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Separate Bias Einstellung für 4x EL34

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Offline OrangUtanKlaus

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Separate Bias Einstellung für 4x EL34
« am: 26.12.2025 07:08 »
Guten Morgen!

ich habe das Forum schon durchsucht - und z.B. hier: https://www.tube-town.de/ttforum/index.php/topic,18987.0.html hätte ich mir sehr eine Lösung gewünscht.

Hintergrund ist folgender: Ich bastle grade an einem Amp und habe noch vier neue, aber nicht gematchte EH EL34 rumliegen.

Warum hat man sowas: Die habe ich mal bei einem HiFi Händler gekauft, er hat behauptet, das wäre ein gemachtes Quartett. Preis war attraktiv, ich hab sie mal gekauft. Zum Einsatz kamen sie erst später, dabei merkte ich, dass die Ruheströme im zweistelligen Bereich abwichen. Das war mir zuviel - die Reklamation kam dem Händler zu spät, der war zickig, mir war es zu doof.

Nun würde ich die Röhren gerne mal verwenden, in einem Amp, der den Ruhestrom für jede der 4 Röhren extra liefern kann, sollte das ja gehen.

Folgende Idee/Frage:

Ich gehe vom Schaltplan der Bias-Versorgung im TT YAH 100w aus. Die ist ja schon mal für je ein paar gesplittet. Ist der Gedanke richtig, dass sich die Schaltung praktisch beliebig "nach rechts" erweitern lässt? (Also Trimmer/Widerstand in Reihe; parallel)  Im Anhang mal ein Screenshot.

Dafür dann entsprechend zusätzliche DC-Blocker bzw. Koppelkondensatoren einbauen?

Die zweite Grafik müsste dann ja eigentlich alles zeigen? Plus optionale Notfall-Widerstände an den Trimmern...
(Bauteil-Werte sind natürlich anzupassen...)

Danke Euch! Schöne Rest-Feiertage und guten Rutsch!
VG Christoph

« Letzte Änderung: 26.12.2025 08:19 von OrangUtanKlaus »

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Offline cfortner

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Re: Separate Bias Einstellung für 4x EL34
« Antwort #1 am: 27.12.2025 15:37 »
Ich würde das nicht machen.

"Gematchte" Röhren sind meist nur an einem Spannungspunkt, meist so um 400-500V, gematcht. Das reicht für viele Anwendungen mit anderen Anodenspannungen aus, da kleine Abweichungen eher die harmonischen Verzerrungen stärken und daher eher gut klingen.

Wenn Du die BIAS-Regelung für jede Röhre einbaust, "matchst" Du die Röhren bei Deiner Anodenspannung nur auf den BIAS-Strom von sagen wir 20mA.

Wie die Röhren sich bei Aussteuerung verhalten, hat mit dem BIAS wenig zu tun. Das hängt in erster Linie von der Steigung ab, also um wieviel mA steigt der Anodenstrom, wenn ich die Gitterspannung um 1V erhöhe.

Diese Steigung unterliegt ziemlichen Exemplarstreuungen, deshalb ist nicht vorhersagbar, wie sich eine EL34 an 500V oder 780V mit einem BIAS-Strom von 20mA bei weiterer Aussteuerung verhält.

Ich habe eine Hiwatt-Kopie des DR405 (400W aus sechs KT88) mit getrennter Regelung gebaut und die Anodenspannung auf über 800V gebracht für sechs KT120, welche max. 230mA liefern können..

Bis zu einem Anodenstrom von ca. 120mA liefen die sechs Kannen recht gut zusammen, danach liefen sie deutlich auseinander. Bei gleicher Aussteuerung lagen die Anodenströme zwischen 130 und 280mA, was einige Röhren überlasten kann und unnötig Verzerrungen bringt. Eine Änderung des BIAS änderte daran - überhaupt nichts.

Umstecken der Röhren zwischen den beiden Bänken, sodass die Ströme bei Vollaussteuerung recht ähnlich sind, ist da oft zielführender. Bei meinem 500W-Boliden benötigte ich aber 15 KT120, um sechs zueinander passende zu finden. Auch ein bei wohl 500V "gematchtes" Quartett hatte bei 820V und im Bereich Vollaussteuerung deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Röhren.

Lass den Amp so wie er ist, miss mal die Ströme am Lastwiderstand bei nahezu Vollaussteuerung und merk Dir, wieviel mA bei den einzelnen Röhren fliesst.

Als Beispiel:

Bank A 80 - 70
Bank B 100 - 110

würde ich auf

A 100 - 80
B 110 - 70

umstecken. Das liefert pro Seite den gleichen Strom. Erst in der Grössenordnung 150mA wird es kritisch, da die EL34 dort ihr Limit hat.

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Offline OrangUtanKlaus

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Re: Separate Bias Einstellung für 4x EL34
« Antwort #2 am: 27.12.2025 19:59 »
Vielen Dank für die Antwort!

Aber was fange ich damit am besten an - das könnte ja bedeuten, dass das Einstellen des Ruhestroms prinzipiell nur der Startpunkt sein kann - auf dem Weg, sich dann auch im "Unruhe-Zustand" ähnlich verhaltende Röhren zu haben.

Vor dem Hintergrund, dass Matchings dann (von einem ganzheitlichen bis penibel anmutenden Anspruch ausgehend) generell eher "schlampig" ablaufen, da die Steilheit ja wohl kaum so minutiös ermittelt wird?; Das ist ja eher intransparent, selbst wenn dieser Aspekt erwähnt wird, reichen ja potenziell 2 Messsituationen aus, um die Aussage zu treffen "ok, bei Anodenstrom A und B haben wir bei Röhren X und Y ähnliche Werte, daraus leiten wir mal ab. dass das dazwischen und darüber hinaus einen ebenso ähnlichen Verlauf nimmt"...

Bestimmt ist das nichts Neues, aber ich hatte dieses Thema noch nicht so wirklich auf dem Schirm.
Gematchtes Quartett rein, Ruhestrom einstellen, Thema erledigt...

Letztlich drängt sich für mich nun die Frage auf: Wenn man beim 0815 Röhrentausch deutlichere Abweichungen zwischen den Ruheströmen feststellt: Ist das nur die alarmierende Spitze des Eisbergs, weil die Röhren potenziell problematisch auseinanderdriftende Steilheiten haben?  Oder leite ich besser für mich hieraus ab, dass man das Thema Ruhestrom gelassener sehen kann?

Devise: EL34 bei 450 V B+ in einer Range zwischen 30 und 40mA Einmessen, dass jede da irgendwo rumdümpelt, und wenn man's genauer wissen will: Messwiderstand über die Anoden und gucken, was da bei viel Leistung durchrutscht, dann ggf. Pärchen bilden - oder: Auch nicht. (?)

Danke!

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Offline cfortner

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Re: Separate Bias Einstellung für 4x EL34
« Antwort #3 am: 28.12.2025 16:50 »
Wie ich schon schrieb:

Den Verstärker (ohne separate BIAS-Regelung) ohne Signal auf gleichen BIAS der beiden Seiten einstellen. Das sind pro Seite dann die Summe der beiden BIAS-Ströme der beiden EL34.

Wenn Du 1Ohm-Messwiderstände pro Röhre einbaust, kannst Du pro Steckplatz den Strom messen. Alternativ das BIAS-Gerät mit Zwischensteckern nehmen.

Wenn Du dann die einzelnen Ströme messen kannst, den Amp weiter aussteuern, bis er anfängt zu begrenzen/clippen. Die in diesem Zustand fliessenden Ströme der einzelnen EL34 notieren und ggf. durch Umstecken die beiden Seiten so optimieren, dass die Röhren nicht über das Limit von 150mA gehen und die Summe der Ströme der Röhren auf beide Seiten in etwa gleich sind.

Allerdings muss man sich fragen, ob das bei Gitarrenamps überhaupt Sinn macht.

Das Ganze ist eher eine theoretische Betrachtung mit einem Sinussignal.

Gitarrensignale haben einen ganz anderen Crestfaktor und belasten den Amp nicht so stark wie ein Sinus.

Die unterschiedlichen Eigenschaften der einzelnen Endröhren können eher zu einem interessanten Sound mit harmonischen, gewünschten Verzerrungen im Grenzbereich führen. Bei HiFi--Amps mag das anders sein.

Ich würde nur bei Bassamps ev. Einzelregelungen erwägen, da die möglichst lange clean bleiben sollen. Das sieht bei Gitarrenamps ja ganz anders aus.
« Letzte Änderung: 28.12.2025 16:53 von cfortner »