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Mallorys oder Orange Drop für 5E3

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mc_guitar:
Hallo,

 Nun häng ich mich auch noch mit ran. Ich hab (allerdings in einem Marshall 1987 MKII von 1974) die orginalen senfigen Koppelkondensatoren vor der Endstufe gegen die TADs getauscht, und keinen klanglichen Unterschied zu vorher feststellen können. Dynamik und Frequenzspektrum sind gleich geblieben. Ich konnte auch keinen deutlichen "Einbrenneffekt" feststellen.
Den Wechsel des Ausgangsübertragers allerdings, den hat man mehr als deutlich gehört. Der hat ein Einbrennen gebraucht, hat am Anfang sperriger und deutlich körniger geklungen als der leider defekte orginale AÜ.

Grüße Micha

haebbe58:

--- Zitat von: DocBlues am 10.10.2008 16:05 ---

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich will niemandem meine Soundvorstellungen aufschwatzen. Es gibt aber eben Sounds, für die man wirklich Röhren und Feintuning braucht - der Neil Young Sound braucht das nach meiner Erfahrung - allerdings nicht.

Meine Bemerkung zu Neil Young war ja auch eher als kleine Spitze zu den vorangegangenen Beiträgen gedacht.


--- Ende Zitat ---

Ho Doc,

hör Dir mal "Cortez the Killer" von der CD/LP "Zuma" an.

Das kriegts Du mit irgendwelchen Zerrern und Transistor-Kästen so nicht hin! Undynamisch und trashig ist das auch nicht ... da hört und fühlt man förmlich jeden Schweißtropfen und die Melancholie des lieben Neil! Und extrem viel Gefühl!

mfg Häbbe

DocBlues:
Hallo,

ich teile meine Antwort gerade mal auf:

@bazookajoe:
Der leicht metallische Klangeindruck paßt schon zum Charakter des Mallory. "Metallisch" bedeutet ja nicht, daß besonders viel Höhen vorhanden sind, sondern eher, daß ein bestimmter Bereich in den oberen Mitten etwa (3-4 KHz )  etwas überrepräsentiert ist. Die Orange-Drops haben eher einen Peak, der noch etwas darüber liegt und rundere Bässe/Tiefmitten. Ich persönlich empfinde die Mallory auch nicht als smooth sondern als undefiniert in den Bässen und matt in den Höhen (kein high end sparkle, wie man bei einem Speaker sagen würde.
Interessanterweise wird ein Sound u.a. ja dadurch "smooth" und warm, daß der Frequenzabfall in den Höhen und in den Bässen nicht zu steil ist.
Man kann sich diese Zusammenhänge wirklich sehr gut mit guten parametrischen Equalizern verdeutlichen. Ich habe den parametrischen 7 band EQ von Kjaerhus (plugin). Wenn man einen Gitarrensound einspielt und dann mal systematisch die Frequenzen durchgeht (Anhebung, Absenkung und Güte/Steilheit) bekommt man ziemlich schnell ein Gefühl dafür, welcher Frequenzbereich eigentlich welchen Klangeindruck erzeugt und welche Güte/Steilheit eher harte Sounds oder weiche Sounds bewirkt. Mir scheint, ein sehr verbreiteter Irrtum ist, daß weiche (nicht matte) Sounds keine Höhen haben. Sie haben tatsächlich keine ausgeprägten Hochmittenpeaks, dafür aber meist Höhen obendrauf und zusätzlich runde Bässe.

@Haebbe und Bazookajoe:
Zu Neil Young: Ich werde mal zusehen, daß ich den Titel "Cortez the Killer" mal in einer korrekten Version zu Ohr bekomme.

@Micha:
Wenn Dein Marshall von 1974 die senffarbenen Kondensatoren drin hat, würde ich die um Himmels Willen nicht austauschen, denn das sind doch genau die gut klingenden Original Mustard Caps, die mit den Nachbauten von Sozo und TAD nachempfunden werden sollen. Du hast also sozusagen das Original gegen eine gute Kopie (TAD) getauscht. Von daher überrascht es nicht, daß da nicht viel Unterschied ist. Es sagt nur, daß die TAD Mustards recht nah am Original dran sind. Ich wünsche Dir, daß Du die Original-Mustards noch hast.

@alle:
Anmerken möchte ich aber noch, daß die Unterschiede auch erst dann so deutlich werden, wenn die gesamte Signalkette keine Schwachpunkte hat. Ein paar mäßige Komponenten können bereits dazu führen, daß der Gesamtqualitätslevel schon soweit absackt, daß es gleichgültig ist, was man ansonsten noch an Bauteilen eingebaut hat.
Ich habe das kürzlich mal sehr drastisch erfahren, indem ich aus Neugier in einer ansonsten bauteiloptimierten Schaltung nur einen einzigen Carbon Comp Widerstand gegen einen billigen Carbon-Film Widerstand von Conrad getauscht habe und den dazu in Reihe liegenden Solen Fast gegen einen Mallory. Ergebnis: Die ganz "Magie" des Sounds war im Eimer (kein Höhenglanz mehr, schlappe Bässe, undifferenzierte Mitte, schlechte Ansprache auf den Anschlag). Da kann man dann auch einen Sozo oder sonstwas in die Gitarre löten - der reißt es dann auch nicht raus.

Dazu muß ich sagen, daß ich mir früher kaum Gedanken über die Art der Bauteile gemacht habe - Hauptsache el. Wert und Einbaugröße stimmten. Allerdings habe ich auch nie - trotz vieler Schaltungsmodifikationen - die (für meine Ohren) wirklich tollen Sounds erreicht.

Vor ein paar Jahren habe ich es erstmals systematisch über die Art der Bauteile versucht - und siehe da: Da kamen die Sounds, die ich immer wollte - selbst in Halbleiterschaltungen habe ich erstaunliche Ergebnisse erzielt.

Man sollte sich natürlich auch nicht mit den Bauteilen verrückt machen. Die Geschmäcker sind verschieden und die Ohren sind verschieden. Wenn man die Unterschiede nicht so sehr wahrnimmt und trotzdem mit seinem Sound glücklich ist, hat man in jedem Fall weniger Stress.

Eigentlich wollte ich auch nur meine etwas abfällige Bemerkung weiter oben im Thread (in die ich Sozo mit einbezogen hatte) revidieren und darauf hinweisen, daß doch nicht alle gelben axialen Kondensatoren irgendwie gleich (und für mich eher nicht so toll) klingen. Der TAD Mustard fällt jedenfalls sehr angenehm auf und es kann sein, daß der Sozo  noch etwas darüber geht.

Gruß,
DocBlues

Gruss,
DocBlues

haebbe58:
Hallo zusammen,

also nach all der Leserei bin ich nun genau so schlau wie vorher ..  ???

paßt jetzt vielleicht nicht ganz hierher ...

Ich plane den Bau eines Blackface-Clones a la Pro oder Bandmaster und zwar die Version AB763. Soll allerdings ein simpler Einkanaler ohne Firlefanz werden ... also einfach nur einen Vol.- Bass- und Treble-Regler und fertig!

Welche Kondensatoren im Signalweg soll ich denn nun da reintun, am besten welche aus Dirks Shop (im Netzteil habe ich JJ-Elkos eingeplant und zwar die ersten vor und hinter der Drossel jeweils doppelt in Serien-Schlatung mit parallelen 220k-Widerständen, wegen der Spannungsfestigkeit)

Und wenn wir schon dabei sind ... Widerstände: Sind Carbon Composites okay (bis auf die im Originalschaltplan mit 1Watt spezifizierten, da plane ich Metalloxid 2 Watt, also im Netzteil, Bias und an den Endröhren, müßte doch passen ..., oder?)?

mfg
Häbbe

DocBlues:
Hallo Häbbe,

ich denke, Du solltest bei den Kondensatoren experimentieren, denn Du hast ja sicher Deine persönlichen Klangvorstellungen. Wenn Du aus dem Sortiment von TT wählen willst, würde ich für cleane bis leicht crunchige Sounds mit Xicon MPP und ggf. OD anfangen, wobei ich bei den OD auch die Polyester-Serie testen würde. Wenn Du andere Lieferanten zuläßt, würde ich (von vornherein) Solen Fast (hat TT leider nur in großen Werten) für die Caps hinter dem PI nehmen. Falls es dann etwas runder/mittiger werden soll, tausche 1 - 2 Koppelkondensatoren gegen TAD Mustard aus. Das wäre mein Vorschlag für die Reihenfolge beim systematischen Experimentieren.

Eine detaillierte Entscheidung von vornherein erscheint mir fast unmöglich.

Die 2 W Metaloxid-Widerstände sind auch als Anodenwiderstände nach meinen Tests recht brauchbar. Ich würde sie aber nur in der ersten Stufe einsetzen (Rauschminimierung) und danach (trotz aller bekannten Schwächen) Carbon Comp. Ob Du da tatsächlich 1 W Typen (wegen der Leistung) brauchst, ist zu prüfen. Ich hatte mit 1/2 W Carbon Comp Typen noch nie Ausfälle bis zu einer Versorgungsspannung von 340 Volt. 1 W Carbon Comp gibt es aber ja auch zu kaufen. Die rauschen dann auch noch weniger.

Zu den Widerständen noch ein besonderer Hinweis: Teilweise werden in Foren die High End Metalfilm-Widerstände von Kiwame (Japan) als non plus ultra bezeichnet (rauscharm und Sound wie Carbon Comp). Das kann ich aus eigener Erfahrung für Gitarren-Amps überhaupt nicht bestätigen. Die Kiwame klingen eher etwas steril und so, als würden Sie aus dem Obertonspektrum (harmonic content) etwas herausnehmen - eher das Gegenteil von dem, was wir an den Carbon Comp so schätzen. Da würde ich eher die Metaloxid oder die Xicon Metalfilm aus dem TT Shop nehmen, wenn Carbon Comp an der betreffenden Stelle nicht paßt.

Die Diskussionen hier im Forum können ja eigentlich nicht mehr sein als Hinweise für das systematische Experimentieren. Einerseits bekommt man immer mal wieder Hinweise auf Möglichkeiten, an die man selber noch gar nicht gedacht hat und zusätzlich Anhaltspunkte, wie man beim Experimentieren schneller zum persönlichen Ziel kommt.

Das Feintuning bleibt einem aber wohl nicht erspart - es macht aber ja  auch Spaß, wenn man Anhaltpunkte hat und sich seine eigene Systematik Stück für Stück entwickelt. Meine eigenen Erfahrungswerte sind letztlich dadurch entstanden, daß ich das Üben an der Gitarre mit Feintuning verbinde.

Viel Erfolg für Deine Wunschsounds,

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