch einen anderen Trafo.
- die Trafo-Anschlüsse, die ich zwecks Rückbaubarkeit auf den Blues Deluxe nicht mit dem Netzteil verlötet sondern nur über behelfsmäßige Steckverbinder angeschlossen habe (um von den Original-Netztrafo-Kabeln die Flachstecker nicht abschneiden zu müssen), übertragen bei den Lastanstiegen nicht genügend Strom.

Ausserdem ist irgendwo im Amp noch eine leicht mikrofonische Stelle. Eine Röhre? hab ich auf die Schnelle nicht festgestellt. Muss ich nochmal genauer schauen.

Fürs erste aber ein voller Erfolg für mich.   8)

Gruß
Kurt

Athlord:
Moin Kurt,
das liest sich ja sehr gut.
Allerdings ist mir beim betrachten der Bilder aufgefallen,
das die Lötstellen an den Turrets teilweise nicht verlaufen sind bzw. kalt aussehen.
Was für einen Lötkolben verwendest Du?
Da solltest Du unbedingt nochmals drüber schauen.
Cheers
Jürgen

Volka:
Hallo Kurt,

Guter Tip von Jürgen! Auf Bild 3599 sehen die "Lötstellen" eher angeheftet bzw geklebt aus...
Wenn dann die Lautstärke (Combo: Vibrationen vom Lautsprecher) dazu kommt kann es gemeine Töne geben  :devil:

Schau dir mal ein paar Boards hier in der Galerie an, besonders die mit Turrets. Da sieht man sehr gut wie eine Lötstelle sein sollte...

Viel Erfolg und Gruß,

Volka

Meikel:
Hallo Kurt,


--- Zitat von: Kurt am 17.01.2014 01:50 ---
 Wofür sind diese Kondensatoren gedacht?


--- Ende Zitat ---

zuerst einmal Glückwunsch zum Amp!  :topjob:

Die Kondensatoren verhindern salopp geschrieben u.U. aufkommende Schwingungen und somit Störungen, denn die Gleichrichterdioden arbeiten sehr schnell. Lies hier:

http://www.mikrocontroller.net/topic/148826#1391026


--- Zitat von: Kurt am 17.01.2014 01:50 ---
 Weiß jemand, warum man Lade- und Siebelkos wie beschrieben im Serienpack aufbaut?


--- Ende Zitat ---

Zunächst einmal kannst Du mit der Reihenschaltung der C's tatsächlich welche nehmen, die eine geringere Spannungsfestigkeit haben. Und anstelle eines 25uF-Elkos mit 450 Volt schaltest Du eben zwer 47uF-Elkos mit geringerer Spannungsfestigkeit in Reihe und hast auch die ungefähren (!) 25 uF. Nun kommen die Widerstände ins Spiel. Sie symmetrieren* - so sie gleichgroß sind - aufgrund ihrer Spannungsabfälle die an den Elkos stehenden Spannungen zum einen. Und zum anderen dienen sie gleichzeitig zum Entladen bei Abschaltung des Netzteiles. Zwar fliesst durch sie ständig ein Querstrom, den das Netzteil mit liefern muss, aber der ist ziemlich gering - da müssen keine Kokelwiderstände rein.

*Theoretisch! Denn die Elkos haben ja auch einen "Blindwiderstand", der sich abhängig von ihrer Aufladung ändert und nur im Idealfall unendlich gross ist.

Zum Brazzeln, was Du beschreibst: Aus der Ferne schwer zu deuten, aber bis Du sicher, dass die Endstufe nicht schwingt? Hast Du die Anschlüsse des Ausgangsübertragers richtig herum angeschlossen, so dass die Gegenkopplung auch wirklich als solche funktioniert und Du nicht gar eine Mitkopplung draus gemacht hast? Bei manchem Amps würde man zwar ein "Falschrum" sofort erkennen, weil der Amp sofort übel pfeift oder heult, aber ich habe es schon selbst leidvoll erlebt, dass ein falsch herum angeschlossener Übertrager erst dann begann, den Amp mit einem auch noch mehr oder weniger unhörbaren (!) Schwingen zu verseuchen, als er weiter aufgedreht wurde. Bei relativ leiser Wiedergabe schien alles ok!

Gruß Michael

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