Moin,
vor diesen Problemen stand ich beim Bau meines 500W-Röhrenamps mit 6x KT120. Diese Röhren haben auch einen maximalen Gitterableitwiderstand von 51k, der bei drei parallel geschalteten Paaren schwer zu erreichen ist.
Ich hatte die sechs Kannen erst in einem Mywatt 400 getestet, der einen Gesamt-Gitterableitwiderstand von ca. 135k pro Endröhre hat, also deutlich zu hoch für die KT120.
Das klappte nicht gut, die Röhren hatten einen instabilen BIAS, liefen im Anodenstrom unterschiedlich hoch und manche pendelten sich nur sehr langsam wieder beim Ruhestrom ein, wenn man das Signal stoppte.
Das liegt wohl daran, dass sich die Elektronenwolke, sich um G1 bildet, nicht schnell genug nach Masse abgeleitet werden.
Regel 1:
Der grid leak / Gitterableitwiderstand ist die Summe der (DC)-Widerstände vom G1 nach Masse (kann man so messen), die Impedanz des PI spielt da keine Rolle.
Regel 2:
Bei parallel geschalteten Röhrenpaaren in PP-Endstufen ist der Gesamt-Widerstand der DC-Widerstände, die der PI sieht, gleich der Parallelschaltung der einzelnen grid leaks.
Un den grid leak von 51k pro Röhre einzuhalten, habe ich eine sehr niederohmige BIAS-Schaltung konstruiert, die bei 45-50k je nach Stellung des 10k-Trimmers liegt und zudem fail safe ist (Trimmer defekt - volle negative BIAS-Spannung liegt am G1).
Für den PI bedeutet das, dass er ca. 3x 51k parallel =ca. 17k beträgt! Das schafft kein PI, ohne seine symmetrischen Eigenschaften zu verlieren, ausserdem bricht die Ausgangsspannung zusammen, sodass die Endröhren nicht ausgesteuert werden können.
Die Lösung ist bei mir ein Treiber gewesen, der als CF (cathode follower) für eine niedrige Ausgangsimpedanz sorgt und damit ca. 60V RMS an 15k Last liefern kann (Verstärkung knapp 1). Da brauchte es eine 12BH7 mit ca. 12mA Anodenstrom.
Zusammengefasst:
Die parallel geschalteten grid leaks sollten für gute Stabilität (vor allem bei >100-200W) innerhalb der Specs liegen, wenn der PI es nicht schafft, benötigt man einen Treiber.
Zu Deiner Planung:
6550 sind deutlich gutmütiger als KT120 oder KT88, da wird es bis zur 2 Paaren parallel ohne Treiber gehen, wenn Du den grid leak etwas anhebst. Ab drei Paaren geht es bei Standardschaltungen nicht ohne Treiber gehen.
Ich würde es bei einem LTPI mit einer ECC81 und einem grid leak pro Röhre von ca. 100k versuchen und schauen, ob der Amp in Bezug auf den BIAS stabil ist.
In den grid leak gehen folgende Widerstände mit ein:
- Grid Stopper
- Auskoppelwiderstand
- ca. der halbe Poti-Wert
- Widerstand vom Poti nach Masse
Den kompletten Thread mit der Beschreibung des Baues findest Du hier (auch sie Schaltpläne):
https://www.bassic.de/threads/forwatt-500-bau-eines-roehrenverstaerkers-mit-6x-kt120.14919241/