Technik > Tech-Talk Fender
Rauscht der Bluex Deluxe mit Pauken und Trompeten durch die VDE-Prüfung durch?
Meikel:
Hallo zusammen,
ich bedanke mich. Ihr habt meine Gedanken bzgl. der Schaltung bestätigt. Wäre dieses Thema also "durch".
Komme ich somit wieder auf die VDE-Prüfung zurück.
Ich frage mal provokant: Die VDE-Prüfung gegen die hochgelegte Masse der Eingangsbuchsen ("ist ja auch Masse") ist doch damit eigentlich falsch, oder? Der Tester zeigt einen zu hohen Widerstand an - durchgefallen oder Mist gemessen? Weil die Prüfung geht ja eigentlich "nur" gegen die "richtige" Masse und dort gemessen, wird ja auch entsprechend korrekter Widerstandswert anzeigt.
Und wenn der "Mistfall" eintritt, ist mit dem Auslösen eines an den Amp über die Steckdose angeschlossenen FI durch einen Duspol-Strom von <= 30mA einer Netzphase gegen die hochgelegte Masse dennoch ein "OK" im Sinne einer Prüfung korrekt?
Gruß Michael
RoehrenJeans:
Hallo Michael,
kannst du mir bitte mal die Passage zitieren, wo beschrieben steht, dass "alle metallischen und berührbaren Teile" bei der Schutzleiterprüfung nach DIN VDE 0701-0702 gemessen werden müssen. Ich denke und hoffe, dass das so nicht beschrieben ist, habe aber gerade die Norm nicht zur Hand.
Gruß
Stoffel
Nils H.:
--- Zitat von: RoehrenJeans am 10.11.2016 13:59 ---Hallo Michael,
kannst du mir bitte mal die Passage zitieren, wo beschrieben steht, dass "alle metallischen und berührbaren Teile" bei der Schutzleiterprüfung nach DIN VDE 0701-0702 gemessen werden müssen. Ich denke und hoffe, dass das so nicht beschrieben ist, habe aber gerade die Norm nicht zur Hand.
Gruß
Stoffel
--- Ende Zitat ---
Ich hab die Norm nicht zur Hand, weil's die ja nur gegen Knatze gibt (Skandal), aber so hab ich's in Erinnerung (Vorsicht, Halbwissen): Die Schutzleitermessung ist die Messung zwischen SK-Anschluss und den berührbaren Metallteilen des Gehäuses. Hier gilt der Grenzwert 0,3 Ohm bei einem Messstrom von mindestens 200 mA, wenn ich mich richtig erinnere.
Darüber hinaus muss bei einer Geräteprüfung die Messung des Ableitstromes aller berührbaren Metallteile, die nicht mit dem Schutzleiter verbunden sind, vorgenommen werden. Darunter fällt meiner Meinung nach auch die isolierte und geliftete Eingangsbuchse. Hier gilt, glaube ich, ein Grenzwert von 0,5 mA.
Wie gesagt, Halbwissen. Gibt aber auch Quellen dafür [1],[2]. Ich würde aber sagen: Falsche Messung. Auf jeden Fall aber ein kompliziertes Thema, das durch das nicht-veröffentlichen der verbindlichen Normen unnötig erschwert wird...
Gruß, Nils
[1] https://www.gossenmetrawatt.com/gmc/deutsch/seiten/messungenundpruefungenanelektrischengera.htm
[2] http://www.merz-elektro.de/compose_bilder/File/Katalogteile/prueftechnik_informationen_DE.pdf
Meikel:
Hups, hier kamn ja noch ein paar Beiträge. :)
Sorry für meine Abwesenheit. Dann will ich mal zur Schutzleitermessung zitieren.
1. Amprobe:
"Bei Geräten mit Schutzleiter, bei denen der PE eine Schutzfunktion hat, muss der Widerstand des Schutzleiters geprüft werden. Die Messung erfolgt vom ... Schutzkontakt des Netzsteckers zu allen berührbaren metallischen Gehäuseteilen des Prüflings, welche mit dem Schutzleiter verbunden sein müssen."
2. Prüfvorschrift zum Prüfen von Geräten - BFV A2 / VDE 701-702:
"Beim Schutzleiterwiderstand wird gemessen, ob der Schutzleiter korrekt angeschlossen ist und ob auch alle metallischen Gehäuseteile damit verbunden sind..."
3. Prüfung elektrischer Betriebsmittel der Schutzklasse I (Gerätetester TE0701):
"Bei Betriebsmitteln der Schutzklasse I ... wird der niederohmige Widerstand des Schutzleiters gemessen ... Mindestprüfstrom 200mA ... Die Meßleitung wird an verschiedene Stellen des Metallgehäuses gelegt..."
So. Man kann nun hergehen und sagen: Ok, an allen Metallgehäusen wird die Vorschrift erfüllt. Schutzleiterwiderstand vom Stecker bis ans Gehäuse. Rest ist mir egal. Alles gut.
Gehe ich nun aber zu allen berührbaren metallischen Gehäuseteilen des Prüflings, dann ist das dann wiederum ja auch die Masse der Gitarre (und jeder weiß, wie die wirken kann!) und die ist nicht nur am Blues Deluxe hochgelegt, sondern zum Beispiel auch an einem Marshall Haze 15 über 100 Ohm, mit der Folge, dass hier an dieser Stelle die Schutzleitermessung aufgrund des zu hohen Widerstandes versagen würde -> strenggenommen (!) durchgefallen.
Zusammengefasst:
1. Messung ausschließlich am Gehäuse, welches i.d.R. immer mit PE nullohmig verbunden ist: Alles ok.
2. Messung an der Masse der Eingangsbuchse: Fällt je nach Ausführung der Schaltung des Amps durch oder (bei nicht hochgelegter Signalmasse) ok.
=> Widerspruch, unsaubere Vorschrift, Schaltungsdesign, Denkfehler?
Gruß Michael
Germy:
Hi Meikel,
das ist ja das was ich immer sage. Diese Geräte entsprechen nicht dem EU-Standart und dürfen somit nicht in den Handel gebracht werden. Wenn du als Dienstleister so ein Geräte reparierst, musst Du danach eine DGUV4 Prüfung (voher BGV A3) machen. Nimm ich mein SECUTEST II und mache das, sagt mir das Gerät "Durchgefallen". Und nun habe ich ein Problem. Da ich das Geräte in den Händen hatte, muss ich jetzt die Gewährleistung garantieren. Meine Produkthaftpflicht verlangt nun von mir, das ich nach geltenden Vorschriften und "den Stand der Technik" handle. Ohh, einpoliger Netzschalter........geht überhaupt nicht. Ohh Groundlift.... geht auch nicht...
Deshalb lass ich die Finger von Fremdgeräten.
Gruß Germy
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