Technik > Tech-Talk Fender
Mallorys oder Orange Drop für 5E3
DocBlues:
Hallo Herbert, das ist ja ein cooles Forschungsprojekt - in der Einleitung auch sehr liebevoll historisch dokumentiert. Warst/bist Du daran beteiligt ?
Bislang habe ich in den Projektunterlagen keine Untersuchungen zu unterschiedlichen Widerstands- und Kondensatortypen gefunden. Habe ich da etwas übersehen ?
Sehr interessant fand ich die Anmerkungen zum Netzteil. Dort wurde ja ein brummfreies Netzteil entwickelt und sorgfältig modelliert, das die gleiche Sag-Charkteristik haben sollte, wie das Original. Tatsächlich führte es aber zu einem anderen Sound. Zwei Dinge sind daran bemerkenswert:
Ersten ist der Einfluß des Netzteils und die Art seiner Bauteile für den Gesamtklang mit maßgeblich und zwar nicht nur, was die gewünschte Kompression des Netzteils angeht. Häufig hört man ja Meinungen, daß lediglich die Bauteile im direkten Signalweg klangkritisch sind. Damit unterschätzt man aber den Bauteileinfluß.
Zweitens zeigt sich mal wieder, daß die Zusammenhänge deutlich komplexer sind und eben nicht so einfach formel- und messtechnisch zu erfassen und zu modellieren sind - auch wenn es von Leuten gemacht wird, die ja im Fach kompetent sind. Der beteiligte Prof. und die Projektmitarbeiter sind aber insbesondere auch so kompetent und wissenschaftlich, daß sie die Grenzen eines technischen Modells nach dem Experiment erkennen und nicht etwa sagen "es könne ja gar kein Klangeinfluß sein, weil man es doch formelmäßig so schön - und auf den ersten Blick auch vollständig - beschrieben hat."
Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass man sich nicht zu schnell an zu einfachen physikalisch-technischen Modellen festbeißen darf und das gute Ingenieure und Wissenschaftler das auch nicht tun, sondern entweder weiterbohren und ihr technisches Modell verbessern oder eben empirisch weitermachen. In dieser Weise waren meine obigen Bemerkungen auch zu verstehen.
Vielen Dank für den Link. Ich denke, unabhängig von der kleinen Grundsatzdebatte hier im Thread ist das ein sehr interessantes Projekt für viele Teilnehmer hier im Forum. Insbesondere aus den Anlalysen der Schaltungen kann der eine oder andere bestimmt noch eine Menge "abmelken".
Es wäre bestimmt keine schlechte Idee, einen zusätzlichen Thread aufzumachen und das Projekt dort mit den Links für die TT-Forum-Mitglieder bekannter zu machen.
Beste Grüße,
DocBlues
DocBlues:
Hallo an alle Kondensator-Interessierten,
weiter oben hatte ich mich ja eher kritisch zu Polyester-Kondensatoren und insbesondere zu den Mallory 150 und den Roederstein-Polyester Caps geäußert . Dabei hatte ich die Sozo gleich mit in einen Topf geworfen.
Ich denke, daß muß ich revidieren, soweit es die Sozo angeht. Ich habe zwar die Sozo selber noch nicht getestet aber die Mustard Caps von TAD, die ja den Sozos sehr ähnlich sein sollen.
Auf den ersten Blick hält man die TAD Caps für eine weitere Variante der axialen Polyester Caps in der Mallory150/Roederstein etc. Machart. Der Sound ist jedoch ziemlich anders - vielleicht weil sie mit Polyethylen Folie statt Polyester aufgebaut sind. Der Klang ist smooth, warm, ausgeglichen aber keineswegs matt in den Höhen. Im Gegenteil: die Höhen sind sehr detailliert, glänzend und dabei kein bischen kratzig. Die Bässe und unteren Mitten sind sehr viel druckvoller und klarer als bei Mallory oder Roederstein. Da ich ja sonst eher Solen Fast und Xicon verwende, muß ich sagen, daß die TAD Mustards im Vergleich zu den Solen Fast "organischer" klingen, im Vergleich zu den Xicon haben Sie mehr Mitten und sind "smoother" - trotzdem offen in den Höhen. Ich habe in einer Gitarre, die unten herum etwas zu tight klang, den Tone-Kondensator von Xicon MPP auf TAD Mustard geändert und bin total begeistert. Vorherige Tests mit Mallory und Roederstein brachten dagegen sehr mäßige Resultate.
Die Sozo Caps sollen im Vergleich ja noch etwas mehr nach "Vintage" klingen. Sie werden in anderen Foren zumeist noch besser als die TAD Mustards beurteilt. Beide Typen sind jedenfalls nach meiner jetzigen Erfahrung ein anderes Ding als Mallory & Co. und für mich eine sehr gute Alternative zu Solen und Xicon - je nach gewünschtem Sound. Man lernt eben immer wieder dazu.
Gruss,
DocBlues
Larry:
--- Zitat von: DocBlues am 29.10.2008 20:38 ---Die Sozo Caps sollen im Vergleich ja noch etwas mehr nach "Vintage" klingen. Sie werden in anderen Foren zumeist noch besser als die TAD Mustards beurteilt. Beide Typen sind jedenfalls nach meiner jetzigen Erfahrung ein anderes Ding als Mallory & Co. und für mich eine sehr gute Alternative zu Solen und Xicon - je nach gewünschtem Sound.
Man lernt eben immer wieder dazu.
--- Ende Zitat ---
Vorwegschicken möchte ich, dass ich alles, was GELB und axial ist, schon probiert und gegeneinander verglichen habe.
Resümierend möchte ich noch sagen, dass jemand, der in einem vintage orientierten oder zumindest nicht kompromisslos 'heavy' ausgelegtem Design die SoZo Premium Line ausprobiert hat, vermutlich nie wieder auf irgend einen anderen 'Gelberling' zurückgreifen wird!
Überspitzt formuliert: Wer einmal ein meisterhaft zubereitetes Boéf Stroganoff genossen hat, wird sich nie wieder mit Erbsensuppe zufriedengeben!
Allerdings sollte man den SoZo Premium eine Burn-In-Time von zumindest 10-12 Stunden zugestehen, bevor man sie definitiv beurteilt.
Das ist die von mir ermittelte Mindestzeit (SoZo schreibt was von 100h), welche die Dinger brauchen, damit sie 'aufblühen'!
Larry
DocBlues:
Hallo Larry,
das hört sich ja so an, als müßte ich an die Sozo Premium auch noch mal ran - vielleicht auch gerade als Tone-Cap in der Gitarre.
Hast Du die Sozo direkt in USA bestellt, bei Tonehunter gekauft oder wie bekommt man die Teile ohne zu großen Aufwand .
Generell muß ich zugeben, daß ich die Sozo lange als Mallory 150 mit Marketing Voodoo betrachtet habe, nachdem ich sonst auch schon so ziemlich alle gelben axialen Kondensatoren durch hatte und nie etwas für mich Aufregendes dabei war. Seit dem Test des TAD Mustard bin ich nun wieder sehr offen und interessiert. Wenn die Sozo da noch deutlich einen draufsetzen, werde ich mich sofort Deinem Stroganoff - Vergleich anschließen.
Wie kommt man also streßfrei an die Sozo ran ?
Danke für das Feedback
und Gruß,
DocBlues
bazookajoe:
einen kleinen wenig aussagekräftigen beitrag kann ich jetzt auch leisten, ich hatte ja schon mal erwähnt daß ich da kaum unterschiede höre, habe jetzt aber mal in meinem champ die orange drops gegen mallory ausgetauscht und würde mir einbilden daß da plötzlich etwas mehr fast metallische höhen da sind was erstens nicht meinem geschmack entspricht und außerdem den sonstigen berichten (mallory = "wärmer" vor orange drops in fender wurde gewarnt) widerspricht. xicon mpp hatte ich auch drin, den würde ich nicht blind erkennen.
in einer gitarre hab ich jetzt mal mallory, styroflex, xicon greenies, solen fast, xicon mpp, sowie so einen kleinen ich nehme an keramikkondensator die rockinger verkauft probiert und kann die auch nicht unterscheiden mit ausnahme daß der mallory (bei ganz zugedrehtem tonregler) etwas dumpfer klingt als die anderen. (super daß ich gerade davon jetzt einige gekauft habe) - und ich bin mir auch nicht sicher ob ich mir das nicht eingebildet habe.
generell finde ich solche tests sehr schwierig, eigentlich müßte man das wirklich blind machen und umschaltbar. wenn ich an meinem amp herumlöte (oder auch nur einen anderen teil anklemme) und dann wieder spiele kann ich echt kaum unterschiede erkennen.
ich hab in meinen champ auch kürzlich einen mercury ausgangstrafo eigebaut und könnte beim besten willen nicht sagen ob der anders klingt.
an docblues: einen besonders tollen neil young clip habe ich nicht gefunden, für mich ist neil allerdings schon immer jemand gewesen den ich gerade wegen seines gitarrensounds und spieles höre, von wenig dynamik kann ich auch nix erkennen, gerade die übergänge wo er anfangs so ähnlich spielt wie auf der akustikgitarre und dann langsam in totale full tilt tweed deluxe verzerrung übergeht finde ich beeindruckend. sehe ihn eigentlich auch als referenzton für einen kleinen tweedamp (zumindest im rock bereich)
groß und kleinschreibung fällt heute aus zeitgründen aus
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