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Mallorys oder Orange Drop für 5E3
DocBlues:
Hallo Kai,
die Solen Fast verarbeiten - bauartbedingt - Impulse und Feinheiten des Signals sehr schnell und damit detailliert. Das Signal wird also dynamischer und unverfärbter übertragen. In diesem Sinne kann man schon sagen, daß Solen fast in einer anderen Qualitätslage spielen als Mallory, Orange Drops, Xicon, Wima MKP4 etc.
Ob einem dass Klangmäßig undedingt gefällt ist natürlich die zweite Frage - da hast Du recht.
Man sollte allerdings zweierlei Aspekte betrachten:
1. Verfärbungen im Frequenzgang. Die können bei Gitarrenamps durchaus erwünscht sein und ein technisch weniger guter Kondensator kann z.B. Höhen und Bässe abdämpfen und damit die Mitten betonen.
Hier kann z.B. ein Mallory oder Roederstein genau die Mittenbetonung bringen oder ein Orange Drop das zusätzliche Fender-Klingeln.
2. Die Impulsverarbeitung und Sensitivität. Hier ist die Frage, ob Feinheiten des Anschlags, der Spieldynamik und des Ausdrucks des Gitarristen übertragen werden oder ob ein Teil davon im Signalweg - z.B. an weniger guten Kondensatoren - verlorengeht. In dieser Hinsicht ist Solen Fast sehr viel besser als die anderen genannten Caps und Polyester Caps wie Mallory fallen deutlich zurück.
Das ist etwa der gleiche Effekt, als wenn Du eine Taylor oder Lakewood Akustk-Gitarre mit einer 300 Euro Gitarre vergleichst. Ein anderes Beispiel wäre, einen Celestion Alnico Gold mit einem Simple-Speaker für 50 Euro zu vergleichen. So ist es eben zwischen Solen Fast und Mallory oder Roederstein.
Das Problem ist also, daß man ja eigentlich die Sesitivität nach Punkt 2 in jedem Fall haben will (wer will schon einen leblosen, matten Ton), andererseits in Gitarrenverstärkern aber die gezielte Verfärbung des Signals wie in Punkt 1 häufig erwünscht ist.
Der einzige Weg, beides zu kombinieren, ist, nicht genau an den klassischen Schaltplänen hängen zu bleiben, sondern einerseits die besseren, sensitiveren Bauteile für Details und Punch zu verwenden und die Verbiedung des Frequenzgangs durch andere Bauteilwerte und modifizierte Schaltungen (gegenüber den vintage-Originalen) zu erreichen. Dann hat man das Beste aus beiden Welten. Dagegen spricht , daß man mehr Aufwand (bei der Klangabstimmung) treiben muß und mehr Erfahrung braucht.
Wenn Du also z.B. einen Marshall JCM 800 (2204) auf Solen Fast umrüstest und vielleicht auch die Keramik-Kondensatoren auf Silver Mica umstellst, geht Dir der typische Marshall Sound etwas verloren. Wenn Du dann aber die Bauteilwerte modifizierst (Kondensatoren, Widerstände) und ggf. ein paar Details änderst (wie Grid-Stopper und Höhen-Dämpfung) bekommst Du ein Marshall-Upgrade: Sensitiver, mehr Punch, detaillierter mit Biss aber weniger kratzig.
Wenn Du dagegen einfach nur genau das haben willst, was Marshall 1980 war, dann nimm Polyester Caps und versuch auch die anderen Bauteile genau nachzuempfinden.
Eines sollte man aber nicht vergessen: Die Bauteilauswahl bei Fender, Marshall etc. geschah auch früher bereits vorrangig nach Kostenüberlegungen und nach Verfügbarkeit am Markt und nur zum geringen Teil nach klanglichen Gesichtspunkten. Das hat sich bis heute kaum geändert - eher im Gegenteil. Der Preisdruck ist noch stärker geworden und die Amps werden noch billiger zusammengeschustert. Wenn Marshall die Amps mit Solen Fast und besseren Widerständen ausrüsten würde, wären die mindestens in der Preiskategorie von Mesa Boogie.
Es ist alles eine Frage davon, was man erwartet und ob man die Dinge (Amps, Gitarren) noch verbessern will oder davon ausgeht, daß nur der Stand der Technik und der Kostenrechnung von 1980 oder gar von 1962 das Maß aller Dinge ist. Nur weil vieles von der Stange heute so mäßig klingt, heißt das nicht, daß man es nicht heute noch besser als in früheren Jahrzehnten machen kann.
Ich treibe die Dinge halt gern noch weiter und entdecke neue Möglichkeiten. Das muß natürlich nicht für andere gelten - nur nimmt man sich dann ein paar Möglichkeiten und Chancen. Übrigens hätte es weder die Les Paul Gitarre ohne die Neugier und Experimentierlust von les Paul gegeben, noch die Telecaster oder Stratocaster, wenn nicht Leo Fender Grundprinzipien des Gitarrenbaus in Frage gestellt hätte. Aber gerade bei Leo war vieles kostengetrieben und nicht klangtechnisch motiviert.
Lat but not least: Mit frischen Ohren, offener Grundhaltung und etwas Geduld experimentieren bringt letztlich mehr als darüber zu schreiben.
Gruss,
DocBlues
Fwänk:
Hallo Bernd und die anderen,
das kann schon sein das ich da etwas verwechsele, aber ich weiß nicht wie ich das Rauschen beheben kann, zumal die Einstreuung aus dem Kondensator für mich nicht nur wie ein Brummen klang sondern auch Rauschanteile hatte.
--- Zitat ---Dagegen spricht , daß man mehr Aufwand (bei der Klangabstimmung) treiben muß und mehr Erfahrung braucht.
--- Ende Zitat ---
Erfahrung und Zeit ist notwendig um diese Optimierungen aus den Amps rauszuholen. Und ich will ja nicht nur bauen, ich baue um zu spielen. Es macht Spass seinen "eigenen " Amp zu spielen. Aber wenn ich nach der Arbeit neben der schon geringen Zeit zum üben auch noch Zeit in die Optimierung stecke, dann ist "Polen offen daheim".
Es ist an der Zeit einen "Best Practice" Leitfaden zu entwickeln für den Röhrenverstärkerbau. Mal sehen wie viel Potential an Grundsatzdiskussion darin steckt.
Grüße, Frank
Han die Blume:
Solche Erfahrungen findet man häufig im Netz:
1. Old fender brown "cholate drops" -- sounded crappy, sort of distorted,
thin and uneven. Burn them.
2. Old fender blue "tootsie roll" caps -- sounded great - warm, round,
full. Not harsh or edgy. These are what are in most 64-66 black face
fenders.
3. Sprage 416 and 419 "Orange drops" -- full equ came through, very
accurate, not the high end roll-off you get with a vintage cap, so they may
sound "bright" or a little harsh to some. (Have used these in coupling
situations without sounding too bright...)
4. Mallary 150 "yellow tootsie rolls" -- seem to roll off some bass, and
have a nice kind of mid-range hump. A little vintage distortion vibe or
something happening -- many say they sound like "tweed" caps, whatever that
means. They are high end eq oriented, but not too bright.
5. Polypropelene caps -- pretty warm sounding, cheap and good sound.
Hoffman has these.
6. Cornell Duplier "black cats" -- NOS caps. SOund a lot like the blue
fender caps, which may be Cornell Duplier caps?
7. "Oil in foil" high end audiofile caps from Angela -- very expensive
($10/cap). Incredible accurate -- i.e. when you change the bass pot you get
a very accurate and smooth eq impact. Sounded almost too smooth to my ears
-- nice and warm, but technical in their action. If I ever get rich, I'll
do a whole amp in these. Have not tried them as coupling caps -- bet they
would sound great.
Dabei wäre es doch gerade im Tonestack interessant die Caps zu mischen, weil die Caps doch im Prinzip eine invertierte Charakteristik haben müssen, je nachdem, ob ich sie gegen Masse einsetze, oder im Signal, oder?
@DocBlues: Danke für Deine lange Ausführung, das mit der Geschwindigkeit: Solen FAST - leuchtet mir ein. Aber trotz allem bin ich, wie viele andere Gitarristen auch, KONSERVATIV, d.h. mein Traumsound kam schon vor 20 Jahren von einer Bühne und den suche ich.
Wie verändert sich eigentlich der Sound, wenn man Kondensatoren parallel verwendet?
Kai
DocBlues:
Hallo,
Parallelschalten von verschiedenartigen Kondensatoren (sofern sie vom Bauteilwert in gleicher Größenordnung sind) ist eine heikle Angelegenheit - man weiß nie, was da an Gesamtsound rauskommt. Ich würde das lassen. Was dagegen leichter zu überblicken ist, ist Kondensatoren verschiedener Größenordnungen zu kombinieren, als z.B. einen 47µF Elko mit einem 100nF Polyprop Kondensator oder einen 470 nF Polyester mit einem 220pF SilverMica. Sowas kann man leichter überblicken und systematischer testen.
Zum Traumsound vor 20 oder 30 Jahren:
Vielleicht sollte man eins nicht vergessen: Die Sounds, die wir auf alten Aufnahmen aus den 60, 70, 80 Jahre kennen, geben nur bedingt das wider, was tatsächlich vom Amp gekommen ist. Nicht zu vergessen ist die Aufnahmetechnik von damals mit Röhrenkompressoren, Bandsättigung usw. . Viel von den tollen vintage Gitarrensound ist auch die Aufnahmetechnik.
Lange Zeit war z.B. für mich der ultimative Overdrivesound "Live in Europe" von Rory Gallagher 1972 und dort insbesondere "Messing with the Kid" und "Laundromat". Das war Stratocaster, Rangemaster Treble Booster und AC30 mit Blue Bulldogs am Anschlag - dachte ich jedenfalls lange. Ich war damals glühender Rory Fan , hatte als ersten Amp den AC30 mit Blue Bulldogs und war auf diversen Konzerten von Rory. Sein Sound war live zwischen mäßig bis unerträglich schrill. Gleiches ist mir mit meinem anderen Helden Ritchie Blackmore passiert. Als 16 jähriger hatte ich nach Gallagher und Deep Purple Konzerten jeweils 2 - 3 Tage klingeln in den Ohren.
Später wurde mir klar, daß erstens durch die Aufnahmetechnik sehr viel verändert wurde und ich zweitens als Jugendlicher die Songs über ein altes Röhrenradio von Platte oder Tape gehört habe. All diese Faktoren trugen maßgeblich zum Klangeindruck bei.
Ich habe inzwischen digitalisierte Versionen der alten Stücke und im Heimstudio sehr gute Abhörmonitore. Rory von Live in Europe klingt immer noch toll, Ritchie mit der UR-Version von Strange kind of woman ebenfalls. Ich behaupte aber, das beide live nie auch nur annähernd so gut geklungen haben.
Was ich versuche, ist, die Sounds zu produzieren, die ich z.B. von Rory oder Ritchie von den Aufnahmen kenne und so wie ich sie über meine Abhörmonitore höre, d.h. all der Druck, die Sahne und der Biss, der nur mit entsprechender Abmischung damals zustande gekommen ist. Außerdem möchte ich auch in Zimmerlautstärke den Sound, den z.B. Rory und Ritchie mit Vox und Marshall am Anschlag und Speaker Sättigung erzeugt haben (oder besser gesagt, wie es auf den Aufnahmen klingt).
All das ist nicht unbedingt möglich, wenn man nur versucht, die Amps auf den damaligen Stand zu trimmen. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, daß viele Gitarristen ihrem Traumsound ewig hinterherlaufen - die Amps für sich machen den Sound, den man da im Ohr hat, nicht.
Eins noch zu Deiner Auflistung von Kondensator Charakteristiken: Mit den Polyprop Kondensatoren von Hoffmann sind die Xicon MPP gemeint, die Hoffmann für seine Boutique Amps gern benutzt.
Gruß,
DocBlues
bazookajoe:
Das mit der Aufnahmetechnik ist wahr !!!
Ich kann mich noch erinnern wie ich mit 15 Robert Johnson gehört habe und dann in Musikgeschäften eine akustische Gitarre
gesucht habe die so klingt...
Und mit meiner momentanen Suche nach dem Sound auf frühen elektrischen Bluesaufnahmen ist es wahrscheinlich so ähnlich,
ich würde mir halt wünschen daß es direkt aus meinem Amp so klingt wie auf der Aufnahme.
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