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Tweed-Champ - blocking distortion?
Joachim:
Servus!
Ein 1M Gridstopper vor der Kathodynstufe dämpft aber auch heftigst die Höhen. In einem Tweed-Amp ist das definitiv zu viel - geht garnicht. Wenn der Nightrain sehr höhenreich ist, mag das aber angehen. Wenn der Amp abner ohnehin zuviel Bass hat, ist das keine gute Idee. Du kannst auch mal versuchen einen Widerstand im Signalweg mit einem kleinen C zu brücken (so wie 470k/470p in manchen Marshalls): Das kann bei Deinem Problem schon Wunder wirken. Ob das beim Nighttrain geht, weiß ich nicht, Hab jedenfalls keine Lust in einem 5-seitigen Thread den Schaltplan rauszusuchen. Ein Link wäre da sicher hilfreich gewesen.
Grüße,
Joachim
darkbluemurder:
Hallo Georg,
Allgemein kann man sagen, dass folgende Maßnahmen zwischen PI und den Endröhren die Blocking Distortion entweder verhindern oder die Zeit verringern, bis sich der "Block" wieder verflüchtigt. Dazu gehören:
a) Verkleinerung der Koppelkondensatoren (coupling caps);
b) Verkleinerung der Widerstände gegen Masse (grid leaks/grid loads);
c) Erhöhung der Gittervorwiderstände (Gridstopper) vor den Endröhren.
Wie es sich dann bei einzelnen Modellen auswirkt, kann man aber so allgemein nicht sagen, da ist jedes Ampmodell verschieden. Viele Vintage-Amps (z.B. Fender, alte Vox) haben 0,1uf als Koppelkondensatoren nach dem PI. ABER: diese Amps wurden nicht für Overdrive entwickelt. Die Konstrukteure wollten einen möglichst lauten und cleanen Sound und haben nicht erwartet, dass wir Gitarristen die Dinger aufdrehen, nicht nur bis sondern damit es zerrt! Marshall hat zuerst daraus gelernt. Der JTM-45 - eine reine Kopie des 5F6-A Fender Bassman - hat dort noch 0,1uf - oha, matscht beim Aufdrehen, also runter damit - im 1987 sind es nur noch 0,022uf. Später haben sie in der Vorstufe die Bässe weiter reduziert und die Höhen angehoben - der typisch helle/grelle Marshall-Sound entwickelte sich so. Mit Amps, die beim Aufdrehen wesentlich weniger matschen, haben sie die Rockbühnen der Welt erobert. Andere Hersteller übernehmen einfach Schaltungen aus anderen Amps (z.T. auch aus den eigenen!), ohne sie auf den neuen Kontext anzupassen. Das scheint z.T. auch beim Nighttrain passiert zu sein. Ich würde jedenfalls in einem Amp, dessen Endstufe übersteuert werden soll, keine 0,1uf PI-Ausgangskoppelkondensatoren verwenden. Versuch mal, sie auf 0,047uf runterzusetzen; wenn es nicht reicht, dann auf 0,022uf.
Das mit den Koppelkondensatoren ist ebenso wie die Verkleinerung der Grid Leaks aber ein Kompromiss, denn geht man zu weit runter, klingt der Amp bei kleineren Lautstärken dünn. Hier ist dann halt Fingerspitzengefühl und ein gutes Gehör und viel Geduld gefragt, bis man das gewünschte Ergebnis hat.
Die Erhöhung der Gridstopper lässt die Bässe unberührt. Da die Endpentoden normalerweise eine geringere Millerkapazität als die 12AX7 aufweisen, kann man die auch erhöhen, ohne zuviel Höhenverlust befürchten zu müssen. Du hast geschrieben, sie sind jetzt 8,2k. Probier mal 22k. Aufpassen muss man nur in Verstärkern mit fester negativer Gittervorspannung (fixed bias), dass man die zulässige Grenze ("Total grid resistance") der Endröhren (steht im Datenblatt) nicht überschreitet. Bei Kathodenbias, wie es auch der Nighttrain hat, sind die Grenzen wesentlich höher und unproblematisch.
Es ist also alles eine Frage des Tweakens und Hinhörens. Was man an einer Stelle wegnimmt, um einen bestimmten Effekt zu erreichen, muss man vielleicht anderswo in der Schaltung ausgleichen. UND es ist immer davon abhängig, wie ich den Amp spiele (mit welcher Gitarre, Box/Lautsprecher und bei welcher Lautstärke).
Es gibt bei Pentode Press auch ein Kalkulationsprogramm, bei dem man das ausrechnen kann. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich die mathematischen Zusammenhänge in dem Programm nicht erfasse. Das ist für mich auch nicht so entscheidend, solange ich den gewünschten Sound bekomme und dem Amp nichts phsyikalisch Unmögliches abverlange.
Viele Grüße
Stephan
darkbluemurder:
PS - da es in diesem Fred um einen Tweed Champ geht, sollten wir die Nighttrain-Diskussion vielleicht in dem anderen Fred weiterführen. Sorry für's Kapern.
Stephan
GeekG:
--- Zitat von: Joachim am 11.03.2010 09:23 ---Servus!
Ein 1M Gridstopper vor der Kathodynstufe dämpft aber auch heftigst die Höhen.
--- Ende Zitat ---
habe gehört das gerade bei der kathodyn phase inverter stufe es zu KEINER höhenabdämpfung kommt, im gegensatz zu anderen stufen.
auf mehreren pages, kann dir leider nicht genau sagen wo überall aber denk auf valve wizard steht das so, und viele leute die mich beraten haben sagen das gleiche. aha hier hab ichs
"We add a large grid stopper to the cathodyne, to keep this grid current in check. A value of 100k to 1Meg is usually necessary. Before you worry, this will not affect the treble response though, because the cathodyne only has unity gain! f you are using a cathodyne always give it a nice big grid-stopper. The tonal reward is startling!!! Yes I know Leo Fender didn't use any, but he wasn't designing amps to be overdriven, and this is the 21st century."
GeekG:
--- Zitat von: Joachim am 11.03.2010 09:23 ---Servus!
Du kannst auch mal versuchen einen Widerstand im Signalweg mit einem kleinen C zu brücken (so wie 470k/470p in manchen Marshalls): Das kann bei Deinem Problem schon Wunder wirken. Ob das beim Nighttrain geht, weiß ich nicht, Hab jedenfalls keine Lust in einem 5-seitigen Thread den Schaltplan rauszusuchen. Ein Link wäre da sicher hilfreich gewesen.
Grüße,
Joachim
--- Ende Zitat ---
danke für den tip, mal sehen ob man das irgendwo im schema anwenden könnte.
hier der schaltplan, hab keine ahnung wie man das verlinken sollte.
aber eigentlich gehts mir hier NUR um den mod mit dem poti um das es hier ja ging, das ich nicht ganz verstanden habe wie das gemacht wird, und ob es am gain des amps etwas verändert, oder nur die blocking distortion reduziert.
Lg,
Georg
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