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Ringkerntrafo tt-t50 wird heiß und macht Geräusche

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Offline ChrisR

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Hallo zusammen,

ich habe kürzlich einen Röhenverstärker mit ECC83 Vorstufe und EL84 Gegentakt-Endstufe konzipiert und aufgebaut. Obwohl ich die Schaltung komplett vom leeren Blatt Papier aus selbst ausgerechnet habe, ist nichts Revolutionäres dabei. Das Ziel war hier mehr einen schönen kleinen Amp zu bauen und dabei viel zu lernen.

Nachdem ich die Schaltung aufgebaut hatte (Danke Tube-Town für die wie immer zuverlässige Lieferung) funktionierte das Teil auf Anhieb und die Freude war natürlich riesig. Ich habe zuvor schon einige Bausätze sowie selbst konzipierte Verstärker aufgebaut, aber der Moment des ersten Einschaltens ist doch immer etwas Besonderes. Einizger Grund zur Besorgnis: Sobald ich die Hochspannung zuschalte (der Verstärker kann Heizung und Hochspannung separat schalten) höre ich ein deutliches Surren aus dem Netztrafo. Nach längerem Spielen (ca. 2h netto Spielzeit) wird der Trafo und das ganze Chassis sehr heiß. Immer noch kurzzeitig berührbar, aber deutlich wärmer als ich das sonst so von Röhrenverstärkern (auch meinen Selbstbauten) kenne.

In meinem Fall ist der Netztrafo ein Tube Town "tt-t50" Ringkern-Trafo mit sekundärseitigen 6,3V @ 3A und 250V @ 120mA. Mit den 2x ECC83, 2x EL84 und dem Pilot-Light sollte ich im Heizkreis auf ca. 2,27A insgesamt kommen. Nach Berechnung sollte der Hochspannungskreis bei insgesamt 72mA liegen. Die Spannungen fallen in der Messung allerdings etwas tiefer aus als erwaretet (macht mich schon stutzig) und wenn ich die Widerstände im Netzteil nachmesse komme ich auf ca. 53,14mA Stromfluss insgesamt.

Sollte ich den Trafo damit schon überlasten? Ich habe ansonsten vorab natürlich alle DC-Arbeitspunkte in meiner Schaltung durchgemessen und nichts auffälliges entdeckt. Alles ein bisschen tiefer als in der Theorie, was aber nicht wundert wenn B+ schon zu tief ist. Klanglich ist auch alles OK soweit. Die EL84er sind zwar schon etwas älter, aber "kaputt" scheint davon keine zu sein - funktionieren soweit auch einwandfrei in anderen Verstärkern.

Mein Fazit: Niedrigere Spannung auf der HV-Seite, starke Hitzeentwicklung auf längere Zeit und das deutliche "Surren" im Trafo sprechen für mich auf eine Überlast. Ich kann diese aber bisher noch nicht nachweisen. Nächster Schritt wäre für mich die insgesamte vom Trafo aufgenommene Leistung zu messen bzw. den Strom direkt zu messen und nicht über den Spannungsabfall an den Widerständen im Netzteil festzumachen.

Hat jemand einen Tipp was ich messen oder versuchen könnte? Oder sind die Zahlen doch grenzwertig? Oder hab ich in meiner Schaltung (siehe Anhang) irgendwas komplett falsch gemacht? Ich bin für jeden sachdienlichen Hinweis dankbar.

Beste Grüße
Chris

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Offline Helmholtz

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Re: Ringkerntrafo tt-t50 wird heiß und macht Geräusche
« Antwort #1 am: 4.10.2026 21:56 »
Deine Strommessung zeigt nur den Ruhebetrieb ohne Signal.
Laut Datenblatt ziehen die zwei EL84 mit einem 8k AÜ (OT) bei 17W Ausgangsleistung ohne Clipping
zusammen 114mA (Anodenstrom plus Schirmgitterstrom). Zusätzlich ca. 4mA für PI und Vorstufe.
Ergibt 118mA.
MIt Brückengleichrichtung ist der Trafo-Wechselstrom etwa 60% höher als der DC Strom.
Also 189mAac.
Bei Endstufenübersteuerung steigt die Stromaufnahme weiter.
« Letzte Änderung: 4.10.2026 22:05 von Helmholtz »

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Offline ChrisR

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Re: Ringkerntrafo tt-t50 wird heiß und macht Geräusche
« Antwort #2 am: 4.10.2026 22:24 »
Hallo Helmholtz,

vielen Dank für deine Antwort. Verstehe, in dem Fall sollte ich im Ruhebetrieb ohne Signal noch innerhalb der Specs sein aber im normalen Betrieb verlange ich dem Trafo zu viel ab. D.h. ich sollte wohl auf einen stärkeren Trafo umsteigen, oder?

Und meinst du das Trafo-Geräusch hat was damit zu tun? Ich höre das ja auch schon im Ruhebetrieb ohne Signal.

Danke und beste Grüße
Chris

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Offline Helmholtz

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Re: Ringkerntrafo tt-t50 wird heiß und macht Geräusche
« Antwort #3 am: 4.10.2026 22:49 »
Hallo Helmholtz,
vielen Dank für deine Antwort. Verstehe, in dem Fall sollte ich im Ruhebetrieb ohne Signal noch innerhalb der Specs sein aber im normalen Betrieb verlange ich dem Trafo zu viel ab. D.h. ich sollte wohl auf einen stärkeren Trafo umsteigen, oder?

Ja, so sehe ich das.
Zumindest, wenn der Amp längere Zeit an der Leistungsgrenze betrieben werden soll.

Das Trafogeräusch ohne Aussteuerung dürfte eher mechanisch sein.
Z.B. lose Drahtwindungen und ungünstige Montage.
Ein Foto wäre interessant.
« Letzte Änderung: 4.10.2026 23:16 von Helmholtz »

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Offline Dirk

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Re: Ringkerntrafo tt-t50 wird heiß und macht Geräusche
« Antwort #4 am: 5.10.2026 08:27 »
Guten Morgen,

vielen Dank für deine Antwort. Verstehe, in dem Fall sollte ich im Ruhebetrieb ohne Signal noch innerhalb der Specs sein aber im normalen Betrieb verlange ich dem Trafo zu viel ab. D.h. ich sollte wohl auf einen stärkeren Trafo umsteigen, oder?

Es ist grundsätzlich sehr zu empfehlen die tatsächliche Leistungsaufnahme zu messen und zwar von allen Wicklungen. Ich hatte jetzt schon mehrfach der Fall, dass Heizwicklungen überlastet wurden - was am Ende zum Ausfall eines Transformators führte - weil mit falschen Werten gerechnet order die Heizung als nicht problematisch angesehen wurde.

Grüße, Dirk
 
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Offline _peter

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Re: Ringkerntrafo tt-t50 wird heiß und macht Geräusche
« Antwort #5 am: 5.10.2026 13:43 »
Hallo,

was hast du eigentlich mit den nicht genutzten Enden der Primärwicklung gemacht?

Gruß, Peter
vintagevalveamps
Der Imperativ von "messen" lautet: miss!

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Offline Röhre69

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Re: Ringkerntrafo tt-t50 wird heiß und macht Geräusche
« Antwort #6 am: 5.10.2026 14:59 »
Hallo,

ich empfehle aus Sicherheitsgründen, den Trafo immer (erst recht beim fliegenden Versuchsaufbau) primär und sekundär korrekt abzusichern. Das hilft dann nebenbei auch bei der Fehlersuche.

Grüße

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Offline ChrisR

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Re: Ringkerntrafo tt-t50 wird heiß und macht Geräusche
« Antwort #7 am: 6.10.2026 08:27 »
Zunächst mal vielen lieben Dank für eure Antworten! Hier meine Kommentare zu euren Fragen:

Mechanische Ursache für Trafogeräusch: Ok, der Sache werde ich auf den Grund gehen. Ich habe gestern im laufenden Betrieb bei offenem Chassis (mit Hilfe einen nicht-leitenden Holzstabes) potenziell klappernde Kabel leicht niedergedrückt bzw. angehoben, was allerdings nichts gebracht hat. Ich gehe der Sache aber mal weiter auf den Grund und kontrolliere die Verschraubung am Chassis. Ein Foto dazu liefere ich ansonsten gern.

Tatsächliche Leistungsaufnahme messen: Machst du das normalerweise primärseitig oder sekundärseitig am Netztrafo? Also die gesamte Leistungsaufnahme des Gerätes (z.B. über Leistungsmessgerät an der Steckdose) oder sekundärseitig die einzelnen Wicklungen? Ich vermute sekundärseitig, um die Leistung jeder Wicklung mit dem Spezifikationen vergleichen zu können?

Ungenutzte Primärwicklung: Die ungenutzten Kabel habe ich erst einzeln per Schrumpfschlauch isoliert, dann noch mal gemeinsam in einem größeren Schrumpfschlauf fixiert, leicht aufgewickelt und per Kabelbinder am Kabelbaum fixiert. Passt das so?

Primäre und sekundäre Absicherung: Ja, das ist ein guter Tipp. Sicherst du in dem Fall sekundär Hochspannung und Heizung separat ab? Bisher habe ich eine primärseitige Sicherung.

Bisher folge ich der Erkenntnis, dass der Trafo im Normalbetrieb überlastet ist. Einen Test, den ich gestern noch gemacht habe: Ich habe den Verstärker bei offenem Chassis betrieben und im Betrieb die Spannung B+ (über dem ersten Kodensator im Netzteil) sowie den Spannungsabfall über dem ersten Widerstand im Netzteil gemessen (gesamter Strom im Hochspannungskreis fließt hier drüber). Ich konnte sehen, dass sich die Spannung B+ signalabhängig leicht reduzierte. Natürlich war die Messung nicht in Echtzeit sondern nur über Digitalmultimeter möglich, aber bei stärkerem Signal sank die Spannung um einige Volt ab und der Spannungsabfall über dem Widerstand stieg an. Logisch soweit. Den (deutlichen) Spannungsabfall in B+ interpretiere ich als Anzeichen für eine Überlastung - richtig?

Ich werde als nächstes dann vermutlich die Sekundärwicklungen einzeln absichern, die Leistungsaufnahme aller Wicklungen untersuchen und schauen, ob ich wenigstens den Grund für das Trafogeräusch im Ruhezustand finde. Und ich sehe mich wohl mal nach einem stärkeren Trafo um. Hat jemand einen Tipp für einen Trafo in dieser Konfiguration idealerweise als Ringkern?

Danke noch mal und guten Start in den Dienstag.

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Offline Röhre69

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Re: Ringkerntrafo tt-t50 wird heiß und macht Geräusche
« Antwort #8 am: 6.10.2026 12:11 »
Hallo,

erste Anregungen zu Sicherungen findet Du z.B. hier:

https://www.valvewizard.co.uk/fuses.html

Bei meinen Selbstbauprojekten wird alles primär und sekundär abgesichert (natürlich nicht PE). Absicherung der Heizung wird kontrovers diskutiert. Bei mir wird die Heizung ebenfalls abgesichert und ich habe damit bisher noch keine Probleme gehabt.
Ich verwende gerne Trafos von der Stange, bei denen aufgedruckt ist, welche (maximale) Sicherung zu verwenden ist. Die korrekte Dimensionierung einer Sicherung (Nennwert, Auslösecharakteristik etc.) ist nicht ganz trivial, wenn´s nach Vorschrift sein soll.
Primär verwende ich 2 Sicherungen, dann spielts keine Rolle, wie herum der Netzstecker in der Steckdose steckt. Serienmäßig sind wohl die meisten Amps primär nur mit einer Fuse abgesichert.
Man sollte auch die ta = ambient temperature nicht aus den Augen verlieren.

Die einzelnen Wicklungen dürfen weder primär noch sekundär über den Spezifikationen betrieben werden (Strom, Spannung, Leistung). Primär wirst Du eine höhere Leistung messen als die Summe der Sekundärleistungen, da der Trafo einen Wirkungsgrad <1 hat.

Was ich nicht sicher weiß aber für möglich halte: Es gibt Trafos, die bei voller Auslastung aller Sekundärwicklungen die Primärwicklung in Summe überlasten.
 
« Letzte Änderung: 6.10.2026 13:31 von Röhre69 »

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Offline Helmholtz

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Re: Ringkerntrafo tt-t50 wird heiß und macht Geräusche
« Antwort #9 am: 6.10.2026 16:47 »
Ich verstehe nicht, was Du mit zu niedriger Spannung meinst.
Welche AC Spannungen misst Du an den Sekundärwicklungen mit Belastung?