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Fender Blues Junior Mod

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Nigel:

--- Zitat von: paululus am 13.02.2015 14:53 ---So hab jetzt endlich die Orange Drops drin. Passt alles wunderbar. Nur durch das viele hin und her löten, ist mir die Kupferbahn von einer Lötöse weggerissen. Ich hab einfach die Verbindungen auf der Platine durch zwei Litzen ersetzt. Funktioniert soweit wunderbar. Oder gibts da ne andere Möglichkeit das zu reparieren?

--- Ende Zitat ---

Der Trick ist, die Bauteile mit einer kleinen Lötspitze, bei nicht allzu hoher Temperatur von 350° zu lösen. Nicht zu lange
auf dem Board herumbraten und die Bauteile nie mit Kraft herausziehen. Bei vielen Fender Boards kann man, also ich, nur wenige male Bauteile tauschen. Bei Marshall z.B. geht das durchaus öfter und leichter, weil die Löcher größer sind. Bei Schaden unbedingt isolierten Draht benutzen und die alte Leiterbahn komplett totlegen, abstehende Reste abknipsen und dafür sorgen, dass das Bauteil nicht herumwackeln kann. Alles nicht schön und leichter gesagt als getan.



--- Zitat von: paululus am 13.02.2015 14:53 ---Und was bringt es eigentlich den 47μF Elko gegen einen 100μF zu tauschen?

--- Ende Zitat ---

Du meinst den Katodenkondensator am ersten System, nehme ich an. Eine der wichtigsten Stellen zum modifizieren. Die untere Grenzfrequeunz sinkt auf wenige Herzchen ab. Bei Gitarrenamps machen 100µF mehr Bässe und sind oft zuviel. Solche Werte sind in HiFi-Verstärkern und Studioelektronik anzutreffen. In Marshallamps sorgen bis 470µF für Rumms von unten. Mesa-Boogies Rectifier, Fenders Tone Master und Dual Professional und viele, sehr teure Boutique-Amps haben 1µF am ersten System.

Ich würde beim BJ eher verkleinern: 4,7µF-22µF je nach Geschmack. Blackface-Amps haben 22µF. Wichtig ist auch noch die
Nennspannung. Je niedriger, desto weniger schlabbern die Bässe. 10V-16V sind weit verbreitet. 35V-50V gehen auch noch. 100V-Typen klingen ab gewisser Größe nach defekt. mMn.

So! jetzt bist Du im Bilde.

Ein großes Problem beim BJ ist, dass ab einer gewissen Gain Einstellung die Klangregelung nicht mehr wirkt und dahinter das Gitarrensignal als Rechteckwellenform erscheint. Das hört man auch sehr deutlich. Kann lustig sein, wenn man das möchte, ist aber nicht der Grund, der dazu führt sich einen Röhrenverstärker zu kaufen - milde ausgedrückt.


--- Zitat von: paululus am 13.02.2015 14:53 ---Hat jemand von euch Erfahrungen mir anderen Röhren im Blues junior? Man kann darüber ja wirklich viel lesen, aber ich wollte hier mal fragen ob jemand persönliche Erfahrungen hat.

--- Ende Zitat ---

Selber probieren macht riesen Spass. Kauf einfach nach und nach ein paar, von denen dir die Beschreibung gefällt und teste. Sehr grob gesagt: EH=dunkler, JJ=heller, Sovtek=laut.

Viel Spass!

 :topjob:

Lieben GRuß,

Nigel

paululus:
Ah genau diese schlabbernden Bässe treiben mich noch in den Wahnsinn...
Welchen Kondensator meinst du da genau?
Einen der beiden markierten?
ich hoff ich nerv nicht....

bluesfreak:
Die "schlabbrigen" Bässe bekommst Du wie folgt in den Griff (es muss nicht alles gemacht werden aber das ist grob umrissen größtenteils mein Country Mod für den BJr):

1. Erste Siebstufe von 47µF/450V auf 100µF aufpumpen (C25 auf dem von Dir verlinkten Schaltplan)
2. C1 auf 22µ oder gar 10µF verkleinern, drunter würde ich nicht gehen, hier tuts ein 25V Type
3. die roten Koppel Kondensatoren C15/C16 zur Endstufe hin gegen ODs tauschen
4. Den PI (PhaseInverter, die Vorstufenröhre die am nächsten an den Endröhren dran sitzt) gegen eine ECC81 tauschen
5. R29 am PI halbieren oder gar komplett brücken
6. den Ausgangstrafo gegen entweder den TO20 von BillM oder gegen einen Hammond 20W Type tauschen, der TT 25W tuts auch besser als der originale
7. Den Lautsprecher (falls Fender designed) gegen einen Jensen C12P (oder für mehr Punch) C12N tauschen

Gruß
blues

paululus:
Ah geil danke dir!!

Drei Fragen dazu noch:
Nigel hat je geschrieben, je geringer die Nennspannung an C1, desto weniger schlabbrige Bässe. Im Schaltplan sind ja auch 16V angegeben. Also kann ich den hier schon verwenden?
Generell noch ne Frage zur Nennspannung: größer geht immer nur niedriger als im Schaltplan sollten die nicht sein, da sie sonst durchschlagen würden oder?
Und zuletzt: Gibt es unterschiede zwischen axialen und radialen/Becher Elkos? Im Shop gibts leider axialen mehr...

Nigel:

--- Zitat von: paululus am 14.02.2015 16:53 ---
Drei Fragen dazu noch:
Nigel hat je geschrieben, je geringer die Nennspannung an C1, desto weniger schlabbrige Bässe. Im Schaltplan sind ja auch 16V angegeben. Also kann ich den hier schon verwenden?
Generell noch ne Frage zur Nennspannung: größer geht immer nur niedriger als im Schaltplan sollten die nicht sein, da sie sonst durchschlagen würden oder?
Und zuletzt: Gibt es unterschiede zwischen axialen und radialen/Becher Elkos? Im Shop gibts leider axialen mehr...


--- Ende Zitat ---

DAs mit der Nennspannung ist wichtig, aber zweitrangig. Ein 470µF großer Elko mit 100V würde in als Katodenkondensator nicht richtig arbeiten, da hier nur geringe Spannungen unterwegs sind. Hier kann man auch 6V Typen nehmen. Kondensatoren mit niedriger Nennspannung würden hier besser Ansprechen und tendieren allein desshalb dazu den Bassbereich besser zu übertragen.

Wirklich Klangentscheidend ist der Kapazitätewert. Such mal nach "tube amplifier calculator". Der erste Link ist deiner.
Dort kann man das Übertragungsverhälten in verschiedenen Umgebungen ausrechnen.

Unterschiede zwischen radial und axial sind eher mechanisch. Bei den radialen geht ein Draht an die Oberseite und ist dadurch länger als der andere. Für ESR ist das nicht vorteilhaft, für uns aber egal. Ferner ist darauf zu achten die Anschlussdrähte von radialen Kondensatoren auf keinen Fall unter Zugspannung zu verbauen. Axiale sehen nicht nur besser aus, sie lassen sich auch besser verbauen, da man die Drähte nicht so stark biegt. Klangliche unterschiede konnte ich noch nicht feststellen.

Gruß,

Nigel

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