Ok, das war jetzt noch einmal ein ganz anderes Level an Mesa/Boogie-Twirk: Der Amp läuft jetzt so wie er soll.
@Helmholz: Ja, ich hatte mich bei der letzten Messung vertan. Die Röhren waren nicht das neue Set, sondern ein bereits runtergespieltes. Also: ja, jetzt ist alles in Ordnung.
Ich muss das Ganze noch einmal sauber verifizieren, aber aktuell sieht es tatsächlich so aus, als sei der Ground-Point der Endstufenplatine (sagen wir mal) etwas ungünstig gewählt. Am liebsten würde ich gerade laut fluchen oder lachen, ich weiß es ehrlich gesagt selbst nicht so genau.
Nachdem ich den Ground an den Ladeelko verlegt habe, war das Clipping plötzlich symmetrisch - oben wie unten. Ich Trollo habe es zuerst gar nicht gesehen, weil die Stats auf meinem Scope genau darüber liegen.
Mit neuen Röhren komme ich jetzt auf gemessene 47 Watt RMS. Das sind dieselben Röhren, mit denen ich vorher nur auf knapp 30 Watt kam, bevor die untere Halbwelle geclippt hat. Es sah die ganze Zeit so aus, als wäre nach oben noch unendlich Luft, während unten das Signal bereits defekt war.
Irrsinnigerweise hatte ich den AC Offset an den Kathoden schon vor zwei Tagen gemessen. Auf dem Scope waren das irgendwas um 100 mV. Ich dachte noch: „Pfui, das hätte man besser machen können“, habe dem aber nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Rückblickend: ziemlich dumm von mir.
Der Anlass, den Ground dann doch umzulegen, war die Beobachtung, dass der PI ohne Endröhren deutlich mehr Aussteuerung geliefert hat als mit gesteckten Endröhren. Zwar war mit Röhren noch Aussteuerungsreserve vorhanden, aber das Clipping trat ab einem Pegel auf, bei dem es eigentlich noch weit weg von PSU-Kapazität, Anpassungsproblemen oder sonstigen klassischen Ursachen hätte sein sollen.
Wie gesagt: Selbst mit anderem Ausgangsübertrager mit 3,6k Raa und zwei nagelneuen EL34 war keine anständige Leistung zu holen.
Meine aktuelle These:
Der PI und vermutlich auch die Treiberstufe davor, also die Loop-Aufholstufe, an der ich den Generator eingespeist habe, teilen sich einen Ground, der offenbar nicht niederimpedant genug ist, um den Kathodenstrom der Endröhren sauber abzuführen. Unter Leistung führt das zu einem Lift dieses Bezugspunktes - und damit zu genau diesem asymmetrischen, früh einsetzenden Clipping.
Wie untermauere ich diese These jetzt sauber?
Eigentlich könnte es mir egal sein, weil der Amp jetzt läuft. Aber da draußen stehen zigtausend Rectifier, die alle auf ähnlichen Prinzipien basieren - natürlich in verschiedenen Revisionen - und eine ganze Bandbreite davon wird als „flat tire“ beschrieben. Genau daher hatte ich den Begriff überhaupt.
Ich bin selbst kein Rectifier Spieler, aber selbst ich weiß, dass man bestimmte Revisionen wohl eher meiden soll.
Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ein Dual Rectifier ungefähr den doppelten Kathodenstrom erzeugt und ein Triple Rectifier entsprechend noch mehr, dann bekommen manche Posts plötzlich einen ganz anderen Beigeschmack. Nach dem Motto: „Mein Triple Rectifier mit 6x 6L6GC macht gemessen keine 150 Watt, sondern nur knapp 102 Watt.“ Ähm … ja. (Das sind so posts aus dem Boogie Forum - nicht an den Haaren herbeigezogen).
Ich muss das jetzt erstmal verarbeiten und baue morgen alles noch einmal zurück bzw. gezielt um, damit die These ein sauberes Fundament bekommt.
Falls sich das bestätigt, könnte das für einige Techs durchaus interessant werden.
Und Randall Smith würde sagen: "We did this by accident but it sounded good and we put it to perfection".
In diesem Sinne, ich berichte noch einmal.